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Joachim Durst bekommt das "Goldene" PD 10/2003
JOACHIM DURST BEKOMMT DAS „GOLDENE“

GÜGLINGEN.
Wenn beim Turnier in Böblingen (10.-12. Oktober 2003) eine feierliche Stimmung aufkommt, gilt diese dem Springreiter Joachim Durst aus Güglingen. Auf diesen Augenblick hat der 38 Jahre alte Springreiter schon lange gewartet. An seinem reiterlichen Werdegang lässt sich gut aufzeigen, dass das Goldene Reiterabzeichen nicht aus dem Ärmel geschüttelt werden kann. Die Mindestanforderung für die Verleihung sind zehn Siege oder ersatzweise 20 Spitzenplatzierungen in Klasse S. Manchmal dauert es lange, bis ein Reiter das erreicht. Das hängt nicht nur vom Reiter als Mensch im Berufsleben ab, sondern auch davon, ob er die richtigen Pferde für seinen Sport hat. Bis ein Pferd in Klasse S erfolgreich geritten werden kann, bedarf es einer langen Ausbildungszeit. Bei Joachim Durst jedenfalls währte es fast 20 Jahre, bis er alle Erfolge beisammen hatte. 1984 errang er seinen ersten Sieg in Klasse S in Tübingen mit Lolly Pop Man. Vier weitere Siege folgten bis 1987 in Dillingen und Stuttgart. Schließlich errang Durst in Tübingen, Schwaigern und Ötigheim mit Stillist M bis 1988 drei weitere Siege. Das viel versprechende, in Frankreich gezogene Pferd, ging aller-dings ein, was Dursts Karriere arg beeinträchtigte. 1991 war der Güglinger mit Navigator in Heilbronn erfolgreich durch den Parcours „gesegelt“. Bis 2002 aber war es noch lange hin. Erst mit Maroeska gewann der Springreiter in Böblingen sein zehntes S-Springen. Natürlich hatte er in der gesamten Zeit auch zahlreiche vordere Plätze ersprungen, hatte aber eben nicht das Quäntchen Glück, das er brauchte. Nun also ist es so weit. Joachim Durst hat’s geschafft und wird in Böblingen geehrt. Dabei bleibt Durst auf dem Boden der Tatsachen, denn er weiß nur zu gut, dass Erfolg nicht nur von Fleiß und Können abhängt sondern in erster Linie vom Pferd. Er sagt: „Mein Wille allein genügt nicht. Mein Partner, das Pferd, muss fit sein und der Parcours seinen Eigenschaften entgegen kommen!“

Was harte Arbeit bedeutet, weiß Joachim Durst schon von Berufs wegen. Er absolvierte nach der Mittleren Reife im Betrieb seiner Eltern Adolf und Karin Durst in Pfaffenhofen eine Maurerlehre. Mit 24 Jahren war er schon Polier und legte als 27-Jähriger die Meisterprüfung ab. Seit 20 Jahren arbeitet er im Betrieb der Eltern. Joachim Durst gönnt sich das Reiten als Hobby. Seine Lebensgefährtin, die Diplombetriebswirtin Michaela Wagner, ist seit einem schweren Reitunfall auf den Rollstuhl angewiesen. Sie unterstützt Joachim Durst nach Kräften und organisiert seine sportlichen Einsätze. Sie versteht viel vom Leistungssport, denn sie war in jungen Jahren mehrfach Kreis-, Bezirks- und Württembergische Meisterin in der Leichtathletik.

Joachim Durst reitet seit seiner Kindheit. Erst auf Ponys, seit seinem 15. Lebensjahr auf den Pferden des Vaters. Über 1 200 Platzierungen hat er im Laufe der Jahre gesammelt, darunter über 120 jeweils in Klasse L und M. Und hier zeigt sich auch, wie schwer es wird, je höher die Anforderungen steigen: In Klasse S ist die Luft für Amateure wie Joachim Durst sehr dünn. Doch der Ehrgeiz war immer da. Als sogenannter Junger Reiter war er zweimal Landesmeister. Auch seine Schwester Birgit Daum ist vom Reitervirus „befallen“. Sie reitet Dressur bis Klasse S. Fragt man Joachim Durst über seine Stärken in sportlicher Hinsicht, so sagt er: „Ich möchte ein fairer Sportler sein und nur mit konsequenter Trainingsarbeit und mit Geduld kann man sich dazu Erfolge erarbeiten.“ Das passt zu seiner Einstellung als Autodidakt: Er habe nie einen festen Trainer gegeben, der für seine Ausbildung Verantwortung trug. Aber er habe viel gelernt bei Trainingseinheiten mit Jürgen Kurz aus Leingarten oder Karl-Heinz Schwab in Bad Rappenau. Manchmal lege er sich die Messlatte selbst so hoch, dass er sich großem Erfolgsdruck aussetzt. Doch dafür entschädigen letztlich auch tolle Erfolge. Gerne erinnert sich der Reiter an seinen Sieg im Großen Preis von Dillingen im Saarland, den er als 18-Jähriger errang. Auch seine zwei Siege bei den Landesmeisterschaften der Jungen Reiter sind ihm lebhaft in Erinnerung geblieben. Seine Erfolge fanden auch außerhalb der Reiterszene Beachtung. 1999 und 2000 verlieh ihm die Stadt Brackenheim die Sportmedaille in Bronze.

Joachim Durst fast für die nächste Zeit noch ein Ziel ins Auge, das im Grunde nur wenige Springreiter tatsächlich verwirklichen können: Für das kommende Jahr 2004 möchte er die Qualifikation für das Finale im LB=BW Hallenchampionat in der Schleyerhalle in Stuttgart erreichen. Indes fühlt er sich aber „absolut erleichtert, weil ich die Anforderungen für das Goldene Reiterabzeichen erfüllt habe. Dazu kommt, dass ich lupenreiner Amateur bin ohne dicken Geldbeutel. Meine Pferde muss ich selbst ausbilden und immer hoffen, dass sie gut genug werden, um in der schweren Klasse zu bestehen.“ Dankbar ist Joachim Durst dabei besonders seiner Lebensgefährtin Michaela, „die viel für mich organisiert und mir den Rücken freihält, stets besorgt und bemüht um das Wohlergehen von Reiter und Pferden.“ Er hat sein Leben ebenfalls, so gut es geht, seiner Lebensgefährtin angepasst, um das Zusammensein zu meistern. Damit dies leichter gelingen kann, haben sich die beiden ein behindertengerechtes Haus gebaut. Von hier aus engagiert sich Michaela Wagner nicht nur für den Reitsport ihres Lebensgefährten. Von hier aus engagiert sie sich auch als Stadträtin auf der Liste der „Güglinger Bürger als Mittelpunkt“.
Martin Stellberger