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Ein Jugendtraum vergoldet sich: Philipp Schlaich freut sich auf das „Goldene“ PD 8/2017
Ein Jugendtraum vergoldet sich: Philipp Schlaich freut sich auf das „Goldene“

Balingen-Geislingen.
Wenn man Philipp Schlaich zuhört, spürt man seine Freude an und mit den Pferden sowie die Energie, die er daraus schöpft. Der 25-jährige Industriekaufmann aus Geislingen bei Balingen erzählt freiweg: „Es begann 1995 an einem Samstag, als unser Vater Anton mich Dreijährigen und meine ältere Schwester Marina zum Reitverein Balingen mitnahm, um uns einmal Pferde zu zeigen.“ Das war der klassische Auslöser für eine Pferdevirus-Infektion. Der kleine Philipp und seine Schwester wurden damals auch gleich zum Voltigieren angemeldet. Drei Jahre später stand das erste Pony im Stall. Es war jedoch nicht ganz einfach, den Vater dafür zu begeistern: „Wir haben abends beim Essen in einem Gasthaus unserem Vater einen Vertrag aufgesetzt. Ich war fünf, meine Schwester sieben Jahre alt. Nach drei Weinschorlen hat unser Vater den Vertrag unterschrieben! Der Vertrag lautete so: Ich, Anton Schlaich, kaufe Euch ein Pony!“ Einmal auf diesem Gleis, nahm der „Pferdezug“ Fahrt auf. Bald kam das erste Pferd dazu. „Allerdings gab es in meiner Reiterei früh eine Zäsur: Ich hatte mit neun Jahren einen schweren Reitunfall. Doch offenbar wurde meine Leidenschaft für die Pferde und für das Reiten dadurch nur noch bestärkt, denn ich wollte unbedingt wieder reiten. Meine Eltern hatten ein Einsehen und kauften mir ein Pony. Es war ein Shetty namens Brösel und hatte ein Stockmaß von 1,15 m. Wir haben zusammen Springreiterwettbewerbe bestritten und uns an E-Springen versucht. Aber Brösel war schnell zu klein und die Sprünge zu hoch! Doch dann kam ein echtes Sportpony zu uns: Drifting Bubble. Mit ihm konnte ich bis Klasse A starten. Der reiterliche Aufschwung setzte sich fort und 2010 bekam ich von meinen Eltern mein heutiges Erfolgspferd Cassandro. Cassandro war damals sieben Jahre alt. Schon als Jugendlicher hatte ich mit ihm viele schöne Erfolge, konnte sogar in Klasse S starten, Deutsche Jugendmeisterschaften reiten und auch internationale Turniere besuchen. Er ist ein tolles Pferd, dem ich alles zu verdanken habe.“

Die Erfolgsliste von Cassandro und Philipp Schlaich ist seit 2010 beeindruckend und reicht aus für das Goldene Reitabzeichen. Das „Goldene“ ist im Leben eines Reiters überhaupt ein einmaliges Ereignis und wird ausdrücklich „verliehen“ von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, wenn man eine vorgegebene Zahl von Erfolgen in der schweren Klasse nachweisen kann. Mit Cassandro gelang dies Philipp Schlaich durch etliche Siege in Klasse S* und S**. Dazu kommen noch sieben zweite Plätze sowie sechs dritte Plätze, davon drei Erfolge mit den Pferden Chlodowig und Cello. Schlaichs „Auslandseinsätze“ erfolgten im österreichischen Wiener Neustadt 2011 und Lamprechtshausen 2015. In beiden Turnieren konnte er sich im Großen Preis platzieren. Die anderen Starts verteilen sich auf Turniere im ganzen Land, von Donaueschingen über Schutterwald bis Babenhausen, von Ingolstadt und Wiesbaden bis Aachen und Verden. Wer Erfolg haben will, muss etwas wagen und investieren, zumindest Zeit – in die Reisen und vor allem in die Ausbildung von Pferden und Reiter.

