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Hendrik Mader: Statt Fußballprofi wurde er erfolgreicher Reiter PD 10/2017
Hendrik Mader: Statt Fußballprofi wurde er erfolgreicher Reiter

Münsingen-Trailfingen. Eigentlich hatte er als Kind noch keine rechte Lust auf die Reiterei. Fußball mit den Bambini und Tennis waren viel interessanter. Aber wie das so ist in einer pferdefreundlichen Familie: Das Virus Pferdeliebe schlich sich dann doch ins Herz des Kindes namens Hendrik Mader. Der 1994 in Reutlingen geborene Hendrik hatte sich also doch anstecken lassen, als sein Großvater ein Pony für die Enkel kaufte. Hinzu kommt, dass Hendriks Eltern, Traude und Bernd Mader, aktive Reiter waren. Der Vater war zu seiner Zeit Springreiter bis Klasse M, die Mutter begeisterte sich bis heute für die Dressur, ebenfalls bis Klasse M erfolgreich. „Damals, als das Pony zu uns kam, war ich gerade dreieinhalb Jahre alt. Auch das Pony war erst dreieinhalb Jahre alt. Allerdings sah ich, wie mein Bruder und meine Cousine Ramona mit Lucky viel Lehrgeld bezahlen mussten. Da zog ich wohl den Fußball als Spielpartner vor“, erzählt Hendrik Mader schmunzelnd.

Aber allmählich wurde Hendrik mutiger, führte das Pony herum und traute sich dann schließlich in den Sattel, die Longe hatte seine Mutter in der Hand. So beschützt, wuchs das kleine Reiterherz, bis es sich stark genug fühlte, erste Führzügelwettbewerbe zu meistern. Hendrik Mader erzählt: „Dann habe ich mich irgendwann entschieden, die Fußballkarriere an den Nagel zu hängen. Ich hatte nämlich großen Spaß am Reiten gefunden. Hinzu kam, dass ich ohne viel zu üben viele gelbe Schleifen gesammelt habe.“ 2005 zog Familie Mader nach Münsingen- Trailfingen auf eine eigene Reitanlage – die Voraussetzung, dass sich der Pferdebestand schnell weiter vergrößerte. Bald startete der junge Reitersmann mit der Oldenburger Schimmelstute Cordoba von Carnando in E-Springen. In Pfullingen gewann der damals zwölfjährige Hendrik schließlich sein erstes Stil-Springen in Klasse E. Vielleicht war das die entscheidende Fügung, denn bald danach kaufte die Familie Mader die Oldenburger Fuchstute Guantamaria von Rouletto x Werther. „Sie war kaum zu schlagen! Mit ihr ritt ich immer volles Risiko“, erzählt Hendrik Mader dem PRESSEDIENST. Weiter sagt Mader: „Mit ihr gewann ich Siege und Platzierungen bis Klasse L. Und dann ging es 2008 nach Marbach. Hier ersteigerten wir mehr oder weniger überraschend die damals vierjährige Württemberger Stute Colett von Cassini 2, gezogen von der Züchterfamilie Diez aus Illmensee.“ Mit Colett bewies sich Hendrik Mader ein stückweit selbst, dass er mit Pferden gut umgehen kann: „Ich habe sie selbst ausgebildet und als sie achtjährig war, ritt ich erstmals in Klasse S“, erzählt Mader ein wenig stolz. Bald kam dann ein weiteres Pferd in den Stall der Familie Mader in Münsingen-Trailfingen: die damals sechsjährige Holsteiner Stute Ciabatta hat die Familie vom Reitstall Schlüsselburg in Ilsfeld übernommen. Ciabatta entwickelte sich zur Erfolgsgarantin für Hendrik Mader. Unzählige Siege und Platzierungen stehen auf ihrem Konto. „2013, als ich 19 Jahre alt war, gewann ich mit ihr in Epfendorf mein erstes S-Springen!“ erinnert sich der Groß- und Außenhandelskaufmann und angehende Betriebswirt. Die Siege mit Ciabatta häuften sich. Insgesamt zehn Siege errang das Paar von 2014 bis 2017. Stationen waren dabei die Turniere in Moos, Kreuth, Reutlingen, Pöttmes, Oberderdingen, Langenau und Brakel.

