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JULIA RODE: GOLD FÜR DIE JUGEND PD 07/2004
JULIA RODE: GOLD FÜR DIE JUGEND

LAHR.
Silber bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Exter im August 2000, im gleichen Jahr Gold bei der Baden-Württembergischen Meisterschaft der Junioren in Schutterwald, Berufung in den Bundeskader. 2002 Mannschaftssilber bei der Europameisterschaft der Junioren in Hagen, erneut Deutsche Vize-meisterin, 2003 sechster Platz im Preis der Besten der Jungen Reiter, wieder Berufung in den Bundeskader und Sieg in der Landesmeisterschaft der Jungen Reiter in Schutterwald... Kann sich eine so erfolgreiche Springreiterein überhaupt noch auf eine Auszeichnung freuen?

Julia Rode aus Lahr kann das ganz bestimmt. Sie freut sich gleich zweimal: Einmal über ihren Schimmel Garfield. Der treue Bursche - er wurde von der Familie selbst gezogen und wird von Julia Rode seit seinem vierten Lebensjahr geritten - trägt sie seit 2000 zu vielen Siegen in Springwettbewerben der Klasse S und zu zahlreichen Platzierungen unter die besten fünf der jeweiligen Turniere. Zweitens freut sich die junge Frau ganz besonders über das Goldene Reiterabzeichen, das ihr verliehen wird für ihre zehn Siege in der schweren Klasse. Den Rahmen für diese besondere Ehrung bietet die Landesmeisterschaft in Schutterwald vom 16.-18. Juli 2004. Dort will sie gleichzeitig ihren Titel aus dem Vorjahr bei den Jungen Reitern (bis 21 Jahre) verteidigen. Wenn ihr das gelänge! Das wäre ein Fest!

Das Leben von Julia Rode wird seit Jahren voll und ganz von der Reiterei und den Pferden bestimmt. „Pferde sind für mich Mitgeschöpfe, die man anständig und artgerecht behandeln muss“ sagte die Reiterin schon 2001 bei einem Reporter-gespräch. Diese Einstellung haben ihr die Eltern mitgegeben. Mutter Hilde ritt früher in Klasse A, bezeichnet sich aber eher als Freizeitreiterin und engagiert sich in der Basisarbeit als Übungsleiterin. Vater Werner Rode war als Junger Reiter 1964 Zweiter mit dem deutschen Team bei der Europameisterschaft in der Vielseitigkeit. Heute genießt er einen guten Ruf als Parcourschef, Reitlehrer in Lahr und Sachverständiger für Pferdeleistungsprüfungen. Er legte bei seiner Tochter Wert auf eine grundsolide Reiterausbildung: „Bevor ich im Springen richtig loslegen durfte, musste ich Dressurprüfungen reiten, denn mein Vater wusste genau, dass der richtige Weg in den Parcours nur über eine vielseitige Ausbildung führt“ erzählt Julia Rode.

Als Elfjährige ritt Julia Rode 1996 ihr erstes Springen mit Hindernissen über 1,30 Meter, auch wenn ihrer Mutter damals schier das Herz stehen blieb. Landestrainer Karl-Heinz Streng aus Mosbach war damals zugegen und berief das Mädchen ein Jahr später prompt in den Landeskader. Auch Kurt Gravemeiers Unterricht hat die Reiterin in den letzten Jahren schon genossen – als Mitglied im Bundeskader, wo sie auch Dietmar Gugler als Ausbilder hatte. Inzwischen „baute“ Julia Rode ihr Abitur und möchte Veranstaltungskauffrau werden. Lernen, trainieren, starten und einen Beruf ins Auge fassen – das heißt auch, zielstrebig sein und diszipliniert. Julia Rode besitzt diese Eigenschaften. Dazu kommt ihre Nervenstärke im Parcours. „Und wenn Sie etwas über meine Schwächen im Sport erfahren wollen, müssen Sie meine Reiterfreunde fragen“, meint sie.

Besonders stolz ist die junge Frau auf ihre Auslandsstarts, die ja nicht selbst-verständlich sind. Für sie muss man sich lange plagen, bis man entsandt wird. Aber im Jahr 2000 war sie schon in Belgien am Start, 2001 in Frankreich, zweimal schon in Italien, in England und auch in Österreich. Da bleibt kaum Zeit für anderen „Zeitvertreib“. Die Pflicht und damit auch ihr Pferd Garfield rufen. Dieses Manko an Freizeit wird aber oft gelindert durch den Erfolg und die Anerkennung. 2001 bekam sie das Dieter-Hofmann-Stipendium, 2002 erhielt sie den Pferdesportpreis des Landesverbandes Baden-Württemberg und wurde 2002 und 2004 in die Förderung „Stiftung Deutsche Sporthilfe“ aufgenommen. Solche Erlebnisse und die Förderung durch Eltern, Verband und Freunde spornen an. Die nächsten großen Ziele stehen denn auch schon fest: „Ich möchte 2005 gerne bei der Deutschen Meisterschaft der Jungen Reiter starten und bei der Europameisterschaft.

Doch zuvor wird gefeiert, in Schutterwald, das Goldene Reiterabzeichen. Auch Garfield bekommt sicher ein dickes Lob von seiner Reiterin, die in ihrer Heimat-zeitung über den Schimmel sagte: „Garfield ist einmalig, wir verstehen uns blind. Schon wenn ich seine Box betrete, weiß ich, was mit ihm los ist. Und im Parcours kann ich mich voll und ganz auf ihn verlassen. Da ist er ein ganz ehrliches, vorsichtiges Pferd!“ Mit ihrem Vater verbindet sie ebenfalls ein inniges Band: „Mein Vater reitet jedes Mal mit. Wenn wir vor dem Start den Parcours abgehen, zeigt er mir alle Klippen und findet immer den kürzesten Weg. Im Wettkampf höre ich in mir seine Stimme immer noch mit.“

Gleichwohl steht die junge Reiterin nicht unter väterlichem Druck im Sinne von „Tenniseltern“. Julia Rode ist längst selbständig geworden als Reiterin, die weiß, dass sie im Parcours auf sich gestellt ist: „Ein echter Sportler muss vor allem dann zu kämpfen beginnen, wenn der Erfolg ausbleibt.“ Das ist eine gute Einstellung, die den Blick für die Realität nicht verstellt. Vor dem Goldenen Reiterabzeichen stehen für alle Reiter Mühe, Fleiß und Durchhaltevermögen. Weiter so, Julia Rode, und viel Erfolg Martin Stellberger