Gerade für seine Ausbildung hat Philipp Schlaich gute, renommierte Ausbilder an seiner Seite. Hans Dussler aus Balingen, auch bekannt als Parcoursbauer, begleitete den jungen Reiter bei seinen ersten Starts in Klasse S und auch „bei meinem ersten Meistertitel 2012 als Junger Reiter in Schutterwald war er dabei“. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Hünxe und München hat ihn der erfahrene Trainer ebenfalls betreut, wo jedes Mal sehr gute Platzierungen heraussprangen und sogar das Finale. Für das Finale musste sich der Balinger nochmals qualifizieren, da er unter die besten 30 Deutschen kam. Ganz besonders erfolgreich war das Balinger Team dann 2012 beim Salut Festival in Aachen, weil dort die Baden-Württemberger Reiter als Mannschaft zum ersten Mal Deutscher Hallenmeister wurden. Ganz gefahrlos ist die Reiterei aber auch nicht, sagt Philipp Schlaich und erinnert sich an einen Start 2013 beim Preis der Besten in Warendorf und er erzählt von einem Ereignis, das er nicht vergessen kann: „In Warendorf bin ich samt Pferd gestürzt. Mein Pferd blieb, Gott sei Dank, unverletzt, ich brach mir das Brustbein.“

In den Jahren 2014/2015 stand Philipp Schlaich in Manfred Ege aus Albstadt ein erfahrener Ausbilder zur Seite und seit 2016 ist Kurt Maier aus Gültstein Schaichs Trainer. Auch dessen Einfluss verdankt Philipp Schlaich einen starken Erfolg: In Wiesbaden gewann der junge Mann ein S**-Springen, nämlich den Preis des Spitzensports Deutschlands innerhalb des Deutschland Pokals. Wer so oft startet, kann bei entsprechendem Trainingsfleiß auch viele Erfolge feiern. Gerne erinnert sich Schlaich dabei an seinen Titel als Landesmeister der Jungen Reiter 2012 in Schutterwald. In Wiesbaden gewann er im Rahmen des dortigen CSI**** ein S**-Springen. In der Serie Ey-Cup, so nennt sich abgekürzt der European Youngster Cup, ein Wettbewerb für Reiter unter 25 Jahren aus ganz Europa, bewies Philipp Schlaich in Donaueschingen sein Können mit guten Platzierungen zudem auf Gut Ising am Chiemsee, in Bietigheim-Bissingen, in Österreich, Luxemburg und Italien. Folgerichtig war er von 2011 bis 2013 auch Mitglied des Landeskaders U21.

Neben der Reiterei denkt Philipp Schlaich natürlich auch an sein berufliches Fortkommen. Er arbeitet als Industriekaufmann im elterlichen Betrieb AS Moden GmbH. Sein Ziel hier hat er sich zusammen mit seiner Schwester auch schon gesteckt: „Eines Tages werden wir den Betrieb gemeinsam übernehmen und uns um die Herstellung und Produktion unserer ökologischen Bekleidungstextilien kümmern. Dazu gehört auch spezielle Berufskleidung für die Feuerwehr und Polizei.

Fragt man Philipp Schlaich nach seinen Stärken und Schwächen, bekommt man eine selbstbewusste Antwort. „Wir, meine Eltern und meine Schwester, setzten uns nie unter Druck, wenn es mal nicht recht läuft. Wir sind glücklich, wenn wir heil aus dem Parcours kommen.“ Es sei ein gutes Gefühl zu wissen, dass Vater Anton und Mutter Susanne Schlaich zufrieden sind, „egal wie wir abschneiden.“ Er liebe jedoch Herausforderungen, sagt Philipp Schlaich, und er sei ausdauernd in der Arbeit mit seinen Pferden. „Und eines ist für mich ganz klar: Meine Pferde sind für mich Partner und Freunde. Ich behandle sie fair.“ Diese Dankbarkeit gegenüber den Pferden verspürt der junge Pferdefreund auch gegenüber seinen Eltern, den Sponsoren aus Leidenschaft: „Sie haben 2009 in Geislingen im Bubenhofer Tal ein altes Anwesen gekauft, das Schafhaus aus dem Jahre 1706. Das haben wir mit eigenen Kräften umgebaut zu einem wunderschönen kleinen Reitstall. Hier stehen seither unsere Pferde.“ Wer so schwärmen kann, kann sicherlich auch schön feiern mit der Familie und mit Reiterfreunden - vor allem am 26. August 2017 beim Turnier in Waldachtal-Heiligenbronn. Dort wird Philipp Schlaich die glänzende Ehrung bekommen, die es nur einmal gibt im Leben eines Pferdesportlers: das Goldene Reitabzeichen.
Martin Stellberger