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Florian Dolinschek – Viele Siege führen zum Goldenen Reitabzeichen PD 10/2016
Florian Dolinschek – Viele Siege führen zum Goldenen Reitabzeichen

Neufra.
22 Jahre – und demnächst glänzt Gold am Revers von Florian Dolinschek, dem erfolgreichen Springreiter aus Neufra bei Gammertingen. Es gelingt nur wenigen Reitern, in diesem Alter das Goldene Reitabzeichen verliehen zu bekommen. Die Ehrung ist im Leben eines Pferdesportlers, respektive eines Springreiters, eine Art Ritterschlag im Sattel und rundet in gewisser Weise eine beachtliche Karriere ab. Im Falle von Florian Dolinschek allerdings beginnt die Karriere eigentlich erst richtig. Der junge Mann hat schon so viele Erfolge erritten, dass er die Voraussetzungen für die Ehrung längst erfüllt: Mindestens neun Siege in Klasse S* und ein Sieg in Klasse S**, dazu noch eine ganze Reihe zweiter und dritter Plätze in schweren Springen. Seit 2013 sammelte der Mann von der Schwäbischen Alb Siege in Klasse S* und S**, die für das Goldene herangezogen werden: 2013 gewann Florian Dolinschek, den seine Freunde nur Flori nennen, mit Allegra von AcobatII x Lennon das erste S*-Springen in Moos und mit Empire State von Riccione x Lanciano im oberbayerischen Kirchstockach gleich zwei S*-Springen. 2014 schaffte der Reiter fünf Siege in Donaueschingen, Sauldorf-Boll und gleich drei davon bei den österreichischen Turnieren in Lamprechtshausen und Linz und zwar mit den Pferden Crossfire von Carinue x Cento, Superman SB von San Brasil x For Pleasure und Empire State. Die restlichen zwei Siege in Klasse S folgten 2015 und 2016 beim Turnier in Bietigheim-Bissingen. Drei der zehn Erfolge gelangen Florian Dolinschek in Klasse S**. Mindestens zehn weitere Spitzenplatzierungen erreichte der junge Reiter mit seinen Pferden bei Turnieren in Baden-Württemberg, Bayern und Österreich. „Das Maß aller Dinge“ ist damit voll und Florian Dolinschek freut sich schon riesig auf das Turnier in Bisingen-Hohenzollern (s. Seite 12 dieser Ausgabe), wo er diese Ehrung erhalten wird. Zum Goldenen Reitabzeichen muss gesagt werden: Im Gegensatz zu allen Meistertiteln und Medaillen, die ein Reiter mehrfach erringen kann, gibt es das Goldene Reitabzeichen nur einmal im Leben bzw. in der Karriere eines Pferdesportlers. Das „Goldene“ hat also einen ungemein hohen Stellenwert im Pferdesport, insbesondere für jene Pferdesportler, die kaum um Meistertitel oder gar Medaillen kämpfen können, weil ihnen die Möglichkeiten dafür fehlen.

Apropos Lamprechtshausen in Österreich: Das war 2014 für Florian Dolinschek ein Schlüsselerlebnis: Weil er beim Preis der Besten den Bundestrainer beeindruckte, durfte er beim CHIO in Lamprechtshausen im Nationenpreis der Young Rider starten und kam mit dem deutschen Team auf Platz zwei. „Das war ein ganz besonderes Erlebnis, zum ersten Male für Deutschland reiten zu dürfen“, erzählt Florian Dolinschek dem PRESSEDIENST. 2015 die gleiche Auflage im "roten Sakko mit dem Bundesadler"- diesmal 3.Platz. Österreich ist überhaupt ein gutes Pflaster für den Reiter, denn mit Crossfire gewann er auch ein internationales Springen über 1,40-Meter-Hindernisse. Und beim April-Turnier in Linz gewann er das Championat mit Empire State und den dritten Platz mit Crossfire. Beim Turnier in Donaueschingen-Immenhöfe unterstrich er nach einem durchwachsenen Start bei den Landesmeisterschaften in Schutterwald seine Stärken: Im Vergleich mit den Profis überzeugte er mit Platz sechs im S***-Springen.

Wie weit sich die Karriere von Florian Dolinschek nach oben entwickelt, kann man nicht voraussagen, aber man kann sehen, dass er dafür gute Voraussetzungen und dabei auch mehrere Pferde zur Verfügung hat. Jedenfalls findet er sehr starke Unterstützung durch seine Eltern, in deren Familienbetrieb er als Produktveredler in verantwortungsvoller Position arbeitet. Seine Eltern, Theo und Ivanka Dolinschek, sind selbst große Pferdeliebhaber und Freizeitreiter und kennen die Bedingungen des Turniersports mittlerweile gut. Und wenn es den sportlichen Sohn und die Pferde nach den Turniereinsätzen auch einmal hier und da zwickt, kann seine Mutter als gelernte Heilpraktikerin rasch abhelfen. In einem solch förderlichen Umfeld fällt es naturgemäß leichter, ein Hobby wie das Reiten mit professionellem Anstrich zu verwirklichen, denn Florian Dolinschek sagt: „Außer im Winter, wo ich in den Turnierpausen manchmal zum Skifahren gehe, arbeite ich in meiner Freizeit ausschließlich mit meinen Pferden, trainiere, baue sie auf und fahre zu Turnieren. Vor allem gehört dazu natürlich eine gute Portion Ehrgeiz und um diesen mit Erfolgen beim Turnier umzusetzen. „Aber bei allem Ehrgeiz darf auch der Spaß bei der Arbeit und im Leben nicht zu kurz kommen. Verbissenheit führt nicht zum Ziel“, sagt der junge Mann, dessen Motto so lautet: „Ein Reiter ist man nur mit einem Pferd. Ohne Pferd ist man nur Fußgänger!“

