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Leonie Dissmann gewann Bronze bei der EM PD 9/2003
CALW. Die Geschichte gleicht einem modernen Märchen. Da qualifiziert sich Leonie Dissmann, eine junge Vielseitigkeitsreiterin aus Calw zum ersten Mal für eine Europameisterschaft und kommt mit der Bronzemedaille zurück. Santa's Little Helper heißt der vierbeinige Erfolgsgarant von Leonie Dissmann von der Reitab-teilung des TSV Altensteig, gewöhnlich nur liebevoll Borsti genannt. Der zehn-jährige Wallach, in Irland geboren, hat seine Reiterin in Pardubic/ Tschechien zu sportlichen Ehren getragen, obwohl Tier und Reiterin erst seit Ende Februar diesen Jahres zusammen trainieren. Dass alles passen würde, war recht schnell klar: „Mein Pferd ist ein super Tier, es arbeitet immer mit“, sagt Leonie Dissmann über jeden Tag, an dem sie mit dem Vierbeiner zusammen sein kann. „So richtig realisiert habe ich es erst, als das letzte Hindernis bewältigt war“, freut sich Leonie Diss-mann, die sich wenige Wochen vor ihrem 17. Geburtstag das größte Geschenk selbst gemacht hat. Am Start waren bei den Junioren (bis 18 Jahre) 67 Jugendliche aus 16 Nationen.

Die Medaille, die war schon vor dem Springen greifbar nahe. Platz vier nach der Dressur, Rang drei nach dem Geländeritt, die Null-Runde im Springen, der dritten Disziplin, in der schon so viele ihre Träume haben begraben müssen, sollte den Ausschlag dafür geben, dass Leonie Dissmann mit Bronze nach Hause fahren durfte. Für weitere Hobbys bleibt der engagierten Pferdesportlerin wenig Zeit: „Ich treffe mich gern mit Freunden, früher habe ich Leichtathletik gemacht und ein bisschen Tennis gespielt“, erzählt Leonie Dissmann. Außerdem, in drei Wochen geht's schon wieder los mit der Schule, und als Zwölftklässlerin des Calwer Wirtschaftsgymnasiums wird ihr auch nichts geschenkt. Berufswunsch, sagt sie, habe sie konkret noch keinen: „Erst einmal möchte ich das Abi machen.“ Ziele sportlicher Art, die gibt es sehr wohl, wenn gleich sie nach ihrem jetzigen Erfolg auf dem Boden bleibt und sich vor ihrem letzten Jahr in der Junioren-Klasse nicht unnötigem Druck aussetzt: „Ich möchte nächstes Jahr bei der deutschen Meisterschaft reiten und wieder die Qualifikation zur Europameisterschaft schaffen.“

Erfahrung, was internationale Turniere angeht, hatte Leonie Dissmann bis zu ihrem Auftritt bei der Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter keine. Was die Anzahl der Vereine angeht, sieht das aber anders aus. Mit zehn Jahren hat die in Stammheim beheimatete 17-Jährige beim RV Calw quasi vor der Haustüre mit Ponys angefangen. Nachdem sich der Verein aufgelöst hatte, schloss sie sich dem RuV Gechingen an. Mit ihrem Wechsel nach Altheim im Januar 2001 begann sie im Stall von Joachim Jung mit der Vielseitigkeit. Mit der inzwischen achtjährigen Jessy Roy ging es sportlich aufwärts. Nach zwei sehr lehrreichen Jahren entschied sich Leonie Dissmann, ab 2003 für den TSV Altensteig an den Start zu gehen. Da Jessy Roy größere Knieprobleme bekam, stieg sie auf Santa's Little Helper um, das Pferd, mit dem die junge Kaderreiterin (Bundes-C-Kader Vielseitigkeit seit 2003) jetzt den großen Durchbruch geschafft hat.

Rüdiger Rau, Vater des Erfolges der jungen Reiterin, gilt als außergewöhnlich guter Reitlehrer und als profunder Kenner der Szene, was die Vielseitigkeitsreiterei nicht nur in Deutschland angeht. „Im Juniorenbereich ist die Konkurrenz international ganz eng beieinander. Ich wollte eine ordentliche Prüfung“, so die Vorgaben des Altensteigers zum ersten internationalen Auftritt von Leonie Dissmann. Die junge Reiterin selbst weiß um den Vorzug eines erfahrenen Trainers: „Ich bin froh, dass er dabei war. Er läuft mit mir das ganze Gelände und den Parcours ab und bespricht mit mir, wie ich die einzelnen Passagen reiten soll. Ohne ihn hätte es wohl nicht so gut geklappt.“ Gold gewann ihre Teamkameradin Christine Seitz aus Sachsenheim mit Amigo.
Michael Stark (Schwarzwälder Bote, Calw, 18.8.03)