Immer mehr Pferde bekam Hendrik Mader unter den Sattel: 2006 kam die Angelo-Araber-Stute Roma von Oberon du Moulin sechsjährig zu ihm und er reitet sie inzwischen erfolgreich in Klasse S**. In diesem Jahr wurde er im Großen Preis (S**) von Tübingen mit Roma Zweiter. Und noch ein weiteres Pferd frisst seit 2014 sein Heu im Stalle Mader: der zwölfjährige Holsteiner Wallach Chancero von Colman/Ahorn Z kam wie Ciabatta aus dem Stall Schlüsselburg. „Er ist ein sprunggewaltiges Pferd“, sagt Hendrik Mader. „Mit ihm war ich heuer in Klasse S* in Tübingen siegreich und mehrfach platziert in Klasse S** und S***.“ Vor zwei Jahren dann kam noch Quinto von Quintender/Wanderer in den Beritt von Hendrik Mader. Dieses Nachwuchspferd war gerade sieben Jahre alt. Hendrik Maders Vater hatte das Pferd bei einer sogenannten Hunter-Prüfung in Trochtelfingen entdeckt. Heute ist Quinto in der Lage, in Klasse S* zu bestehen, wie er in Moos beim diesjährigen Turnier sogar mit einem Sieg bewies.

In all den Jahren der lebhaften Reiterkarriere von Hendrik Mader gab es sehr ansprechende Erfolge. 2007 begann die Erfolgsserie mit der Kreismeisterschaft Reutlingen, damals noch in Klasse E und A. Beim Landesjugendturnier 2008 in Meißenheim wurde er mit Guantamaria Vizemeister, im Finale noch in Klasse L. 2010 lagen die Hürden schon höher und Hendrik Mader gewann mit Colett in Klasse M die Meisterschaft beim Landesjugendturnier. Für junge Reiter ist der NÜRNBERGER Burgpokal eine wichtige Station. 2010 holte sich Mader mit Ciabatta hier mit der Wertnote 8,2 den Sieg in Leutkirch-Haid und sicherte sich damit die Teilnahme am Finale des Burgpokals in der Schleyerhalle in Stuttgart. Stetig ging es aufwärts in Anforderung und Erfolgsmaßstab: 2015 Vizemeister der Jungen Reiter in Schutterwald, 2015 Starterlaubnis für die Deutschen Jugendmeisterschaften in Zeiskam, im gleichen Jahr Sieg beim Salut Festival in Aachen im Mannschaftsspringen Klasse S – die Reihe ließe sich vielfach verlängern. Dass Hendrik Mader in diesen Jahren den verschiedenen Landeskadern angehörte, muss erwähnt sein. Aber besonders eindrucksvoll war für ihn der Start 2016 in der Schleyerhalle: „Es war ein tolles Erlebnis, bei diesem großen internationalen Turnier dabei sein zu dürfen. Im BW-Hallenchampionat wurde ich im Einlaufspringen mit Chancero Achter und im Finale in Klasse S*** sogar Sechster! Einfach ein tolles Erlebnis!“ schwärmt der junge Mann noch heute. Ebenfalls eindrucksvoll war sein Finalauftritt bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften 2017 in Schutterwald. Hier wurde er mit Chancero im Finale des S***-Springens Vierter und hatte damit den letzten noch fehlenden Erfolg für das „Goldene Reitabzeichen“ erreicht.

Hendrik Mader ist ob seiner Erfolge selbstbewusst und mit Recht stolz auf seine Pferde und sich. Aber er weiß, Erfolg hat viele Väter. Und so hebt er hervor, dass er seine Fähigkeiten im Umgang mit Pferden zuerst seinen Eltern Traude und Bernd Mader zu verdanken hat. Springausbilder hatte er natürlich auch, z.B. Wolfgang Arnold aus Ehestetten und Sven Schlüsselburg aus Ilsfeld, aber „ich habe in meinem Vater doch den wichtigsten Trainer meiner Laufbahn.“ Und Mader betont: „Wir sind reine Amateure und ich habe keine professionellen Trainer an meiner Seite. Aber wir haben dennoch Erfolg!“ Das bestätigt die Erfolgsliste der Jahre 2016/2017: Insgesamt 130 Platzierungen hat Hendrik Mader erreicht. Allein bei 92 Starts in Klasse S* gab es 12 Siege, dazu kommen 24 Platzierungen in Klasse S** und davon wiederum 14 an zweiter bis fünfter Stelle. Diese Serie reicht im Grunde aus für das große Ziel des 23-Jährigen: Das Goldene Reitabzeichen. Diese Ehrung hat einen besonderen Stellenwert im Leben eines jeden Pferdesportlers, denn: sie wird nur einmal im Leben verliehen. Medaillen, Titel lassen sich beliebig oft wiederholen, das Goldene Reitabzeichen ist einmalig und eine Art Ritterschlag für mindestens neun Siege in Klasse S* und einen Sieg in S**. Hendrik Mader hat das „Soll“ übererfüllt und darf nun gebührend feiern mit der Familie, mit Freunden und im Kreis der Reiterkameraden, die meist auch ernsthafte Konkurrenten sind. Die feierliche Verleihung des Goldenen Reitabzeichens wird am 6. Oktober in Bisingen-Hohenzollern stattfinden für einen würdigen Reiter namens Hendrik Mader. Herzlichen Glückwunsch. Martin Stellberger