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Mara Xander über ihren EM-Titel: „Es war wie im Film“ PD 01/2017
Mara Xander über ihren EM-Titel: „Es war wie im Film“ –
von Julia Jochim

Nordheim.
Einmal bei einem Championat anzutreten ist der Traum vieler Voltigierer. Eine Medaille zu holen ist noch einen Schritt weitergedacht. Bei der ersten Championatsteilnahme aber gleich Gold zu holen, davon träumen wohl die wenigsten. Auch die fünfzehnjährige Mara Xander nicht, die bei der Junioren-Europameisterschaft 2016 in Le Mans völlig überraschend ganz oben auf dem Treppchen stand.

Im Jahr zuvor war die Einzelvoltigiererin aus Nordheim bei der Deutschen Jugendmeisterschaft noch nicht einmal in der Nähe einer Medaille gelandet – auf dem Schirm hatte sie Anfang der Saison 2016 wohl niemand. Wie aus dem Nichts zog sie an ihrer Konkurrenz vorbei, holte sich zuerst den Deutschen Meister-Titel und gewann dann im August in Le Mans mit einem Paukenschlag EM-Gold. „Da die Deutsche Meisterschaft schon etwas zurückliegt, habe ich diesen Titel schon einigermaßen verarbeitet, aber den Europameistertitel kann ich noch gar nicht realisieren“, sagt Mara zu den Ereignissen der Saison.

An ihrem großen Erfolg hat Pferd Luigi einen großen Anteil: „In der letzten und auch noch zu Beginn der aktuellen Saison bin ich auf einem neuen und noch unerfahrenen Pferd gestartet, mit dem ich auf den Turnieren nicht viel Glück hatte. Nachdem ich 2014 baden-württembergische Landesmeisterin und süddeutsche Vizemeisterin war, war mein größter Erfolg 2015 der zweite Platz bei den Landesmeisterschaften.“ Nach einem nicht besonders guten Saisonauftakt beim Sichtungsturnier 2016 in Leonberg fiel die Entscheidung, das Pferd zu wechseln: Mara bekam die Möglichkeit, auf Verlasspferd Luigi umzusteigen. „Das war für mich der Glücksgriff schlechthin. Ich brauchte mir keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob das Pferd läuft oder nicht, Luigi kann ich blind vertrauen. Ich konnte mich einfach auf meine Kür konzentrieren. Von da an ging alles Schlag auf Schlag, der Preis der Besten, die Nominierung zur EM, der Sieg bei den Landesmeisterschaften und den Deutschen Juniorenmeisterschaften und dann die Europa-meisterschaft in Le Mans.“

Damit gerechnet, dass die Saison so verlaufen könnte, hatte Mara auf gar keinen Fall – nicht einmal an eine Championatsnominierung hatte sie gedacht. „Ich wollte einfach wieder eine bessere Saisonleistung als im letzten Jahr abliefern, mein Bestes geben, und rechnete mir mit Luigi auch Chancen aus, im vorderen Drittel zu landen.“

Fröhliche Charlie-Chaplin-Kür
Mit ihrer von Michael Gnad choreographierten Charlie-Chaplin-Kür zu Original-Filmmusiken, kreativ, fröhlich und mit viel Interpretationskraft und Ausdruck überzeugte Mara im Lauf der Saison ein Richterteam nach dem anderen. Die Nominierung für die EM kam bereits nach dem Preis der Besten, „telefonisch auf dem Heimweg. Vor der Deutschen Meisterschaft kam dann noch der Sieg bei der Landesmeisterschaft in Böblingen. Die DJM in Redefin war für mich schon unglaublich, alles hat super geklappt und ich hatte viel Unterstützung durch den ganzen Landesverband und die Voltis aus Baden-Württemberg.“
Dann kurz darauf kam das erste Championat für Deutschland – eine rundum aufregende Erfahrung: „Schon die Anfahrt im Teambus mit allen anderen Teilnehmern zusammen war ein Erlebnis. Die ganze Atmosphäre und die Anlage in Le Mans waren beeindruckend.“ Im Wett-kampf setzte sich Mara von Anfang an an die Spitze des Feldes, gefolgt von ihren Team-kolleginnen Franziska Peitzmeier und Hannah Steverding. Die Führung gab sie während der folgenden Tage nicht mehr aus der Hand. Souverän turnte sie Runde um Runde – um schließlich ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, flankiert von ihren Teamkolleginnen auf den Rängen zwei und drei. „Nach der ersten Pflicht konnte ich es schon gar nicht realisieren, dass ich in Führung war, und ich habe mir zwar Ziele gesetzt, aber noch keine allzu großen Hoffnungen gemacht. Für die EM hatte ich mir eigentlich nur vorgenommen, vier saubere Umläufe zu machen, so dass ich mit meiner Leistung zufrieden bin. Gold zu gewinnen, war wie im Film – ich kann es immer noch nicht richtig glauben.“

