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Gelassenheitsprüfung PD 4/2003
Wenn es nur auch für die Menschen eine Art Gelassenheitsprüfung gäbe! Liebevolle Eltern, erfahrene Erzieher, gelassene Lehrer, geduldige Vorgesetzte, nachsichtige Freunde wären das Ergebnis. Zehn einzelne Trainingseinheiten würden genügen, immer wieder einmal wiederholt und - die Menschheit hätte weniger Ärger, weniger Streit, weniger Krieg - mehr Gelassenheit eben.

Vielleicht lernen aber ja die Menschen von den Pferden, für die die "Gelassenheitsprüfung" eigens entwickelt wurde und nun von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) deutschlandweit erfolgreich propagiert wird. Zum Beispiel Susanne Strohmeier: Sie führt den Reitstall Gohren am Bodensee und hatte kürz-lich bei ihrer Veranstaltung zum Thema "Gelassenheitsprüfung" festgestellt: Es entwickelt sich ein großes Interesse der Pferdefreunde an dieser "Ausbildungsprüfung". Sie hat erkannt, dass sie nach ersten guten Erfahrungen daraus ein ständiges Angebot im Programm ihres FN-Partnerbetriebes entwickeln kann.

Worum geht es bei der GHP? Zehn verschiedene Übungen werden Pferden aller Rassen und jeden Alters sowie ihren Besitzern angeboten. Sie tragen dazu bei, den täglichen Umgang, den Ausritt und schwierige Situationen besser zu meistern. Die Pferde werden auf diese Weise trainiert, ihrer Umwelt weniger ängstlich zu begegnen, weniger Stress zu erleiden, mehr Vertrauen zu haben und damit mehr Gelassenheit zu erwerben - auch zum Wohle des Reiters oder Pflegers. Alle Übungen lassen sich zu Hause bequem und ohne großen Aufwand einzeln oder als Serie üben. Alle Übungen werden an der Hand als Bodenarbeit und natürlich auch vom Sattel aus praktiziert.

Bei offiziellen Gelassenheits-Prüfungen stellen die Besitzer ihre Pferde aber nur an der Hand vor. Je nach dem, wie stabil die Pferde auf die einzelnen Tests reagieren, die dem alltäglichen Erleben eines Pferdes beim Ausritt sehr nahe kommen, werden sie bewertet auf einer Skala von 1 bis 6. Es gibt aber keine Zwischennoten. Die Ergebnisse werden von offiziellen Richtern amtlich festgehalten und können in einem speziellen GHP-Heft eingetragen werden. Zielgruppe für die GHP sind in erster Linie die Freizeitreiter. Inzwischen haben aber auch die Verantwortlichen des Zuchtverbandes Baden-Württemberg den Wert der GHP erkannt. Warum, zum Beispiel, sollte sich ein junges Pferd mit erfolgreich absolvierten Gelassenheitsprüfungen, die im Heft nachweisbar sind, nicht leichter verkaufen lassen?

Für die offiziellen Gelassenheits-Prüfungen sind einige Regeln einzuhalten: Der Führer des Pferdes hat einen Reithelm zu tragen, die Vorlage eines Equidenpasses sowie korrekte Impfungen sind vorgeschrieben. Zehn Übungen umfasst die Prüfung: Vortraben an der Hand, unerwartet aufsteigende Luftballons testen die Gelassenheit des Tieres ebenso wie die Bewältigung eines Stangenkreuzes. Flatterbänder, Müllsäcke, unvermittelt hinter einer Hecke vorrollende Bälle gehören ebenso zum Test wie das Rückwärtsrichten und sich plötzlich öffnende Regenschirme. Eine Plane muss überwunden werden, die Geräusche eines Rappelsacks sollten das Pferd nicht erschrecken und zum Schluss sollte das Pferd still stehen bleiben.

Bei allen Übungen soll der Einfluss des Führers des Pferdes so gering wie möglich sein. Eine Aufgabe darf maximal dreimal angeführt werden, wenn das Pferd Probleme hat. Dann muss die nächste Aufgabe angenommen werden. Vollendet ein Pferd zwei Aufgaben nicht, muss es aus dem Wettbewerb genommen werden. Das würde dann auch mit der Wertnote "ungenügend" bedacht werden. "Sehr gut" hingegen erhält ein Pferd, wenn es "absolut gelassen" bleibt und das "souveräne Führen ohne jegliche sichtbare Einwirkung" erfolgt. Pferde, respektive ihre Besitzer, erhalten bei Wertnoten 1 bis 3 eine GHP-Urkunde. Diese Noten können auch im sogenannten GHP-Pass eingetragen werden, in dem für sechs bestandene Prüfungen Platz ist.

Weitere Einzelheiten sind den Informationen der FN im Internet unter www.pferd-aktuell.de zu entnehmen. Wer über die Erfahrungen des Reitstalles Gohren mit der GHP mehr erfahren will, kann sich dort erkundigen unter Tel: 0170-7937274 oder unter www.Reitstall-Gohren.de. Auch Rolf Berndt steht als Vereinsberater mit Rat und Tat zur Verfügung (Tel: 07348-23537)

Martin Stellberger