Startseite
Kontakt
Gotthilf Riexinger nimmt seinen Abschied von Stuttgart PD 12/2016
Gotthilf Riexinger nimmt seinen Abschied von Stuttgart

Stuttgart/Reutlingen. 1984 – 2016 – das sind 32 Jahre Stuttgarter Turnier in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, das schon vor Jahren in den internationalen Namen Stuttgart German Masters aufging. Turnierleiter von der ersten Stunde an war Gotthilf Riexinger aus Reutlingen, seines Zeichens Kaufmann, spezialisiert auf italienische Möbel. Zugleich war er ein Pferdemann und Pferdefachmann, der mit den Jahrzehnten in einer Liga agierte, die höchstes Niveau forderte an Sachverstand und Arbeitswillen. Riexinger war damals, als er anfing in Stuttgart, noch selbst aktiver Reiter sowie Landesjugendwart im Pferdesportverband Baden-Württemberg und wurde dann Vorsitzender der Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen. Rasch hatte er sich den nötigen Respekt verschafft und genoss diesen bei Reitern und Turnierveranstaltern, der heute noch spürbar ist, wenn man die Reitersleute über ihn reden hört. Konsequent bis zu „knallharter Stellungnahme“ vertrat er das, was er für richtig und für den Pferdesport förderlich hielt. Dabei kann er auch jemandem auf die Füße treten, wenn er das für nötig hält – wer das ist, ist ihm der richtigen Sache wegen egal. Er gehört zudem zu jenen Menschen, die Aufmerksam erzeugen, sobald sie einen Raum betreten, noch ehe sie ein Wort gesagt haben.

Die Handschrift der Persönlichkeit Riexinger war viele Jahre im Lande spürbar und immer auch bei den Turnieren, die er leitete und noch leitet. Donaueschingen gehörte 20 Jahre lang ebenso dazu wie seine „Kernmarke“ Stuttgart. In den letzten Jahren hat er sich in Offenburg engagiert und wird auch dort noch weiterhin aktiv bleiben. Das Stuttgart German Masters wird mit seinem Namen auch dann noch verbunden bleiben, wenn sich die neue Turnierleitung etabliert hat. Sein Durchhaltevermögen, seine Kenntnisse und seine Härte auch gegen sich selbst wird niemand kopieren können. Auch international hat sein Name einen anerkannten Klang, denn Gotthilf Riexinger stieg hier über verschiedene Aufgaben auf bis zum Chefrichter bei den Olympischen Spielen in Hongkong.

Die Reiter beim Stuttgart German Masters wissen, was sie an „ihrem“ Turnierchef haben und hatten, auch wenn er seine Ecken und Kanten nie verborgen hat. Sie schätzen ihn und sein Engagement, ja sein Lebenswerk „Stuttgart“. Zum Abschied überreichte ihm Isabell Werth einen Rückblick auf 32 Jahre Stuttgart German Masters, auf Bitten der Reiter zusammengestellt in einer Kraftakt-Aktion vom Team des Reiterjournals. Auch so lässt sich Wertschätzung ausdrücken.

Es ist schwer vorstellbar, dass sich Gotthilf Riexinger in einen Rentnerschaukelstuhl zurückzieht. Dazu ist ihm der Pferdesport viel zu wichtig. Vielleicht wird er seine Kräfte etwas besser einteilen, aber er wird präsent bleiben und vor allem wirkungsvoll sein. Das gefällt ihm ja auch, wenn er etwas bewegen kann.
stb

Abschied von Gotthilf Riexinger und Hauke Schmidt

Stuttgart.
Das 32. STUTTGART GERMAN MASTERS mit dem Longines FEI World CupTM Jumping Großer Preis von Stuttgart – präsentiert von MERCEDES-BENZ, WALTER solar und der BW-Bank – ist Geschichte. Für Andreas Kroll, Geschäftsführer der in.Stuttgart Veranstal-tungsgesellschaft, war und ist es ein emotionales Ende durch den Abschied der langjährigen Turniermacher Gotthilf Riexinger aus Reutlingen und Hauke Schmidt aus Metzingen. „Die Turniertage haben wieder alles gezeigt, was unser Reitturnier zu bieten hat – hochkarätigen Sport, herausragende Dressuren, spannende Springprüfungen, ein packendes Indoor-Derby, die rasanten Fahrten der Fahrer.“

