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So ein Mist mit dem Mist PD 04/2000
Schlecht schlafen können viele Pferdebesitzer, Stallbesitzer, Vereinsbosse, wenn sie nur daran denken, wie sie die Unmengen Pferdemist entsorgen. Landwirte haben es da meist noch gut. Vereine mit Stallungen können sich glücklich schätzen, wenn ein Bauer den anfallenden Mist abnimmt. Kostenlos versteht sich. Betriebe, Vereine in städtischen Regionen, Stallgemeinschaften und Besitzer kleiner Privatställe tun sich immer schwerer, den Bestimmungen der Umwelt-Gesetzgebung gerecht zu werden. Vorgeschrieben wird längst, wie und wo Mist gelagert, zumindest zwischengelagert werden kann. Wenn man bedenkt, dass ein Großpferd im Laufe eines Jahres nach Angaben der Fachzeitschrift Pferdebetrieb rund 10 Kubikmeter Mist produziert, kann es den Pferdefreunden ganz schön warm werden. Selbst Landwirte dürfen längst nicht mehr zu allen Zeiten des Jahres Mist und Gülle auf die Felder ausbringen. Kompostieranlagen der größeren Städte könnten da eine „Rettung“ sein - leider nicht kostenfrei. Hinzu kommt: Einmal wird der Mist als Abfall deklariert (Bundesumweltministerium), andere sehen im Mist schlicht Dünger (Landwirtschaftsministerium).

Not macht dabei erfinderisch: Kann man als Stallbetreiber den Mist seiner Pferde kompostieren, hat man Glück. Kompostierung ist ökologisch machbar, was sich zum Beispiel auch "Umweltprofis" zunutze machen. So hat eine Spezialfirma in Viersen ein Verfahren entwickelt, das den Pferdemist nach drei Wochen Lagerung und Aufbereitung als Dünger verkaufen kann. Eine andere Firma wirbt für ihr Verfahren, bei dem innerhalb kurzer Zeit biologische Abfälle zu Frischekompost der Rottegrade 3 bis 5 verarbeitet werden. Die Zeiten der Behandlung liegen dabei für Pferdemist nach Angaben der Firmen bei nur 10 Stunden. Wieder andere setzen ganz auf die Natur und impfen die "Misthaufen" während einer Flachkompostierung mit Regenwürmern. Eimerweise Substrat mit jeweils 1000 Regenwürmern werden einer Miete von eins auf vier Meter (30 cm hoch) zugeführt. Nach Angabe einer Regenwurmfarm aus Borken benötigt man für den Mist zweier Pferde 10 000 Regenwürmer.
(Quelle: Pferdebetrieb, Verlag Rottwinkel-Kröber, Bramsche).

Eine ganz andere Idee setzte schon 1994 ein englischer Stallbesitzer um. Er nutzt den verrottenden Mist als Energiequelle: Im National Shire Horse Centre bei Plymouth in Devon begann man mit einem 20 Meter langen Plastikrohr, das im Mist eingebettet war. Damit gelang es, Brauchwasser von 20 auf 57 Grad zu erwärmen (PferdeWelt 6.4.1994). Längst ist das System aber professionalisiert und ausgefeilt. Ein Heizkörper steht senkrecht in einem Schacht, der über ein Förderband von oben beschickt wird. Der Mist bleibt rund acht Wochen in dem Schacht, zersetzt sich und erzeugt dabei Wärme. Der verrottete Mist wird dem Schacht unten als Dünger entnommen. Ersparnis: 25 000 Mark Energiekosten im Jahr.
PD/stb