Vom Championat aus ging es für Mara gleich weiter zur DM nach Verden, denn die Fünfzehn-jährige ist auch als Teamvoltigiererin aktiv. „Ich voltigiere jetzt seit knappen zehn Jahren, angefangen habe ich mit fünf Jahren bei Hannelore Leiser in Bad Friedrichshall. Dort voltigierte ich nach zwei Jahren schon im Junior- und S-Team mit.“ Seit 2011 gibt es auch in Maras Heimatort Nordheim eine eigene Voltigierabteilung, für die sie seither startet. Mit dem Einzel begann sie früh: „Bei meiner ersten Deutschen Meisterschaft in München war ich gerade 12 Jahre alt geworden und mit 13 wurde ich erstmals Landesmeisterin. Beim Preis der Besten durfte ich die letzten drei Jahren teilnehmen.“ Mit ihrer Longenführerin Andrea Blatz bildet sie mit einer kleinen Unterbrechung seit fünf Jahren ein Team. „Meine ersten Erfolge 2014 habe ich mit ihrem Pferd Regent gefeiert. Luigi, auf dem ich diese Saison unterwegs war, ist eigentlich unser Gruppenpferd. Auf ihn kann ich mich immer verlassen, weil er immer und überall zuverlässig läuft und ich mich voll und ganz auf mich konzentrieren kann.“ Trainiert wird viermal die Woche auf dem Pferd und Turnpferd, zweimal Gruppe und zweimal Einzel. Hinzu kommen zwei Einheiten Leistungsturnen und mehrere Kraft- und Ausdauereinheiten pro Woche. Zusatz-trainingseinheiten mit Choreograph Michael Gnad werden nach Bedarf eingeschoben. Überdies reitet Mara zwei bis dreimal pro Woche.

Erfolgreich auch im Team
Nicht nur im Einzel, auch mit ihrer Gruppe ist Mara höchst erfolgreich. „Das S-Team Nordheim wurde dieses Jahr zum dritten Mal in Folge Landesmeister und wir starten seit fünf Jahren auf der Deutschen Meisterschaft mit. Ich kann gar nicht sagen, was mir mehr Spaß macht, Gruppe oder Einzel, weil ich finde, dass es einfach ein anderes Gefühl ist, ob man alleine oder im Team startet. Es macht Spaß und motiviert, wenn man mit anderen Teammitgliedern zusammen in den Zirkel einläuft und das Programm zusammen durchzieht, aber es ist auch ein unglaubliches und unbeschreibliches Gefühl, wenn man alleine einläuft und alle Aufmerksamkeit des Publikums hat.“

Mit 15 Jahren hat Mara bereits die Junioren-Weltspitze erreicht – „einfach ein unglaubliches Gefühl“. Wie geht es weiter? „Das nächste Ziel ist eine schöne Saison 2017, die genau so viel Spaß macht wie die letzten. Außerdem habe ich ein neues Einzelpferd, welches gerade in der Ausbildung ist, und ich hoffe, dass das alles klappt und wir vielleicht schon in der nächsten Saison auf ein paar kleinen Turnieren zusammen starten können.“
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin und Aktueller
Voltigierzirkel Ausgabe 4/2016)


Link: www.voltigierzirkel.de