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GOLDENES FAHRABZEICHEN FÜR WILLI SCHÖTTLE PD 07/2004
GOLDENES FAHRABZEICHEN FÜR WILLI SCHÖTTLE –
IM LANDE EINE SELTENE EHRUNG

LUDWIGSBURG-OSSWEIL.
„Er darf aber nichts davon erfahren!“ Sein Team, bei dem Susanne Breckle für den großen Augenblick die Fäden spann, legt Wert darauf, dass Willi Schöttle von den Vorbereitungen im Hintergrund nichts erfährt. Er, Willi Schöttle, solle von der Verleihung des Goldenen Fahrabzeichens der Deutschen Reiterlichen Vereinigung erst im letzten Moment erfahren, wenn der große Tag gekommen ist. Am 27. Juni 2004 war es so weit: Beim Turnier in Lauchheim-Hülen wurde der 72-jährige Gespannfahrer für seine sportlichen Erfol-ge geehrt. Dieses Turnier ist nicht irgendein Turnier, nein. Die Deutschen Meister-schaften der Einspännerfahrer sowie die Landesmeisterschaften der Vierspänner-fahrer geben einen wohl würdigen Rahmen ab für die Ehrung von Willi Schöttle.

Willi Schöttle, Kaufmann und aktiver Rentner, er betreibt immer noch nebenbei seinen Schrott- und Metallhandel, ist im Fahrsport als Leistungssport ein Spät-berufener. Erst mit 46 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für das Fahren. Zwar hält Schöttle in seinem Wohnort Ludwigsburg-Ossweil schon viele Jahre Pferde. Aber erst sein Nachbar, der frühere Landestrainer Hubert Schreiber, lud ihn zu einem Fahrkurs ein. Willi Schöttles Pferde zeigten Talent in dieser Disziplin und so war der Schritt nicht allzu schwer, Turnierfahrer zu werden. Damals liefen seine Pferde Aika und Ikafina erfolgreich vor dem Wagen.

Erstmals wagte sich Willi Schöttle 1984 mit diesen beiden Pferden in ein Turnier Klasse S in Bad König und wurde gleich Fünfter! Ein Jahr später errang Schöttle in Meißenheim Rang zwei. Und so ging es munter fort. Jahr für Jahr fuhr der ge-bürtige Stuttgarter bei den Turnieren Spitzen Plätze ein, meist mit dem Zwei-spänner, oft auch im Einspänner. Seit langem gehört er dem Reit- und Fahrverein Ludwigsburg an. Dort weiß man über große Erfolge bei Meisterschaften zu berichten: So war Willi Schöttle viermal Landesmeister, er errang dreimal Silber und dreimal Bronze. Marbach und dessen tolles Gestütsgelände gehören bei diesen Erfolgen zu den schönsten Erinnerungen, denn dort zu fahren und zu siegen ist etwas Besonderes. Aber auch der Sieg in Salem am Bodnesee ist nicht weniger wert. Bei der damaligen Deutschen Meisterschaft errang Willig Schöttle den Sieg gegen 50 andere Fahrer, die er erst einmal bei den drei Teildisziplinen Dressur, Gelände und Hindernisfahren hinter sich lassen musste.

1988 startete Schöttle zusammen mit Friedrich Eppinger aus Münsingen bei der Deutschen Mannschafts-Meisterschaft und errang hier die Goldmedaille. Beim Alpen-Donaupokal, der inoffiziellen Europameisterschaft in Meißenheim, kam Willi Schöttle auf den fünften Platz. 1989 reiste er nach Hamburg und wurde Siebter beim dortigen Fahrer-Derby. In jenen Jahren, genau von 1986 bis 1989, gehörte er dem Bundeskader an.

Willi Schöttle wurde in seiner Laufbahn mehrfach mit Fairnesspreisen für „pferde-schonendes Fahren“ ausgezeichnet. Diese Preise entsprechen seiner Lebensein-stellung zum Fahren: Pferdeschonendes Fahren und daraus größtmöglichen Erfolg erzielen! Noch nie, so erinnert sich der Sportfahrer Schöttle, sei eines seiner Pferde beim Turnier verletzt worden. 1995 stellte er beim Bundeschampionat „das schönste Gespann“ vor. Da wird ihm noch heute warm ums Herz, wenn er daran denkt. Heiß werden kann es dem Betrachter der Szene aber auch, wenn er die Liste der Erfolge von Willi Schöttle nachliest: Die Deutsche Reiterliche Vereinigung registrierte für Schöttle 114 Siege bis Klasse S, 66 mal war er Zweiter, 62 mal Dritter. 109 mal landete der Fahrer aus Ludwigsburg-Oßweil auf den Rängen vier bis sechs. Das macht ihm so leicht keiner nach!

Die Liebe zu den Pferden steckt Willi Schöttle sozusagen in den Genen. Schon als kleiner Bub begleitete er seinen Vater Wilhelm bei dessen Ausfahrten mit dem pferdebespannten Handelswagen. Schon dem zehnjährigen Knirps überließ der Vater hier und da seine Pferde, um sie selbständig zu verkaufen. Das prägt. Die Schule des Vater sei zwar hart aber gerecht gewesen, erinnert sich Willi Schöttle seiner Kindheit, die vom Vater so geprägt wurde, dass er auch beruflich in dessen Fußstapfen trat und Kaufmann wurde.

Beruf und Lebensplanung verdrängten schließlich die Pferde für einige Zeit aus dem Leben der Willi Schöttles und seiner Frau Ilse sowie der Kindern Gisela und Andrea. Der Pferdevirus brach sich in den 70-er Jahren wieder Bahn. Zunächst kaufte Willi Schöttle ein Pony. Doch das gab er bald wieder her und kaufte „Rasse-gäule“, wie er sie schon als Bub gerne mochte. Der leidenschaftliche Skatspieler kaufte zwei Ungarn-Pferde sowie eine Lippizaner-Stute mit Fohlen. Doch auch der Pferdehändler früher Jahre brach in ihm durch und bald hatte er diese Pferde wie-der verkauft. Schöttle wandte sich jetzt der Zucht zu und mit der Marbacher Stute Sandra - eigentlich wollte er gar keinen Württemberger und schon gar nicht einen Fuchs kaufen - , gerade mal zwei Jahre alt, änderte sich das Leben des Willi Schöttle grundlegend. Aus Sandra wurde das eingetragene Zuchtpferd Ikafina. Ein Blick in die Erfolgsliste zeigt, dass dieses Pferd sein erstes Turnierpferd wurde. Schöttle liebte dieses Pferd besonders. Die Dinge nahmen also ihren Lauf – bis heute: Willi Schöttle liebt die Pferde, liebt den Sport und machte beides zu seiner Passion. Diese wurde am 27. Juni „gekrönt“ mit dem Deutschen Fahrabzeichen in Gold. Herzlichen Glückwunsch!
Martin Stellberger