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Pferd und Tourismus – eine aktuelle Studie liegt vor PD 7/2017
Pferd und Tourismus – eine aktuelle Studie liegt vor

Göttingen.
In Deutschland gibt es rund vier Millionen Reiter und 14 Millionen Pferde-interessierte sowie zahlreiche attraktive Urlaubs- und Ausflugsziele mit Pferdebezug. Da stellen sich für den Touristiker viele Fragen: Wohin fahren Pferdeurlauber am liebsten und mit wem? Welche Angebote werden aktuell und zukünftig nachgefragt? Wie informieren sich Pferdesportler über pferdetouristische Angebote? Wie hoch sind die durchschnittlichen Ausgaben für Pferde-urlaub und Tagesausflug? Bisher ist wenig über dieses interessante Segment bekannt. Wissen-schaftlich an das Thema Pferd und Tourismus heranzugehen, das hatten sich in einem Gemein-schaftsprojekt HorseFuturePanel und BTE Tourismus- und Regionalberatung aus Göttingen vorgenommen. Die gemeinsame Studie zeigt aktuelle Fakten und Trends zum Reiturlaub und Tagestourismus rund ums Pferd auf.

1.100 Reiter und Pferdeinteressierte gaben Antworten
Mehr als 1.100 Reiter und Pferdeinteressierte haben sich in der Zeit vom 23.9.2016 bis 16.11.2016 an der Online-Umfrage von BTE und HorseFuturePanel UG zu ihrem pferde-bezogenen Urlaubs- und Ausflugsverhalten beteiligt. Es hat sich gelohnt! Die gewonnenen Daten ermöglichen fundierte Aussagen zu Aktivitäten, Wünschen und Erwartungen von Pferdetouristen. Daraus lassen sich Trends und Potenziale im Pferdetourismus ableiten, die auch Entscheidungs-trägern aus Institutionen, Politik und Wirtschaft als Argumentationshilfe dienen können. Daneben liefert die Studie aktualisierte und ergänzende Daten zu der Befragung im Rahmen der BTE-Marktanalyse „Tourismus rund ums Pferd“, in der 2009 erstmals bundesweite Daten zum Reit- bzw. Pferdetourismus eruiert wurden. Die Kernergebnisse der Befragung stehen als Download zur Verfügung. Der PRESSEDIENST vermittelt einen ersten Eindruck über die Erkenntnisse.


Charakteristik Pferdeurlauber: Wer sind die Pferdesportler und Pferdeurlauber?
Der „durchschnittliche“ Pferdeurlauber ist weiblich, 41 Jahre alt, hat einen hohen wirtschaftlichen Status sowie ein hohes Bildungsniveau. Er/sie ist verheiratet oder lebt in einer Partnerschaft, ist aktiver Pferdesportler und reitet seit 25 Jahren. Er/sie verbringt 21 Stunden pro Woche im Stall, reitet am liebsten aus, macht Bodenarbeit oder reitet Dressur und ist auch neben dem Pferdesport sehr engagiert (sportlich, kulturell, sozial) und wohnt im ländlichen Raum.

Pferdeurlauber sind Wiederholer bzw. Stammgäste, denn 50 Prozent der Befragten haben bereits mindestens sechs Pferdeurlaube gemacht, davon ein Viertel sogar mehr als zehn. Im Durchschnitt waren die Pferdeurlauber bis zu zehnmal im Pferdeurlaub. Bei der Hälfte der Befragten ist der letzte Pferdeurlaub erst ein Jahr her.

Gründe für den Urlaub mit Pferden
Den typischen Pferdeurlauber gibt es eigentlich nicht: Wie bei den Pferdesportlern sind auch bei den Pferdeurlaubern verschiedene Altersgruppen und Gesellschaftsschichten vertreten. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Gründen, die für den pferdebezogenen Urlaub sprechen. Im Schwerpunkt sind dies folgende Aspekte: Mit Abstand an der Spitze liegt der Wunsch, schöne Landschaften mit dem Pferd zu genießen (51,8 %). Zeit mit Pferden zu verbringen, wünschen sich 35,6 Prozent der Befragten. 32 Prozent wollen sich im Urlaub pferdesportlich weiterentwickeln. 30,7 Prozent wollen mehr Zeit für das eigene Pferd haben. Zeit mit anderen Pferdesportlern zu verbringen, das wünschen sich immer noch 17,7 Prozent. Unterwegs sein, um neue Orte kennenzulernen, ist das Ziel noch von knappen neun Prozent.

Reiseziele: Deutschland liegt klar im Trend
Mehr als 80 Prozent der Befragten haben ihren letzten pferdebezogenen Urlaub in Deutschland verbracht. Reiseziele wie Spanien, Österreich oder Holland werden von nicht mehr als zwei Prozent der Befragten bevorzugt. „Andere europäische Länder“ stehen bei gut 9 Prozent auf der Agenda. Vier Prozent der Probanden sind in das nicht-europäische Ausland gereist.

