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Bernhard Riesterer fährt künftig mit Gold PD 01/2004
MÜNSTERTAL. Gespannfahrer sind eine große Familie. Wenn es zum Turnier geht verstehen sich die Männer und Frauen an den Leinen immer zuerst als Freunde des Fahrsports, dann erst folgt die Konkurrenz, ganz sportlich gesehen. Eines dieser bemerkenswerten Familienmitglieder ist Bernhard Riesterer aus Münstertal, am nördlichen Fuße des Belchen im Schwarzwald gelegen. Riesterer hat seit 1998 mit seinem Haflinger-Gespann so viele zählbare Erfolge gesammelt, dass er sein „Konto“ für das Goldene Fahrabzeichen seit 2003 voll hat. Dem Zweispännerfahrer aus dem Schwarzwald geht es dabei ähnlich wie den Kollegen im Dressur- oder Springsattel: Viel Arbeit mit den Pferden, gesunde Pferde, Trainingsfleiß und immer ein Quäntchen Glück beim Turnier – das ist die Basis für die außergewöhnliche Ehrung in Gold. Das Goldene Fahrabzeichen wird „verliehen“ wie bei den Kollegen der anderen Disziplin auch. Erwerben kann man es nur durch Beständigkeit und Erfolg. Für Bernhard Riesterer erfüllte sich dieser Traum noch Ende des vergangenen Jahres bei der Fahrertagung in Unterriexingen, wo ihm Edwin Kiefer aus Horb, Vorsitzender des Fahrausschusses, das Goldene ans Revers heftete.

Wer ist der Mensch hinter dem Namen Bernhard Riesterer? Er ist 48 Jahre alt, von Beruf KFZ-Mechaniker und er arbeitet beim Straßenbauamt. Seine Frau Sonja ist Gärtnerin. Beide betreiben zusammen als Hobby eine kleine Landwirtschaft, wohl gerade genug, um die Ponys zu unterhalten. Was will man als Pferdefreund eigentlich mehr? Erfolg im Sport gehört dazu. Hier sind die Haflinger Andiamo, Aaron und Alfi die Leistungsträger; gelegentlich wurde auch Moreno mit eingespannt auf der langen Fahrt zum Goldenen Fahrerabzeichen. Die begann 1998 in Euskirchen mit einem Sieg bei der „Kombinierten Prüfung“. Dahinter steckt eigentlich nichts anderes als der „Dreiklang“ Dressur, Gelände- und Hindernisfahrt sowie das „Kegelfahren“ auf dem festen Platz, wie das abschließende Hindernisfahren locker genannt wird. Die Ergebnisse aus diesen drei Disziplinen werden kombiniert. 1999 war Bernhard Riesterer gleich viermal als Sieger oder Zweiter dabei. Einen Sieg errang er im österreichischen Altenfelden. Die Saison 2000 brachte indes „nur“ einen Sieg und einen zweiten Platz. 2001 und 2002 ging es wieder flotter zu: Siebenmal war er unter den besten Fünf, zweimal davon als Sieger. Im letzten Jahr kamen nochmals zwei vierte Plätze aufs Konto. Allerdings dürfen viele Platzierungen aus reinen Dressurwettbewerben nicht unter den Tisch fallen. Mindestens zehn Siege, zweite und dritte Plätze hat Riesterer bei solchen Einsätzen „erfahren“.

Dass die Fahrer eine besondere Spezies Pferdefreund sind, zeigt sich auch in ihrer Hingabe zum Sport: Mit Siegprämien allein lässt sich ihr Sport nämlich nicht finanzieren. Dazu sind die Prämien einfach zu gering. Den Ausgleich schafft der Enthusiasmus, mit dem Bernhard Riesterer und seine Frau ausgestattet sind. Um die Kosten für die Pferde, die verschiedenen Kutschen, die Ausrüstung, die Transportfahrzeuge, die weiten Turnierfahrten, Verpflegung, Unterkunft und die nötigen Helfer zu finanzieren, müssen die Riesterers tief in die eigene Tasche greifen, schlichtweg sparen, um sich das leisten zu können. Diese große Belastung wird allerdings etwas abgemildert. Die Riesterers erhalten Unterstützung von einem Futtermittelhersteller aus Oberstaufen im Allgäu, der Firma Marstall.

Einer der Wegbegleiter Bernhard Riesterers ist Willi Danzeisen aus Eichstetten am Kaiserstuhl. Dem Ausbilder hat der Fahrer viel zu verdanken. Seinem Rat folgte er gerne, denn als Sportler weiß er auch seine Stärken und Schwächen einzuschätzen. Riesterer sagt nämlich von sich ganz selbstkritisch: „Dressur und Geländefahren, das sind meine Stärken, beim Hindernisfahren auf dem Platz mache ich noch zu viele Fehler.“ Das ist aber auch der Reiz am Sport. Riesterer will immer besser werden. Dreimal war er zwischen 1998 und 2003 Badischer Meister geworden in St. Peter, Bühl und Ichenheim, zweimal Landesmeister in Neuler und Hauerz. Bei der Deutschen Meisterschaft in Neustadt/Dosse gewann der Schwarzwälder 2002 Bronze. Alles zusammen spornt seinen Ehrgeiz nur an. Bernhard Riesterer freut sich deshalb über einen weiteren Erfolg, den ihm vorerst niemand streitig machen kann: „Dieses Jahr gibt’s den ersten Zweispänner-Pony Kader, dort bin ich nominiert.“
Martin Stellberger/PD

Kontakt: Bernhard Riesterer, Tel: 07636-1303