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Fachvortrag Pferdeschänder – Teilnehmer fordern mehr Schutz für Tiere PD 10/2016
Fachvortrag Pferdeschänder – Teilnehmer fordern mehr Schutz für Tiere

Düsseldorf.
Zwei Referenten, zahlreiche aktive Tierschützer, Verbandsvertreter und eine Reihe von Betroffenen fanden sich am 3. September 2016 in Düsseldorf ein, um die Fachvorträge zu hören und sich an der Diskussion zum Thema Tierquälerei zu beteiligen. Eigentlich sollte die Veranstaltung erst um 14 Uhr beginnen. Viele Interessierte trafen aber deutlich früher in der Landesgeschäftsstelle der Grünen in Düsseldorf ein. So fanden die ersten regen Gespräche schon vor Beginn der Veranstaltung statt.

Von der Idee zur Umsetzung
Das Aktionsbündnis Pro Pferd e.V. hatte die Veranstaltung angeregt und zusammen mit der Landesarbeitsgemeinschaft „Mensch und Tier“ der Grünen NRW auf den Weg gebracht. Als Hauptreferentin stand Professorin (PA) Dr. Alexandra Stupperich von der Polizeiakademie Niedersachsen schon früh fest. Auf Anfrage hatten die zuständigen Behörden die Einladung innerhalb weniger Stunden bestätigt. Zweite Referentin war Carola Schiller, von Beruf Journalistin und ehrenamtliche Pressesprecherin des Aktionsbündnisses Pro Pferd e.V. Das APP befasst sich seit 2013 in Kooperation mit der Polizei intensiv mit der Analyse von Angriffen auf Pferde und geeigneten Präventionsmaßnahmen.

Einstieg in ein anspruchsvolles Thema
Dass der Tierschutz den Grünen eine Herzensangelegenheit ist, machten die drei Sprecher der LAG „Mensch und Tier“ gleich in den ersten Minuten deutlich. Dr. Renate Knauf, Britta Hollinderbäumer und Jörg Grünauer begrüßten die Tierfreunde und zahlreiche Verbandsvertreter und erklärten noch vor den Beiträgen, wie wichtig das Thema Tierschutz und die fachliche Einschätzung aus der praktischen Tierschutzarbeit und der Wissenschaft seien.

Professorin Dr. Stupperich warnt: Jeder Tierquäler ist gefährlich!
Professorin (PA) Dr. Alexandra Stupperich gelang der schwierige Drahtseilakt zwischen fachlicher Berichterstattung über eines der anspruchsvollsten Themen im Tierschutz, dem schweren Missbrauch von Tieren und der Schonung der Anwesenden mit quälenden Einzelheiten. Das einzige bereitgestellte Bild eines Tieropfers kündigte sie vorher an. Dennoch machte sie deutlich, dass sich Tierschützer, Verbandsvertreter und Politiker dem Problem stellen müssen, denn die Forschungsarbeit lässt keinen Zweifel daran, dass jeder Tierquäler gefährlich werden kann. Die international anerkannte Wissenschaftlerin bezog umfangreiche amerikanische Studien in ihre Erklärungen ein, verwies auf eigene Resultate aus der Forschung und erschütterte die Teilnehmer schließlich mit dem Ergebnis eines von ihr geführten Interviews mit dem Frauenmörder und Tierquäler Frank G. Die Erkenntnis für die Anwesenden war, dass man Hand in Hand arbeiten müsse, um Tiere und Menschen vor denen zu schützen, die zu Gewalttätern geworden sind oder es werden können.

Rote Flagge für häusliche Gewalt
Die Wissenschaftlerin wies daraufhin, dass die Forschung zur Tierquälerei auch eine Art „Rote Flagge“ für häusliche Gewalt sein kann. Tiere sind Mitglieder der Familie. Herrscht in einer Familie Gewalt vor und werden Tiere zu Opfern, besteht die Gefahr, dass auch die Menschen Opfer von Gewalt sind. Professorin Stupperich machte zudem deutlich, dass über 50 Prozent der gequälten Tiere im sozialen Umfeld des Täters leben. Sie informierte die aufmerksamen Zuhörer darüber, unter welch gefährliche Einflüsse gerade Kinder und Jugendliche in solchen Haushalten geraten und dass hier enormer Handlungsbedarf besteht.