TOP-Reiseziel für Pferdeurlaub in Deutschland ist mit Abstand Niedersachsen; mit 49 Prozent Zuspruch ist es das beliebteste Bundesland für Pferdeurlaub. Nordrhein-Westfalen folgt auf Platz zwei (28%) vor den Plätzen drei bis fünf mit Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein (22-24%). Baden-Württemberg kommt nur auf knapp 18 Prozent Zuspruch durch Pferdefreunde. Hier wäre also noch Potential zu wecken. Doch die Studie erwartet in der Zukunft Verschiebungen zugunsten der Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Auch Bayern und Brandenburg sollen profitieren. Dagegen werden Niedersachsen und NRW Marktanteile verlieren, besagt die Studie. Auch für Baden-Württemberg soll sich zukünftig eine Steigerung bemerkbar machen, nämlich von 17,9 auf 20,2 Prozent. Für Bayern wird ein Anstieg von 23,6 auf über 41 Prozent angenommen. Für Mecklenburg-Vorpommern erscheint die Prognose auch rekordverdächtig, nämlich in einem Anstieg von 23,8 auf 58,6 Prozent. Schleswig-Holstein kann sich nach der Studie auf eine Steigerung des Potentials von 21,8 auf 51,5 Prozent freuen.

Allerdings spielt auch die Länge der Anreise zum Urlaubsort eine wichtige Rolle. Die Studie hat herausgefunden, dass eine kurze Anreise ein wichtiges Kriterium für die Wahl der Ortes sei. Fast ein Drittel der Urlauber reist im Umkreis bis 100 km, die Hälfte innerhalb eines 200 km-Radius‘. Fernreisen sind im Pferdetourismus nur ein kleines Segment

Wanderreiten ist beliebt und ausbaufähig
Hoch im Kurs der Urlaubsformen liegt der Reiterurlaub mit festem Quartier. Über 63 Prozent bevorzugen diese Form laut Umfrage. Auch das Wanderreiten - organisiert oder selbst organisiert - hat viele Freunde: 33,3 Prozent organisieren ihre Wanderreittouren selbst, 29,7 Prozent nehmen gerne organisierte Mehrtagesritte wahr. Wandertouren mit Packpferd, Ranchurlaub und Wander-fahrten haben einen geringeren Zuspruch und liegen zwischen 5,2 und 8,5 Prozent. Fazit in diesem Segment der Umfrage: Reiturlaub mit festem Quartier und Wanderreiten ist am beliebtesten. Hohe Bedeutung haben auch Aus- und Fortbildungsangebote. Allerdings bleiben die aktuell erhobenen Zahlen nicht statisch, vielmehr verlieren einzelne Urlaubsformen an Zuspruch, andere, wie das organisierte Wanderreiten, werden sich laut Studie positiv entwickeln. Die organisierte Wander-reiterei soll sich von aktuell 29,7, Prozent auf 42,2, Prozent steigern.

Die Dauer eines Pferdeurlaubs ist mit 7,4 Tagen im Mittel tendenziell länger als „normale Urlaube“. Nur etwa 20 Prozent der Pferdeurlaube sind Kurzurlaube bis zu drei Tagen, die meisten Pferdeurlaube dauern zwischen vier und neun Tagen. Pferdeurlauber verreisen am liebsten in Begleitung, vor allem mit reitenden Freunden oder der Familie, auch in größeren Gruppen. Die meisten Pferdeurlauber bevorzugen eine komfortable Unterkunft, möglichst (außer bei Wander-ritten) direkt auf dem Hof. Bislang versorgen sich die Pferdeurlauber überwiegend selbst, doch bei den zukünftigen Pferdeurlaubern besteht ein zunehmendes Interesse an Verpflegungsangeboten, vor allem an der Halbpension. Über die Hälfte der Pferdeurlauber ist mit eigenem Pferd verreist, ansonsten werden häufig Pferde vor Ort aktiv genutzt. Dabei wird großer und zunehmender Wert auf Gesundheit und artgerechte Haltung der Tiere gelegt.

Wie informieren sich und buchen die Urlauber? Direkt beim Anbieter!
Die Umfrage kommt auf folgende Erkenntnisse: Pferdeurlauber informieren sich hauptsächlich direkt beim Anbieter, entweder persönlich oder über dessen Marketingmedien (Internet, Print). Hohe Bedeutung haben außerdem Informationen von Freunden und Bekannten und anderer Pferdesportler. Zukünftige Pferdeurlauber lassen sich außerdem gern durch das Internet im Allge-meinen sowie durch Pferdemessen inspirieren. Direktvermarktungswege sind also beim Pferde-tourismus von übergeordneter Bedeutung. Die Anbieter pferdetouristischer Urlaubsformen sind erste Anlaufstelle für Information und Buchung. Indirekte Vermarktungswege (z. B. Reiseveran-stalter, Reisebüro, Tourismusorganisation) haben im Pferdetourismus nach wie vor eine untergeordnete Bedeutung.