Die Stimmung und die Atmosphäre an den fünf Tagen in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle waren einmal mehr herausragend, das Publikum fachkundig und mit viel Gespür für die Reiterinnen und Reiter, die bei jeder Siegerehrung den Platzierten die Ehre erwiesen. Insgesamt besuchten 55.100 Reitsportfans die 32. STUTTGART GERMAN MASTERS. Damit bestätigte sich einmal mehr die Auslastung auf gleichbleibendem Niveau von mehr als 70 Prozent. Ganz wichtig sei dabei, so der Geschäftsführer, „dass wir verlässliche Partner und Sponsoren an unserer Seite haben, mit denen wir das Turnier weiter entwickeln können. Mein Dank gilt dem ganzen Team vor und hinter den Kulissen, allen Reiterinnen und Reitern und unseren Reitsportfans.“

Ära Riexinger – Schmidt ist zu Ende
Mit dem heutigen Turnier endete die Ära von Turnierleiter Gotthilf Riexinger und des Technischen Leiters Hauke Schmidt. Beide Persönlichkeiten waren von der ersten Stunde im Jahre 1985 dabei. Kein Geringerer als Paul Schöckemöhle aus Mühlen sagte damals über das erste Turnier: „Stuttgart war auf Anhieb das beste Hallenturnier in Deutschland“. In den drei Jahrzehnten nahmen die STUTTGART GERMAN MASTERS eine rasante Entwicklung mit vielen Höhepunkten. Bis heute zählt es zu den weltbesten Hallenturnieren. Die Mischung aus Show und hochklassigem Sport mit drei FEI Weltcup-Prüfungen machen das 5-Sterne-Turnier einzigartig. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die große Arena in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. „Wir wissen, was wir den beiden zu verdanken haben, und sie übergeben ihren Nachfolgern ein tolles Turnier“, sagt in.Stuttgart-Geschäftsführer Andreas Kroll.

Gegenüber dem Fachmagazin St. Georg sagte Riexinger: „Stuttgart ist eine tolle Veranstaltung für den Reitsport, die von Anfang an für Furore gesorgt hat. Was uns besonders auszeichnet, ist der Spitzensport, das Rahmenprogramm und Sponsoren, die uns teilweise seit über drei Jahrzehnten unterstützen.“ Er sei ein bisschen müde, sagt der 68-Jährige aus Reutlingen. „Wenn ich ehrlich bin, wäre es schon nach 30 Jahren genug gewesen.“

Reitturniere.de schrieb über den Abschied des Stuttgarter „Gespanns“: Im Vorfeld des 32. German Masters in der Stuttgarter Schleyerhalle kommt bereits einige Abschiedsstimmung auf. Nach mehr als dreißig erfolgreichen Jahren neigt sich die Ära von Turnierchef Gotthilf Riexinger und Hauke Schmidt, dem früheren Parcourschef und heutigen Technischen Direktor, ihrem Ende entgegen. Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Stuttgarter Turnier antwortete Gotthilf Riexinger auf die Frage, ob für ihn und Hauke Schmidt so etwas wie ein offizieller Abschied geplant sei, mit folgenden Worten: „Wir beide legen keinen Wert auf eine offizielle Verabschie-dung. Ich bin überhaupt kein Freund von so etwas. Ein warmer Händedruck genügt, schließlich sind wir externe Mitarbeiter des Veranstalters In.Stuttgart, haben für unsere Arbeit über die Jahre Geld bekommen.“ Hauke Schmidt unterstrich Riexingers Worte mit deutlichem Kopfnicken.

