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Philipp Lehner: Ich möchte mal so richtig Kajak fahren PD 07/2001
Mühlacker. Es hat schon einen gewissen Seltenheitswert, wenn Pferdesportler mit dem Goldenen Voltigierabzeichen geehrt werden, zumal in Baden-Württemberg. Nicht, dass hierzulande dieser schöne Sport nicht ausreichend gefördert würde. Aber: Es ist eben doch ein langer Weg, bis sich ein Sportler in dieser Disziplin die Siege und hohen Wertnoten erkämpft hat, die für das "Goldene" erforderlich sind. Im Rahmen der Landesmeisterschaften Voltigieren, Springen und Dressur in Schutterwald (12.-15. Juli) wird Philipp Lehner für seine Erfolge ausgezeichnet, nachträglich quasi. Er startete zu seiner aktiven Zeit für den Voltigier- und Reitverein Pegasus-Mühlacker, ein renomierter Ver-ein.

1993 war Philipp Lehner erfolgreichster Baden-Württemberger Voltigierer. Die Lan-desmeisterschaft von 1993 in Leonberg gab ihm den Rückenwind für den Sieg im gleichen Jahr bei der Süddeutschen Meisterschaft. Bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin-Dalgow, auf dem vereinseigenen Pferd Domingo startend, longiert von seiner damaligen Heimtrainerin Andrea Töppe, gewann er Bronze. Wegen seiner guten Serie erhielt Lehner nun auch eine Einladung ins Trainingslager für die Europameisterschaft nach Warendorf. Dort war er zunächst als Ersatzvoltigierer für die EM in Den Haag vorgesehen. Seine Leistungen brachten ihm eine Starterlaubnis ein: Er wurde Fünfter in Den Haag.

Der junge Sportler, der 1994 sein Abitur machte, begann seine Karriere bereits 1991 mit der Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Schenefeld. Im gleichen Jahr wurde er Zweiter der Landesmeisterschaft. 1994 kam Philipp Lehner, der seine Bundeswehrzeit bei der Sportfördergruppe in Philippsburg verbrachte, in Soltau bei der DM auf Rang fünf und gewann 1994 Silber bei der Süddeutschen Meisterschaft in Darmstadt. Es gelang ihm auch wieder 1994 in Pforzheim Landesmeister zu werden. Und seit 1994 sammelte Philipp Lehner, er studiert in Karlsruhe Elektrotechnik, Wertnoten über 8,5. Das ist im Voltigiersport schon eine Schallmauer. Wer sie überspringt und das mindestens zehnmal, der wird mit dem Goldenen Voltigierabzeichen ausgezeichnet. Mehr als 30 (!) mal hat der Sportler Wertnoten über 8,5 bekommen; bei der EM in Aachen 1997 holte er zweimal die Note 8,6. Sechsmal lagen Lehners Wertnoten über 9,0. Mit der Note 9,2 beendete er 1997 in Tübingen seine Sport-Karriere. In seinen letzten zwei Sportlerjahren begleitete ihn dabei Barbara Link aus Maulbronn als Longenführerin.

Philipp Lehner stammt aus einer pferdesportbegeisterten Familie. Nicht nur sein Bruder Michael, auch Ute, die Schwester, habe aktiv voltigiert und bei einer Landesmeisterschaft Bronze gewonnen. Michael aber sei der Erfolgreichste der drei gewesen. "Mein Bruder war auch stets ein gutes Vorbild für mich" sagte Philipp Lehner im Gespräch. Vor allem aber sei er seinen Eltern dankbar für die schönen Sportlerjahre. Gerade weil sie nie Druck auf ihn ausgeübt hätten, habe er seine Erfolge erringen können. So konnte er immer auch selbst entscheiden, was er tun wollte. Zum Beispiel sich auf die Kür konzentrieren. "Die Kür war meine eigentliche Stärke im Voltigieren. Wenn ich die Pflicht hinter mir hatte, konnte ich meine Trümpfe in der Kür ausspielen!" erinnert sich der künftige Diplom-Ingenieur. Unvergessen sind auch Erlebnisse wie die erste Teilnahme an einem Championat, die Europameisterschaft 1993 in Den Haag oder die EM von 1995 in Saumur. "Unvergesslich ist mir meine Silbermedaille von der WM in Ungarn 1996 und zum Abschluss meiner Karriere 1997 das Gold der Europameisterschaft von Aachen." Es waren tolle Jahre, das lässt Philipp Lehner spüren, wenn er vom Voltigieren erzählt. Auch wenn er zur Zeit nur selten reiten kann, sportlich hat sich Philipp Lehner, der früher gerne kletterte, einen Traum aufgehoben: "Ich möchte gerne einmal richtig Kajak fahren."
Martin Stellberger