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Goldenes Reitabzeichen für Timo Kemmerer PD 05/2017
Goldenes Reitabzeichen für Timo Kemmerer

Oberhausen-Rheinhausen.
„Wenn es läuft, dann läuft es!“ so etwa könnte man Timo Kemmerers augenblickliche Stimmung ein wenig scherzhaft bezeichnen: Gerade rechtzeitig zur Geburt seines Sohnes Paul vor wenigen Wochen kam für den erfolgreichen Dressurreiter noch eine Auszeichnung hinzu, die in der Reiterwelt ebenso einmalig ist, wie die Geburt eines Kindes: Einmalig ist nämlich das Goldene Reitabzeichen, das erfolgreichen Reitern für zehn Siege in Klasse S verliehen wird, darunter mindestens ein Sieg in Klasse S** oder höherklassige Platzierungen und Siege. Timo Kemmerer, für den Reit-, Fahr- und Pferdezuchtverein Wiesental e.V. startend, kann mit seiner Stute Sunny Girl ein Erfolgskonto vorweisen, das ihm so rasch keiner nachmacht. Für das Goldene Reitabzeichen zählte er gegenüber der FN einen Sieg in Klasse S* in Mannheim-Neckarau auf und neun Platzierungen in Klasse S***: je zwei zweite Plätze in Aulendorf und Mannheim, zwei dritte Plätze in Böblingen und Ludwigsburg-Monrepos, vier vierte Plätze in Mainz, Ludwigsburg, Linkenheim und Walldorf sowie einen fünften Platz in Heroldsberg bei Nürnberg. All das schaffte der 33jährige Reiter in nur fünf Jahren, nämlich von 2012 bis 2016. Ein Wermutstropfen mischt sich allerdings an dieser Stelle ein. Kemmerer berichtet gegenüber dem PRESSEDIENST: „Da meine Stute Sunny Girl verletzt ist, soll sie ihre Qualitäten künftig vielen Fohlen weitergeben. Zu gerne möchte ich wieder ein Pferd in den „großen Sport“ bringen, natürlich ein selbst gezogenes.“ Mit Sunny Girl von Samico, dem erfolgreichsten Scheck-Hengst im Dressursport und Rodgau (Muttervater), hat er einst eine Art Glücksgriff getan, erzählt Timo Kemmerer: „Der Weg zum Goldenen Reitabzeichen war mir mit diesem Pferd nicht vorgezeichnet, als ich Sunny Girl als sechsjährige Stute übernommen habe. Vielmehr glaubte in meinen Reiterkreisen niemand mehr an das Pferd, das immer wieder stieg, wenig Leistungsbereitschaft zeigte und einfach „sauer“ war, wie wir Reiter sagen.“ Und ein wenig stolz fügt der gelernte Bankfachwirt und heutige Inhaber einer Versicherungsagentur hinzu: „Genau das Gegenteil war der Fall, nachdem wir zusammengefunden haben! Sunny Girl wollte immer fleißig mitarbeiten, eifrig lernen. Gleichwohl war sie nie ein einfaches Pferd, doch ihre Eigenheiten konnte ich gut abfangen. Das alles hat sie mir gelohnt mit schönen Erfolgen.“ Unter diesen Erfolgen sind zum Beispiel die Teilnahme am Finale des IWEST-Dressur Cups in der Schleyer-Halle in Stuttgart besonders wichtig und der zweite Platz in einer S***-Dressur beim Mannheimer Maimarkt-Turnier 2014. Allerdings kann Timo Kemmerer auch aus früheren Jahren schöne Erfolge vorweisen, z.B. gewann er 2011 die Nordbadische Meisterschaft sowie als Junior und Junger Reiter mehrere Titel bei den Meisterschaften seines heimatlichen Reiterrings.

Woher kommen die „Reitergene“ bei Timo Kemmerer? „Ich stamme mütterlicherseits aus einer landwirtschaftlich geprägten Familie. Mein Großvater hielt Pferde und meine Mutter Irene Kemmerer war eine erfolgreiche Dressurreiterin bis Klasse S.“ Es blieb nicht aus, dass Timo Kemmerer schon mit vier Jahren aufs Pferd sitzen durfte. Von da an entwickelte sich das Reiterleben, zu dem auch Vater Klaus Kemmerer beitrug. Der Automobilkaufmann ist „bis heute seelischer und moralischer Beistand bei meinen Turnierstarts.“ Solche Voraussetzungen sind für sich genommen schon einmalig. Kemmerer erfuhr aber noch eine weitere reiterliche Stütze durch die Heirat mit Aileen Kemmerer. In der Reiterszene ist sie wegen ihrer erfolgreichen Reiterei bestens bekannt unter ihrem Mädchennamen Aileen Day und auch sie ist Trägerin des Goldenen Reitabzeichens. Sie wurde damit 2014 ausgezeichnet und der PRESSEDIENST schrieb damals über die Anfänge der erfolgreichen Reiterin (PRESSEDIENST (8/2014): „Eigentlich habe ich es meiner Schwester zu verdanken, dass ich das Goldene Reitabzeichen bekomme!“ Ihre Schwester Kerstin hatte einst einen Gutschein für zehn Reitstunden bekommen. Die damals 12-jährige Aileen ging mit auf den Reiterhof. „Damit hat alles angefangen. Meine Schwester wollte Springreiterin werden, ich hatte es eher auf die Dressur abgesehen. Natürlich hatten wir beide den Traum vom eigenen Pferd – glücklicher Weise konnten wir unsere Eltern davon überzeugen.“ Destino D von Dream of Heidelberg II/Warkant war damals eines ihrer Erfolgspferde. Wie sich die Entwicklung mancher Reitersleute ähneln, darüber kann man nur staunen.

Weniger staunen muss man über die Trainer und Ausbilder: Alle, die Timo Kemmerer um Rat fragt, bringen oder brachten ihn weiter. Neben seiner Mutter Irene reitet Kemmerer immer wieder unter dem wachsamen Auge von Julia Kühn, die unter ihrem Mädchennamen Julia Machat aus Mannheim 2009 das Goldene Reitabzeichen erhielt (s. PRESSEDIENST 4/2009). Pieter van der Raat aus Zeutern gehört ebenfalls zu den Reitlehrern, die Timo Kemmerer am häufigsten konsultiert. Für die Kemmerers ist es zudem ganz wichtig, dass sie ihre Pferde „am Haus“ und natürlich artgerecht halten können. So ist die Bindung zwischen Mensch und Pferden besonders intensiv und der lange Atem bei der Ausbildung wird dann besonders belohnt. Allerdings, so sagt der Amateur Kemmerer, spielt dieser Umstand eine gute Rolle in seiner Reiterei: „Ich übe das Reiten ja nicht hauptberuflich aus, ich muss mir die Zeit aus beruflichen Gründen schon recht organisieren. Wo andere zwei, drei Trainingseinheiten am Tag absolvieren können, muss ich mir so manches erst zurechtlegen. Aber es klappt ganz gut, auch wenn ich meine eigene, nicht geringe Portion Ungeduld einfangen muss.“

Und gefeiert wurde in der Reiterfamilie Kemmerer bei der Verleihung des Goldenen Reitab-zeichens auch mit Freunden beim Heimatturnier in Waghäusel-Wiesental Mitte April. Schließlich gibt es das „Goldene“ nur einmal im Leben eines Pferdesportlers. Herzlichen Glückwunsch! Martin Stellberger