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ADAC-Thema: Pferde im Straßenverkehr PD 12/2016
ADAC-Thema: Pferde im Straßenverkehr

München.
Der ADAC greift in einem Beitrag vom 23. 11. 2016 ein wichtiges Thema auf, das in jüngster Vergangenheit auch von den Verbänden aufgegriffen wurde. Der PRESSEDIENST berichtete ebenfalls darüber und unterstützt das Anliegen, dass Pferde und Reiter bzw. Kutsch-fahrer besser wahrgenommen werden. Der ADAC erfindet dabei das „Rad nicht neu“. Vielmehr weist er die Autofahrer daraufhin, dass sie ihrerseits mehr Rücksicht nehmen müssen, denn Pferde sind im Straßenverkehr in der Regel auf der Fahrbahn rechts zu reiten und dürfen weder Geh- noch Radwege benutzen. Das mag zwar „unsinnig“ wirken, geht aber darauf zurück, dass das Straßenverkehrsrecht auch ziemlich alte Regelungen enthält aus einer Zeit, als Pferde und Kutschen das Straßenbild beherrschten. Heute sind Pferde und Kutschen selten im Straßenverkehr zu sehen, weil das Auto dominiert. Deshalb sind motorisierte Zeitgenossen kaum oder nicht damit vertraut, Pferden auf der Fahrbahn zu begegnen. Deshalb erklärt der ADAC:

Reiter müssen sich am rechten Fahrbahnrand bewegen.
„Oft wissen Autofahrer nicht, wie sie sich bei Reitern auf der Straße verhalten sollen. Diese sollten aber auch selbst einige Regeln beachten. Gegenseitige Rücksichtnahme ist das A und O im Straßenverkehr. Noch wichtiger wird dieser Grundsatz, wenn das Verkehrsmittel selbst ein Lebewesen ist. Viele Autofahrer wissen nicht um die Eigenschaften von Pferden. Als Fluchttiere reagieren sie auf unbekannte laute Geräusche und schnelle Bewegungen oft schreckhaft. Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass Reiter ihre Tiere an die Straßensituation gewöhnen. Auch Autofahrer sollten ihr Verhalten anpassen, wenn sie Pferden begegnen.“ Dazu rät der ADAC u.a.:

„Wer ein Pferd überholt, muss einen ausreichenden Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern halten und sollte nicht direkt vor dem Pferd wieder einscheren. Außerdem sollten rasante Beschleunigungs- oder Bremsmanöver mit quietschenden Reifen oder aufheulendem Motor vermieden werden. Darüber hinaus ist es wichtig, die Geschwindigkeit anzupassen und besonders vorausschauend zu fahren.“ Dass Reiter und Kutschen „Fahrzeugen gleichgestellt“ sind, mag so manchem Motor-Fan nicht bewusst sein. Dazu sagte der ADAC:

Pferde gelten als Fahrzeuge
„Reiter unterliegen nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) den Regelungen für den Fahrverkehr. Deshalb müssen sie den rechten Fahrbahnrand auf der rechten Straßenseite benutzen – bzw. den durch eine weiße Linie (Zeichen 295) abgegrenzten Straßenraum, wenn dieser ausreichend groß ist. Paragraf 28 gibt an, dass Tiere, die den Verkehr gefährden können, nicht auf die Straße dürfen. Sie sind dort nur zugelassen, wenn sie von geeigneten Personen begleitet werden, die ausreichend auf sie einwirken können. Was das konkret heißt, wird gesetzlich nicht definiert.“ Auch die Reiterverbände wie die FN oder der VFD bilden ihre Mitglieder auf dieser Basis aus. Was es heißt, „ausreichend einwirken zu können“, bleibt aber offen und dürfte sich dann im Einzelfall konkretisieren, wenn Unfallbeteiligte vor dem Richter stehen. Der ADAC zitiert an dieser Stelle die VFD:

„Die Vereinigung der Freizeitreiter e.V. (VFD) sagt dazu, dass der Reiter körperlich und geistig in der Lage sein muss, das Pferd zu beherrschen. Er muss also ausreichend Erfahrung, Geschicklichkeit und Kraft besitzen, um das Pferd beherrschen zu können. Eine allgemeine Prüfung, vergleichbar mit der Führerscheinprüfung, gibt es im Reitsport nicht. Als Nachweis, ob jemand geeignet ist, könnten aber die Reit- und Fahrabzeichen der VFD und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) dienen.“ Das heißt einfach: Die Vereine sind hier aufgefordert, ihre Mitglieder zu schulen. Es gibt genügend Fachkräfte in den Verbänden bis auf die unterste Organisationsebene, den Reiterkreisen oder Pferdesportkreisen, die eingesetzt werden können, um in Theorie und Praxis das Verhalten im Straßenverkehr zu trainieren.

Sichtbarkeit bringt Sicherheit
Der ADAC weist in seinem Beitrag darauf hin, dass auch Reiter und Kutscher ihren Beitrag zur besseren Wahrnehmung leisten müssen: „Reiter können dazu beitragen, die Sicherheit für sich selbst, das Tier und andere Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Laut StVO müssen sie bei Dunkelheit und Dämmerung ausreichend beleuchtet sein. Dazu müssen sie sich vorne mit einem gut sichtbaren weißen Licht und hinten mit einem roten Licht ausrüsten. Darüber hinaus empfiehlt die FN Reitern, immer dafür zu sorgen, schon von Weitem gut sichtbar zu sein, zum Beispiel mit reflektierenden Westen und Leuchtbändern für Reiter beziehungsweise Decken und Leucht-gamaschen für Pferde. Generell sollten Reiter sich und ihr Pferd mit der nötigen Ausrüstung ausstatten, damit sie es bestmöglich unter Kontrolle halten können.“