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KATRIN BURGERS TRAUM VOM GOLD PD 06/2004
KATRIN BURGERS TRAUM VOM GOLD

STRAUBENHARDT.
Wer so erfolgreich reitet wie Katrin Burger und wessen Pferd Day Dream heißt, träumt irgendwann einmal auch davon, das Goldene Reitabzeichen zu bekommen. Der Traum von Katrin Burger wurde Wirklichkeit. In nur vier Jahren erfüllte sich ihr Wunsch durch ihre großen Erfolge im Dressur-reiten. Mit Dornenkönig begann ihr Erfolgsweg in Billigheim, wo Katrin Burger erstmals einen Dressurwettbewerb St. Georg gewann. Noch zweimal trug sie das Pferd mit dem klangvollen Namen zu Siegen in der Intermediaire I in Wartenberg und im luxemburgischen Beaufort. Wie man sieht, für ein großes Ziel muss ein Reiter, respektive eine Reiterin, lange Reisen auf sich nehmen.

Mit Day Dream rückte das Ziel der Reiterin immer näher. Das Pferd hat sich zu einem echten Grand Prix-Pferd entwickelt und bescherte ihr bisher sechs Platzierungen unter den besten zehn Konkurrenten. Zwei zweite Plätze in Trier und Beaufort ragen besonders heraus.

Katrin Burger wird beim Turnier in ihrer Geburtsstadt Tübingen vom 2. - 4. Juli 2004 das Goldene Reitabzeichen bekommen. Genauer: Sie bekommt es verliehen von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Das „Goldene“ kann sich ein Reiter nur durch Erfolge verdienen, nicht durch Lehrgänge und Fortbildung erwerben wie zum Beispiel das Silberne Reitabzeichen. Die 36-jährige Reiterin genießt diese Ehrung besonders. Ihr Lebensweg hat sie allerdings nicht in Tübingen festgehalten. In Sindelfingen, wo ihr Vater, Dr. Dieter Burger, Oberbürgermeister war, machte sie das Abitur und studierte in Hohenheim Agrarwissenschaften. Während ihres Studiums engagierte sie sich an der Universität ebenfalls im Reitsport: Als „Obfrau“ der Studentenreitergruppe organisierte sie zum Beispiel die Deutschen Hochschulmeisterschaften 1994 in Marbach. In Hohenheim erwarb die Pferde-liebhaberin das Diplom als Agrar-Ingenieurin. Das ist ihre berufliche Basis für die Leitung des Gestüts Schlossäcker in Straubenhardt. Katrin Burger hat ihre Liebe zu den Pferden und ihr Hobby Reiten zum Beruf gemacht. Glücklich, wer das machen kann.

Katrin Burgers sportliche Bilanz in der Dressur ist beeindruckend. Aber die Ausbildung junger Pferde macht ihr richtig Spaß. Katrin Burgers Mutter war Lehrerin, vielleicht hat die Reiterin deshalb eine ausgeprägte pädagogische Ader in sich, die sie befähigt, mit den stürmischen und manchmal auch eigenwilligen jungen Burschen mit vier Beinen fertig zu werden. Unterstützt wird sie von ihrem Lebenspartner Joachim Neubert. Er ist „Pferdemann“ mit Leib und Seele. Zahlreiche Erfolge bis Klasse M hat auch er vorzuweisen, allerdings als Springreiter. Durch seinen Beruf als Pferdewirt mit Schwerpunkt Reiten, Zucht und Haltung ergänzt er als Spezialist für die Junghengste Katrin Burger bei der Leitung des erfolgreichen baden-württembergischen Privatgestüts Schlossäcker, das Helmuth Bauer gehört. Bei so viel Arbeit bleibt ihr indes nicht viel Zeit für ihr Hobby. Gerne zieht sie sich einmal mit einem guten Buch zurück, wenn nicht gerade wieder ein Turnier oder eine Körung ansteht.

Wie vieles im Leben, so wird bei manchem Menschen ein Samenkorn durch die Großeltern gelegt: Katrin Burger begann mit zehn Jahren zu reiten. Ein Pony löste den „Virus“ aus. „Der Pferdevirus wurde mir wohl eher über den Großvater vererbt, meint die Reiterin. Der Großvater, Kaufmann von Beruf, war vor dem Zweiten Weltkrieg Rennreiter in China. Allerdings hat er den reiterlichen Werdegang seiner Enkelin nicht mehr erlebt. Dafür förderte die Mutter als „absolute Pferdenärrin“ die Freude ihrer Tochter am Pferd wohl nach Kräften. Seit dieser Zeit gehört die Reiterin dem Reitverein Sindelfingen an, der einen guten Ruf genießt. Aktuell aber startet sie für den Reitclub Schlossäcker.

In Sindelfingen erhielt sie als junge Reiterin von Manfred Maier Reitstunden, Ingrid und Oskar Seitter förderten sie als Ponyreiterin, Andreas Vornmoor aus Heimsheim, Martin Schaudt aus Onstmettingen und Pieter van der Raadt aus Dielheim gehören zu ihren Wegbegleitern als Reitlehrer. Zur Zeit nimmt sie Unter-richt bei Hansjörg Kaltenböck aus Regensburg und Jan Bemelmanns aus Krefeld. Der Erfolg gibt Katrin Burger recht. Und den möchte sie auch und vor allem für ihr Gestüt Schlossäcker umsetzen. Ihr Wille, sich ständig selbst weiterzubilden passt zu ihrer Selbstbeschreibung: „Ich bin konsequent und fleißig!“ sagt Katrin Burger selbstbewusst. Manchmal sei sie zu ehrgeizig, zu impulsiv. „Gelegentlich bin ich nervlich nicht die Stärkste“. Wer seine Schwächen kennt, kann gegen sie angehen, konsequent und fleißig.

Katrin Burgers Fleiß wird auch von Gestütsbesitzer Helmuth Bauer geschätzt, der auch ihr Sponsor ist. Er anerkennt ihr Talent, das sich in der langen Liste ihrer Erfolge als Ausbilderin junger Hengste niederschlägt: Neunmal war sie Landes-champion, 12 mal Zweite. Auf süddeutscher Plattform ritt sie drei Hengste an die Spitze des Süddeutschen Championats, im Jahre 2002 war das von Cabaret. Beim Bundeschampionat, dem großen Ereignis für Pferdezüchter und Ausbilder, errang sie zweimal Bronzemedaillen mit Cabaret und Dr. Jackson.

Das Bundeschampionat in Warendorf ist Katrin Burger und dem Gestüt ein besonders wichtiger Termin. Das zeigt die Tatsache, dass die Reiterin in Warendorf in zehn Jahren mit 21 verschiedenen Pferden für das Bundeschampionat am Start war. Das ist ein nicht zu unterschätzender persönlicher Erfolg, denn die Konkurrenz ist gerade bei diesem Event bekanntlich bundesweit aktiv. 2002 gelang ihr ein Sieg beim Bundeschampionat mit ihrem damals vierjährigen Hengst French Kiss. Dieser „Wunderknabe“ aus der Zucht von Norbert Humpf aus Lauchheim bescherte der Reiterin den bisher größten Erfolg ihrer Schlossäcker-Laufbahn: 2003 errang sie mit ihm bei der Weltmeisterschaft der fünfjährigen Dressurpferde die Bronzemedaille. Mit so viel „Edelmetall“ lässt sich leicht glänzen – und manchmal ist es auch das Gold am Revers des Reitrocks.
Martin Stellberger


Link: www.gestuet-schlossaecker.de