Florian Dolinschek kommt in der Turnierszene herum und nimmt auch weite Wege in Kauf, zum Beispiel 2015 nach Arezzo in Italien, wo er zum Turnierstart der Saison zwei Wochen verweilte. Im gleichen Jahr war er beim Preis der Besten zugelassen und errang mit Empire State einen sechsten und achten Platz. In München wagte er sich 2015 mit Crossfire an ein S***-Springen und landete auf dem respektablen achten Platz. Dazu kamen auch verschiedene Einsätze im U25-Cup für Junge Reiter. Die laufende Saison 2016 begann er erneut mit einem zweiwöchigen Turnier-aufenthalt in San Giovanni in Italien. Mit der erst 8jährigen Sunny von Sir Shutterfly x Cheenook errang er erste Erfolge in der Youngster Tour, z.B. einen zweiten Platz in einem S*-Springen in Schutterwald. Mit Empire State gab es mehrere vordere Platzierungen bei sogenannten Barriere S-Springen: „Es ist schon ein besonderer Nervenkitzel, gegen 1,90 m anzureiten und zu überspringen!“ Weiter erzählt der Reiter: „Mit Toobie de Quersize von Easyboy x Flirt I machte ich in Bietigheim-Bissingen in diesem Jahr mit einem fünften Platz im S**-Springen das Goldene Reitabzeichen komplett!“. Allerdings hatte auch er schon „Niederlagen“ zu verkraften. Eine ging ihm dabei besonders nahe, denn „im Juni dieses Jahres habe ich mein Pferd Crossfire verloren. Das ist ein herber Verlust, denn davor hat er vier Jahre lang für mich gekämpft.“

Wenn er zurückdenkt an die Anfänge seiner Reiterei, dann denkt er an das Jahr 2007. „Obwohl ich seit meinem zehnten Lebensjahr reite, ist das Jahr 2007 eine Art Startjahr gewesen: Damals war ich 14 Jahre alt und absolvierte meine ersten Starts bei Turnieren in Klasse E bis A mit Nero von Lancetto x Napoleon. Meine Eltern haben mich dabei immer stets unterstützt“, schmunzelt Florian Dolinschek, der für den Reitverein Winterlingen startet. Auch in der Firma FTD Sportpferde hat der junge Reiter einen guten Partner. Vier Jahre nach seinem ersten Turnier, so erzählt Dolinschek, war er bereits in der Schleyer-Halle in Stuttgart am Start, wo er das Finale des Nürnberger Burgpokals mit Allegra gewinnen konnte. Seit dieser Zeit trainiert Florian Dolinschek bei Andy Witzemann aus Winterlingen, der ihm stets mit Rat und Tat zur Seite steht und wo auch seine Turnierpferde untergebracht sind. Auch die Mutter des Reiters denkt an die Jahre ihres Sohnes im Sattel auf ihre Weise: „Es ist schon ergreifend, wenn man als Mutter eine solche Karriere begleitet. Wieviel steckt da an Arbeit im Hintergrund, wieviel Zeit mit Training, wie viele Kilometer, wie viele Waschmaschinen voll weißer Klamotten, Schabraken usw.? Wie viele Hoffnungen, Träume, Enttäuschungen und Glücksgefühle, und auch wieviel finanzielle Unter-stützung steckt dahinter, die ohne jegliche Sporthilfe geleistet wird!“ Gefreut hat sie sich zugleich über die guten Platzierungen ihres Sohnes beim CHI Donaueschingen, wo Florian Dolinschek mit Toobie de Quercize in einem internationalen Springen über 1,35m den vierten Platz und am Sonntagmorgen bei strömendem Regen in einem weiteren S-Springen den dritten Platz erreichte. Allerdings hatte er ausgerechnet in der Qualifikation zum EY-Cup Pech und musste aufgeben. Erfolg und Niederlage liegen eben auch im Reitsport dicht beieinander.

Die Reihe der Erfolge über die Jahre gesehen ist schon beachtlich lang, aber Florian Dolinschek will sich damit nicht zufrieden geben. Gefragt nach seinen Zielen, gibt er eine Dreiteilung vor: „Ich möchte kurzfristig die Qualifikation für das EY-Cup-Finale, eine spezielle europaweite Tour für U25-Reiter, in Salzburg im Dezember erreichen. Mittelfristig ist mein Ziel, eine eigene Reitanlage aufzubauen und langfristig gibt es auch etwas, das mich sehr reizt: Ich möchte mich gerne in der internationalen Reiterszene etablieren und auch mal bei einem ganz großen Turnier starten dürfen.“ Den ersten Schritt dazu hat Florian Dolinschek bereits getan, wenn er das Goldene Reitabzeichen bekommt. Das wird er dann auch gebührend feiern in Bisingen-Hohenzollern, bei einem der wichtigsten Turniere im Land und vor allem mit seinen Eltern, Freunden und auch mit seinen Reiterkameraden.
Martin Stellberger