Tagestourismus ist von Interesse
Die detaillierte Auswertung zu diesem Abschnitt der Studie steht noch aus. Soviel aber ist zu erkennen: Das Interesse an tagestouristischen Angeboten rund um das Pferd ist potentiell hoch: Drei Beispiele: Drei Viertel aller Befragten haben Interesse an tagestouristischen Angeboten. Die Hälfte der Befragten hat bereits mindestens ein tagestouristisches Angebot genutzt. Zu den beliebtesten Tagesangeboten gehört der Besuch von Pferdemessen und -ausstellungen (84,1 %), gefolgt mit 71,6 Prozent von Pferdesportveranstaltungen (z. B. Turnier) sowie Gestütsschauen und Hengstparaden (64 %).

Ohne der Sonderauswertung Tagestourismus vorzugreifen, kommt die Studie zu einer ersten Einschätzung dieses Segmentes: Das Angebot an tagestouristischen Aktivitäten rund ums Pferd ist vielfältig. Dazu gehören: passive Formen, wie der Besuch als Zuschauer von Veranstaltungen und Shows sowie aktive Formen, wie die Teilnahme an Lehrgängen oder Wettkämpfen. Das Interesse am Tagestourismus rund um das Pferd ist groß, ebenso wie die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten. Insgesamt überwiegen passive Formen. Der Besuch von Messen, Ausstellungen und Pferdesportveranstaltungen (als Zuschauer) ist für die Mehrzahl der Pferdesportler interessant. Der Aufwand für solche Aktivitäten ist meist überschaubar, ein eigenes Pferd in der Regel nicht erforderlich. Bei den aktiven Formen überwiegt die Teilnahme an Aus- und Fortbildungen. Aber auch Aus- und Tagesritte sowie die Teilnahme an Pferdesportveranstaltungen sind beliebt.

Das Pferd als Wirtschaftsfaktor ist nicht zu unterschätzen
Der Gesamtumsatz in Pferdewirtschaft und -haltung beträgt geschätzte 6,7 Mrd. Euro pro Jahr, verbunden mit etwa 300.000 Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Pferden verdienen und rd. 900.000 Pferdebesitzern (FN 2016). Durchschnittliche Ausgaben für Pferdeurlaub liegen zwischen 630 Euro für pauschalen und 725 Euro für selbstorganisierten Pferdeurlaub und damit bei 85 bis 95 Euro täglich. Die eigene Unterbringung und das Reitprogramm bilden mit je weit über 200 Euro die größten Kostenblöcke. Für tagestouristische Angebote rund ums Pferd werden im Durchschnitt knapp 50 Euro ausgegeben. Potenziale bieten sich hier durch das große Interesse von Pferdesportlern und Pferdeinteressierten an tagestouristischen Angeboten.
Und noch ein paar Zahlen dazu: Rund vier Millionen Reiter gibt es in Deutschland, davon hat die Hälfte Reiturlaubserfahrung. Die attraktive Zielgruppe ist überdurchschnittlich aktiv und finan-ziell ausgestattet. 23 Millionen Deutsche (28,3% der Deutschen) sind pferdeinteressiert und 14 Millionen Deutsche haben Interesse am Reiten. Das Potential ist also im Grunde genommen riesig. Dieses Klientel ist auch Zielgruppe für Tagestourismus (Veranstaltungen rund ums Pferd, Kutschfahrten) und teilweise auch für Pferdeurlaub (Schnupper- und Einsteigerangebote, anfängertaugliche Ausritte etc.).

Ein Blick in die Zukunft
Die Studie sieht zukünftige Entwicklungen und Potenziale durch wachsende Nachfrage für orga-nisierte Angebote und Schnupperangebote. Der Wunsch nach „sicherem Abenteuer“ ist offen-sichtlich. Auch organisierte Wanderritte werden gut angenommen, ebenso Reiterreisen durch Reiseveranstalter etc. Dazu kommen Schnupperangebote für Einsteigerurlauber und ein steigen-des Interesse an außergewöhnlichen Angeboten wie Wandern mit Packpferd/-tier, Wanderfahren, Ranchurlaub und spezielle Reitweisen oder Rassen.

Zu beachten sind folgende Erkenntnisse: Der demografische Wandel spielt auch im Reit-tourismus eine Rolle, denn die Reiter werden älter. 50 Prozent der Pferdeinteressierten sind > 50 Jahre! (Quellen: Sportprofile AWA 2014; BTE 2009). Es werden zudem weitere Anforderungen wichtig wie Sicherheit und zielgruppen-angepasster Reitunterricht, etc. Eine stärkere Bewerbung der Kinder wird nötig sein, da längere Schulzeiten den Zugang zum Pferd verringern. Im Zuge der Digitalisierung setzt man künftig mehr auf das Internet statt auf Prospekte, auf Bewertungs-plattformen und Soziale Medien sowie das Reiten mit App.

Kontakt: www.bte-tourismus.de/bte-2-0/news/details/184


Link: www.bte-tourismus.de