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In Memoriam - Karl Ruder verstarb unerwartet PD 5/2004
KARL RUDER VERSTARB UNERWARTET

LAHR.
Die Reitergemeinde des Landes Baden-Württemberg, besonders die Pferdefreunde des Regionalverbandes Südbadens, waren von der Nachricht er-schüttert: Karl Ruder, erst im April nach mehr als 50 Jahren weitgehend ehrenamtlicher Tätigkeit für den Pferdesport ehrenvoll aus dem Amt verabschiedet, lebt nicht mehr. Am Dienstag, 20. Mai, schloss er, kurzzeitig ins Krankenhaus gebracht, im Alter von 75 Jahren unerwartet die Augen. Nicht allein, dass er als Geschäftsführer Südbadens mit seinem Ausscheiden eine große Lücke hinterließ. Schmerzhafter ist der menschliche Verlust, denn Karl Ruder war über alle Maßen beliebt bei seiner großen Reitergemeinde, ja, er war eine Institution. Die ihm vom Pferdesportverband Baden-Württemberg zugedachte Ehrung, die ihm bei der Delegiertenversammlung in Sindelfingen zuteil werden sollte, konnte Karl Ruder nicht mehr entgegennehmen.

Wenn er gebeten wurde, half er. Nein sagen fiel Karl Ruder nach eigenem Bekunden immer schwer. Über ein halbes Jahrhundert hat er sich in den Dienst seiner Mitmenschen gestellt, wobei das Ehrenamt zum Lebensinhalt wurde. Auch wenn sein Körper deutliche Alarmsignale gab, Karl Ruder bremste sein Engagement kaum. Ruder war ein Freund und Förderer der Pferde, er widmete sich der Pferdezucht ebenso von ganzem Herzen wie dem Pferdesport im Verband Südbaden.

Die Pferde waren Teil seines Lebens und an diesem Leben ließ Karl Ruder viele teilhaben, als Vorsitzender des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg, als Verbandsgeschäftsführer, als Vereinsvorsitzender, als sachkundiger und verständ-nisvoller Turnierrichter bei „seinen“ Gespannfahrer-Turnieren. Ehrenamtliche Funktionen sah der ehemalige Standesbeamte und Ratschreiber von Mietersheim, von Beruf Landwirt und Weinbauer, als wesentliche Voraussetzung für ein funk-tionierendes Gemeinwesen an. Zu diesem „Gemeinwesen“ zählt auch sein Enga-gement für die Völkerverständigung und Aussöhnung. Mit großer Hingabe arbeitete er „grenzüberschreitend“ für die elsässisch-badische Pferdefreundschaft. Seiner Idee folgend entstanden die jährlichen Regio-Turniere, bei denen franzö-sisch-deutsche oder deutsch-französische Reiterfreundschaft gepflegt wurde. Be-sonders am Herzen lagen ihm dabei die Fahrer-Feste, die jeweils am 1. Mai mal dieseits, mal jenseits des Rheins, stattfinden. Karl Ruder, selbst vom letzten Krieg gezeichnet, setzte seine Liebe zu den Pferden bewusst ein, um Völkerverständigung und Aussöhnung mit den Nachbarn vorzuleben und zu pflegen.

Am 5. Oktober 1928 in Lahr-Mietersheim geboren, war Karl Ruder Gründungs- und zunächst von 1977 bis 1985 Vorstandsmitglied des Reit- und Fahrvereins Lahr-Reichenbach. Dann übernahm er 1986 in schwieriger Situation den Vorsitz im Reitverein Lahr, dessen Mitbegründer er 1959 war. Gemeinsam mit Reitlehrer Werner Rode war der Verstorbene in diesen vielen Jahren Dreh- und Angelpunkt beim Reitverein Lahr, dessen guter Ruf bis zur Deutschen Reiterlichen Verei-nigung in Warendorf drang. 1980 wurde Ruder mit der Geschäftsführung des Verbandes der südbadischen Reit- und Fahrvereine beauftragt, dessen stellver-tretende Leitung ihm später zusätzlich übertragen wurde. In seiner Amtszeit wuchs der Verband von 81 auf 186 Mitgliedsvereine, die Zahl der Mitglieder stieg im gleichen Zeitraum von 7.000 auf 21.750.

Seit 1960 widmete er sich der Pferdezucht. Ab 1981 führte er die Abteilung Titisee-Neustadt im Pferdezuchtverband. Zehn Jahre später, im Mai 1991, kam auf ihn zu allen seinen Verpflichtungen ein weiteres wichtiges Amt hinzu, das ihn weit mehr forderte als alle anderen. Seinerzeit wurde er auf der Delegiertenversamm-lung zum obersten Pferdezüchter Baden-Württembergs gewählt.

Karl Ruders Tod wurde von allen Freunden und Weggefährten mit großer Bestürzung aufgenommen. Mit seiner Ehefrau Irma, seinen Söhnen Walter und Willi, der Tochter Sabine und seinen Enkelkindern trauern viele Menschen der Region um einen angesehenen, liebenswürdigen Menschen, einen passionierten Pferdemann und Kameraden, dem sie vieles zu verdanken zu haben. Sein Beispiel und Vorbild wirkt über seinen Tod hinaus fort.
Martin Frenk/stb