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Verbot der Ständerhaltung von Pferden - Neues zum Tiertransport
STUTTGART. Der Landesbeirat für Tierschutz begrüßte bei seiner letzten Sitzung im Dezember 2003, dass das Verbot der Ständerhaltung von Pferden in Baden-Württemberg umgesetzt wird. In einer Pressemitteilung vom 16. Dezember 2003 geht der Beirat auch auf die Problematik der Transportzeiten von Schlachttieren ein:

In der Pressemitteilung heißt es zum Verbot der Ständerhaltung für Pferde weiter:
Noch bestehende Ständerhaltungen müssen bis zum 1. Oktober 2005 auf tiergerechtere Haltungssysteme umgestellt werden. Das Ministerium hat die nachgeordneten Behörden hierauf hingewiesen und gebeten, die Tierhalter darüber zu informieren und erforderlichenfalls zu beraten.

Nicht mehr zulässig
Eine dauerhafte Ständerhaltung von Pferden ist nicht mehr zulässig, da Pferde als bewegungsaktive Tiere täglich eine mehrstündige Bewegungsmöglichkeit außerhalb einer Anbindehaltung haben müssen. Es wurde nochmals betont, dass Förderungen von Tierhaltungen seitens des Landes grundsätzlich nur dann erfolgen, wenn u. a. auch die tierschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden.

5.400 Kontrollen von Tiertransporten
Das Ministerium hatte für den Zeitraum Mitte Juni bis Ende Juli 2003 Schwerpunktkontrollen von Tiertransporten in Baden-Württemberg angeordnet. Dabei wurden über 5.400 Tiertransportfahrzeuge kontrolliert. Bei 71 dieser Kontrollen wurden Mängel festgestellt. Bemängelt wurde hauptsächlich eine unzureichende Dokumentation. Außerdem wurden zum Teil Fahrzeuge benutzt, die für die transportierte Tierart nicht geeignet waren. Mit nur 0,25 Prozent war die Anzahl an Mängeln bei den Kontrollen am Bestimmungsort, wie beispielsweise Schlachthöfen und Märkten, sehr gering.

Abschaffung der Exporterstattung für Schlachttiere
Der Landesbeirat für Tierschutz plädierte für die Abschaffung der EU-Exporterstattungen für lebende Schlachttiere. Statt dessen sollte der Export von Fleisch gefördert werden. Weiterhin setzt sich der Landesbeirat dafür ein, dass die Transportdauer von Schlachttieren EU-weit auf maximal acht Stunden begrenzt wird. Der Landesbeirat vertritt die Auffassung, dass die Kontrollen von Tiertransporten in Baden-Württemberg weiterhin fortgeführt werden müssten, insbesondere auf den Transitstrecken des Landes.

Praktikable Verordnungen zum Tiertransport gefordert
Die Landesregierung wurde gebeten, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass eine praktikable und tiergerechte EU-Verordnung zum Tiertransport erlassen wird. Nur so könnten EU-weit Tiertransporte differenziert nach Zucht- und Schlachttieren entscheidend verbessert werden. Der Landesbeirat für Tierschutz hat außerdem darum gebeten, Versorgungseinrichtungen, in denen bei Notfällen verletzte und geschwächte Tiere landesweit betreut werden können, aufzulisten und den zuständigen Behörden zur Verfügung zu stellen. Der Landesbeirat hat sich ferner nochmals mit den tierschutzrechtlichen Anforderungen an die Schweinehaltung befasst und für innerstaatliche Regelungen ausgesprochen, die über die EU-Vorgaben hinausgehen.

Anmerkung der PRESSEDIENST-Redaktion:
Es ist zu begrüßen, dass eine dauerhafte Ständerhaltung von Pferden nicht mehr zulässig und abzuschaffen ist. Dabei liegt die Betonung auf „dauerhaft“. Wanderreiter zum Beispiel machen zwangsläufig unterwegs Station, um zu übernachten. Hierbei gibt es bei den Stationen nicht generell die Möglichkeit, Pferde in einer Box unterzubringen. Werden Pferde hier über Nacht korrekt angebunden, so fällt dies sicher nicht unter das oben geforderte Verbot der „dauerhaften Anbindehaltung“.

Kritik aus dem EU-Parlament interessant
Zum Rahmen des Themas passt auch das Verhalten des Europaparlamentes, das den neuen Entwurf zur „EU-Tierschutztransport-Verordnung“ kritisierte. Bekannt wurde aus Brüssel die „heftige Kritik des Europaparlamentes am von der EU-Kommission vorgelegten Entwurf einer neuen Tierschutztransportverordnung. Zahlreiche Abgeordnete des EU-Parlamentes kritisierten, dass der Entwurf einerseits in vielen Bereichen nicht differenziert genug sei, andererseits realitätsferne und unnötig komplexe Beschränkungen enthalte.“

Aus der FN Warendorf heißt es dazu: „Albert J. Maat, der dem Europaparlament zum vorgelegten Entwurf Bericht erstattete, forderte zudem, dass Sport- und Zuchtpferde aus der Tierschutztransport-Verordnung ausgenommen werden sollen, da die Bestimmungen des Entwurfs auf den Transport solcher Pferde nicht angewandt werden könnten. Damit übernahm er die Stellungnahme der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, die sich ebenfalls scharf gegen die neue Verordnung ausgesprochen hatte. Die FN hatte kritisiert, dass der Entwurf unklar sei und die besonderen Aspekte des Transports von Sport- und Zuchtpferden nicht ausreichend berücksichtige. Selbst die unhaltbaren Zustände bei Schlachtpferdetransporten, gegen die die FN seit vielen Jahren protestiert, würden mit der neuen EU-Verordnung nicht verbessert. So sieht der Entwurf beispielsweise einen Zyklus von neun Stunden Fahrt und daran anschließend eine zwölfstündige Ruhepause für den Fahrer vor, bei der die transportierten Tiere nicht abgeladen werden müssen. Anschließend soll dann wiederum eine neunstündige Fahrzeit möglich sein. Fn-press, 25/03

Anmerkung der PRESSEDIENST-Redaktion:
Keinem Tierfreund kann man die oben beschriebene Regelung plausibel machen. Schon gar nicht die über die Transporte von Schlachttieren. Der FN in Warendorf und den ihr angeschlossenen Landesverbänden und sonstige Mitgliedsorganisa-tionen muss weiter Mut und Dank zu- und ausgesprochen werden, damit der Protest gegen Bürokratenunverstand noch mehr Früchte trägt. Hier können die Pferdefreunde mithelfen, unmittelbar ihre EU-Abgeordneten anzuschreiben und sie „scharf“ zu machen, eine vernünftige und realitätsorientierte Verordnung durchzudrücken. Dazu sind die Abgeordneten ja schließlich da. Vielleicht sollten die Autoren solcher unsinniger Verordnungen einmal selbst für die Dauer einer Fahrt den Platz der Schlachttiere auf einem solchen Transporter einnehmen. Neun Stunden Fahrt, zwölf Stunden angebunden stehen und warten, unzureichend versorgt mit Häppchen und Selters, um dann nochmals neun Stunden Fahrt zu erleben. Vielleicht könnte sie das der Realität näher bringen.
Quelle: PRESSEDIENST Pferdesportverband Ba.-Wü. 1/2004