Der Reutlinger Generalanzeiger schrieb zum Abschied Riexingers und Schmidts: „Was bleibt Riexinger in Erinnerung von dem Turnier, das 1985 sein Debüt feierte? Zunächst einmal die furiose Premiere, in der Reiner Klimke mit Ahlerich und die Dänin Anne-Grethe Jensen mit Marzog die hohe Schule der Dressur als »Pas de deux« zelebrierten. Die beiden herausragenden Dressurpferde der damaligen Zeit im Gleichklang – das sorgte für Begeisterungsstürme auf den Rängen. Von Anfang an war dies der hohe Anspruch der Organisatoren: In einer damals schwächelnden deutschen Turnier-Landschaft strebte man die Austragung „eines ganz anderen Turniers“ an, als sie etwa in Berlin oder Dortmund abliefen. Man wollte eine Mischung aus Top-Sport und Show bieten, unkonventionelle Wege gehen. Das ist bis heute das Markenzeichen geblieben. „Wie Phoenix aus der Asche“ kommentierte Springreiter Dirk Hafemeister das Debüt, das aus dem Stand 27000 Zuschauer anlockte. Inzwischen sind es um die 60000, die Jahr für Jahr in die Schleyer-Halle kommen, um die Weltelite im Sattel zu erleben… In 32 Jahren wurde vieles erreicht, das Event ist mehrfach als weltbestes Hallenturnier ausgezeichnet worden. Jahr für Jahr standen und stehen Olympiasieger, Weltmeister und Europameister in den Startlisten und Weltcup-Prüfungen im Programm. Riexingers exzellente Kontakte in die Dressur-Szene waren ein dickes Faustpfand, um die Stars nach Stuttgart zu locken, obgleich bei anderen Turnieren die Preisgelder teilweise deutlich höher sind.“ Und weiter schreibt der GEA über Riexingers Pläne: „Weil Championats-Richter (sogenannte Fünf-Sterne-Richter) bis 72 Jahre im Einsatz sein dürfen, wird Riexinger noch drei Jahre weltweit am Viereck die Reinheit der Ausführung der Lektionen beurteilen. Turniere im englischen Hickstead, Australien und München hat er sich für das kommende Jahr bereits im Kalender eingetragen, andere wie Kasachstan oder Minsk reizen ihn nicht mehr.“

In der Turnierzeitung des Stuttgarter Fachmagazins Reiterjournal sagte Gotthilf Riexinger auf die Frage, ob er mit einem guten Gefühl gehe: „ Ja, mit einem absolut guten Gefühl. Es war ja mein Ziel, zum Abschluss eines der besten Turniere hinzulegen. Und es sieht so aus, als sei es gelungen.“ Auf die Frage nach den drei größten Momenten der 32 Jahre Turniere antwortete Riexinger: „Das Pas de Deux von Ahlerich mit Dr. Reiner Klimke und Marzog mit Annegret Jensen ganz am Anfang, die Verabschiedung von Isabell Werths Gigolo und dann die Jahre, in denen wir uns an der Ausnahmeerscheinung Milton und John Whitaker erfreuen durften. Es war jedesmal ein Erlebnis, diesen beiden zuschauen zu dürfen.“

Ein Trio übernimmt
Ab dem kommenden Jahr übernehmen Kai Huttrop-Hage, Dettighofen, Andreas Krieg aus Villingen-Schwenningen und Carsten Rotermund aus Wuppertal die sportliche Führung des Stuttgarter Reitturniers. „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir mit diesem Trio die Erfolgsgeschichte der STUTTGART GERMAN MASTERS gemeinsam fortsetzen können“, ist Kroll überzeugt. Mit Andreas Krieg kehrt im kommenden Jahr ein Springreiter in neuer Funktion in die Schleyer-Halle zurück. Zuletzt war er 2011 noch in Stuttgart geritten, doch das ist Vergangenheit. Heute sorgen seine Kinder Niklas und Leonie für die sportlichen Erfolge. Er selbst konzentriert sich mit seiner Frau Kirsten auf den Turnier- und Ausbildungsstall, den er seit 1987 am Rande des Schwarzwalds betreibt. Ein bekanntes Gesicht ist auch Kai Huttrop-Hage beim STUTTGART GERMAN MASTERS. Ihn kennt man bislang allerdings vor allem durch seine Stimme, denn der 44-Jährige ist seit Jahren als Sprecher beim Turnier im Einsatz. Hauptberuflich leitet er als Geschäftsführer das Hofgut Albführen in Dettighofen und das Gut Ringelsbruch in Paderborn. Dritter im Bunde der neuen sportlichen Turnierleitung ist Carsten Rotermund, der bereits seit einigen Jahren in der Turnierorganisation aktiv ist und weitere Verantwortung übernehmen wird. Das 33. STUTTGART GERMAN MASTERS steht schon fest im Visier der neuen Turnierchefs und findet vom 15. bis 19. November 2017 statt.