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Susanne Zeiske: Vom Ponyhof zum Goldenen Reitabzeichen P?D 10/2017
Susanne Zeiske: Vom Ponyhof zum Goldenen Reitabzeichen

Münchingen.
„Alle meine Kindergeburtstage fanden auf einem Ponyhof statt. Bis zu meinem zehnten Geburtstag.“ Susanne Zeiske denkt amüsiert an jene unbeschwerten Kindertage im rheinland-pfälzischen Braubach am Rhein. Damals wurden wohl die Weichen gestellt, die für die Pferdefrau Lebensschienen wurden: Die Pferde ließen sie nicht mehr los, trotz langer Schuljahre, die letztlich im Abitur mündeten und im Beruf Versicherungskauffrau. Aber das genügte Susanne Zeiske nicht, der Pferde wegen. Sie absolvierte deshalb in den Jahren 1994 bis 1996 bei ihrem späteren Ehemann Holger Zeiske eine Ausbildung zur Pferdewirtin und setzte danach noch die Meisterprüfung obendrauf. Der Lohn war dabei die Auszeichnung mit der Stensbeck-Plakette, die nur die besten Absolventen eines Jahrgangs bekommen. Dieser Weg entspricht ihrem Lebensmotto als Pferdefrau: „Immer weiterbilden und gut bleiben!“ Deshalb hat sie auch wenig freie Zeit für Dinge neben der Reiterei. Dabei liebt sie es, „mit meinen Hunden zu laufen und im Garten zu arbeiten“. Ein wenig Entspannung und auf andere Gedanken kommen gehört einfach dazu. Seit sie 1997 Holger Zeiske heiratete, ist auch ihr Familienleben aufs engste mit der Reiterei und den Pferden verbunden. Holger Zeiske ist nämlich wie seine Frau Pferdewirtschaftsmeister, auch mit Stensbeck-Plakette, vergisst Susanne Zeiske nicht zu erwähnen. Beide arbeiten als selbständige Ausbilder und Reiter auf dem Anwesen der Familie Schuler in Münchingen, wohin das Paar 2011 kam. Seit 2011 reiten beide für den Reitverein Münchingen. In der Region sind sie auch als Trainer aktiv. Im Stall Schuler betreut das Ehepaar Zeiske zusammen mit zwei Auszubildenden Beritt- und Ausbildungspferde und unterstützt Reiterinnen und Reiter auch auf Turnieren. „Es macht große Freude zu erleben, wie Pferde und Reiter zusammen wachsen können“, sagt Susanne Zeiske

Zurück zur Jugendzeit von Susanne Zeiske. Mit zehn Jahren also begann der eigentliche Reitunterricht im Reitverein Bissingen, Braubach, bei Familie Lebek. Dort hatte die junge Reiterin viel Unterstützung, konnte bei Turnieren reiten und hatte bis 1993 eigene Pferde zur Verfügung. „Mein bester Trainer wurde dann mein Mann Holger Zeiske, der mich bis heute sehr fördert. Denn ich möchte ja auch reiterlich „am Ball bleiben.“ Über sich selbst und ihre Reiterei sagt sie: „In der Pferdeausbildung legen wir sehr viel Wert auf die Leistungsbereitschaft eines Pferdes, nicht nur auf dessen Leistungsfähigkeit.“ Doch sie weiß auch, dass sie selbst immer an sich arbeiten muss, „denn ich bin nicht sooo sattelfest, wie ich es gerne wäre. Ich bin gleichwohl mit einer gewissen Beharrlichkeit bis Sturheit ausgestattet.“ Diese Eigenschaften, so sagt die Reiterin augenzwinkernd, „gleichen meine leider vorhandene Ungeduld aus!“ Erfolgswille ist ihr sicher auch durch ihr Elternhaus in die Wiege gelegt worden, denn ihr Vater Rolf Kaiser war nicht nur erfolgreicher Malermeister sondern führte mit seiner Frau Barbara, die Dolmetscherin ist, lange Jahre ein Hotel-Restaurant in Lahnstein. Susanne Zeiske hat zudem erfolgreiche Geschwister. Bruder Thomas ist Judoka und Sportlehrer, Schwester Corinna Mai führt ein erfolgreiches Familienunternehmen mit Mehrgenerationenhaus und Altenpflege. Dass die Eltern die Reiterei ihrer Tochter Susanne förderten, daran denkt sie dankbar zurück.

Ohne Beharrlichkeit und Ausdauer gibt es keine Auszeichnungen. Deshalb liegen dem Goldenen Reitabzeichen auch einige beachtliche Erfolge zugrunde, die die inzwischen 50jährige Pferdewirtschaftsmeisterin vorweisen kann und auch muss. Denn die Regeln fordern mindestens neun Siege in Klasse S* und einen Sieg in Klasse S**. Höherklassige Erfolge werden entsprechend angerechnet. Und zum Siegen braucht man auch die richtigen Pferde. Drei Namen spielen dabei eine besondere Rolle für Susanne Zeiske: Dakira, Livinio und Graziano sowie Raffaello, das ehemalige Erfolgspferd ihres Mannes. Mit Graziano von Grafenstolz x Landioso l gewann Susanne Zeiske allein im Jahr 2010 vier S*-Dressuren in Schwieberdingen, zweimal in Rot am See-Musdorf und in Leonberg. In Holzgerlingen und Lorch kamen mit Livinio (Landadel x Worldcup 2) 2012 zwei weitere S*-Siege hinzu. Zweimal gewann sie mit demselben Pferd 2013 in Rot am See-Musdorf und einmal in Aalen. Jetzt fehlte eigentlich nur noch der S**-Erfolg. Aber in die Reiterei hat der Herrgott auch Geduld und Beharrlichkeit eingebaut. Es dauerte bis 2017, bis sich der ersehnte Sieg einstellte. Zuvor hatte sie mit Dakira, einer 14jährigen Stute von Daydream x Gardez, viele Starts erlebt und Turniere geritten, sehr wohl mit Erfolgen in Weil am Rhein und Münchingen. Dann war der Knoten geplatzt und am 18. Juni 2017 stand Susanne Zeiske auf dem Siegertreppchen nach einer S**-Intermediaire-Prüfung in Heidenheim. „Da war bei uns die Freude sehr groß! Das Goldene Reitabzeichen zu bekommen ist doch ein ganz besonderes Erlebnis und Ereignis in der Reiterei!“ freut sich Susanne Zeiske. In der Tat, das Goldene Reitabzeichen wird einem Pferdesportler „verliehen“ für entsprechende Erfolge.

Medaillen und Titel lassen sich wiederholen. „Das Goldene Reitabzeichen bekommt man nur einmal im Leben“, erklärt Susanne Zeiske. Sie freut sich sehr auf diese Ehrung nach Jahrzehnten fleißiger Reiterei und Arbeit mit den Pferden. Es ist für sie wie eine kleine Krönung ihrer Laufbahn. Die feierliche Verleihung wird Susanne Zeiske bei ihrem Heimturnier in Münchingen zuteil werden. Dorthin gehört dann auch das Fest mit Mann, Familie und Freunden und nicht zuletzt auch mit jenen Reitern, die ihr aus der Szene nahestehen, obwohl sie im Viereck auch harte Konkurrenten sind. Da kann man eigentlich nur noch respektvoll gratulieren.