Außerdem wies die Psychologin und Biologin, die auch die SoKo Pferd in den 90er Jahren beraten hat und Autorin zahlreicher Fachpublikationen ist, darauf hin, dass der Schutz der Tiere im Ergebnis auch der Schutz des Menschen bedeutet. In diesem Zusammenhang forderte sie eine Zusammenarbeit zwischen den Tierschutzvereinen- und Verbänden und den Jugendämtern. Sie lobte die nicht-öffentliche Pferdeschänderdatei des Aktionsbündnisses Pro Pferd, die am 3. September zum ersten Mal vorgestellt wurde und riet, diesen Weg weiter zu verfolgen, ggf. über eine wissenschaftliche Arbeit.

Das sind die Ergebnisse
Die Grünen erklärten noch in der Sitzung, dass sich etwas ändern müsse. Dabei gehe es nicht um neue Gesetze, wie auch Stupperich betonte, sondern darum, das geltende Recht anzuwenden. Noch in der Sitzung wurden die Forderungen und auch die möglichen Wege formuliert. Ziel ist, zunächst einen Arbeitskreis zu gründen, damit die beteiligten Verbände die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen von den Mitgliedern einzuholen und in die weitere Arbeit einfließen zu lassen. Außerdem sollen die Verbände und Vereine vernetzt werden, wie auch der Austausch mit den Jugendämtern in die Wege geleitet werden muss. Die letzten Entscheidungen fielen gegen 18 Uhr. Das Aktionsbündnis wird einige Statements demnächst im eigenen youtubechannel veröffent-lichen.

Interessierte sind herzlich willkommen
Die Arbeit pro Tier und Mensch ist nicht an eine politische Orientierung oder die Mitgliedschaft in einem Verein/Verband gebunden. Die anwesenden Verbandsvertreter machten deutlich, dass diese Arbeit eine notwendige, aber auch eine zusätzliche Herausforderung ist. Auch aus diesem Grund ist jeder Helfer herzlich willkommen. Meldungen bitte an presse@propferd.org. Die nächsten Termine werden auch auf www.propferd.org, der Webseite des Aktionsbündnisses Pro Pferd bekannt gegeben.

Wir danken den Pferdefreunden, die teilweise sehr weite Strecken auf sich genommen haben, um der Veranstaltung beiwohnen zu können. Außerdem gilt unser Dank der Landesarbeits-gemeinschaft Mensch und Tier, Giftköder-Radar, ComCavallo, dem Tierschutzverein Silencio, der VFD und dem Pferdesportverband Rheinland für die Anwesenheit, die konstruktiven Beiträge und die weitere Unterstützung zum Schutz der Tiere.

Nachfrage nach konkreten Maßnahmen
Auf Nachfrage des PRESSEDIENSTES bei Aktionsbündnis Pro Pferd e.V. teilte Carola Schiller mit, dass folgende Maßnahmen geplant sind: „Konkreter kann ich sagen, dass wir an mehreren Punkten ansetzen werden.“ Dazu gehören:
--Die Vernetzung von Tierschutzvereinen/Verbänden in Kooperation mit den Pferdesport-verbänden/Reiterverbänden etc.
--Verstärkte Aufklärungsarbeit über Tierquäler und Signale (Missbrauch wird oft nur zufällig entdeckt. Was sind die Anzeichen?)
--Prävention - Der Grund, warum es so oft das Pferd trifft, ist: Weil es so einfach ist. Das alte Fahrrad wird mehr gesichert als das eigene Pferd.
--Kontaktaufnahme mit Frauenhäusern und Jugendämtern für den Erfahrungsaustausch, denn die Forschung zeigt, dass Tierquälerei zu über 50 % im sozialen Umfeld stattfindet und sich die Gewalt oft nicht auf das Tier beschränkt (Das Tier als Druckmittel: Verlässt du mich, passiert deinem Pferd/Hund was!)
--Die Zahlen sind analog zu Missbrauchsfällen schlüssig - Der Täter kommt meist aus dem eigenen Umfeld.
--Die USA sind da sehr viel weiter.
--Prof. (PA) Alexandra Stupperich wird uns dabei weiter unterstützen.
--Datenerfassung
Quelle: Aktionsbündnis Pro Pferd e.V.