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Gold und Silber und Bronze in Rio: Danke von Herzen!
Gold und Silber und Bronze in Rio
Danke von Herzen!


Das wird noch lange Gesprächsthema sein! Silber im Team, Gold in der Einzelwertung in Rio de Janeiro für die Vielseitigkeitsreiter bei den Olympischen Spielen 2016. Dazu „Doppel- oder Dreifachgold“ für „Sam“ bei Olympia, je nach Zählweise! Das war nicht einfach, dafür aber höchst spannend. Die Konkurrenten waren namhaft und in ihrer Karriere vielfach hoch erfolgreich. Dass ein wenig Glück das Können unserer Reiter begleitete, gehört zum Sport, ebenso wenn das Turnier einer Achterbahnfahrt der Gefühle gleicht. Auch wenn man als fairer Horseman den Konkurrenten keine Fehler wünscht, so sind sie doch Kriterium für den Erfolg. Bitter musste das Mark Todd erleben, dessen Fehler im Parcours einfach alles auslöschte, was er als 60jähriger Reiter mit seinem Team Neuseeland bis dahin erreicht hatte: nämlich die größte Chance auf Team-Gold. Niemand gönnt oder wünscht einem anderen so etwas, auch wenn er am Ende davon profitiert! So ist es halt im Sport.

Einige Ewignörgler hierzulande werden sich darüber aufhalten, dass es im Gelände Fehler für Ingrid Klimke und Sandra Auffahrt gab und Julia Krajewski sogar ausschied. Das kann jedem passieren, denn der Kurs war wahrlich nicht leicht und technisch sehr anspruchsvoll. Zudem spielt auch die Wahrnehmung der Pferde in der jeweiligen Situation eine große Rolle. Und manchmal passt es auch nicht für noch so geübte Reiter. Da mag der Anreitwinkel nicht optimal getroffen worden sein, das Tempo war einen Tick zu hoch oder der Schwung zu gering, oder der Galopp-sprung war zu lang oder zu kurz oder statt im Linksgalopp landete man im Rechtsgalopp, was dann am nächsten Sprung zum Fehler führte... Alles im Grunde Nonsens, denn die besten Reiter stehen immer draußen, sagt man unter Fachleuten. (Wer bemängelt denn z.B. bei den Schützen Silber mit der Feststellung, sie hätten beim Zielen gewackelt und Gold „verschenkt“? Nur Beckmesser! Denn das kann auch kein Außenstehender beurteilen.)

Vielmehr sollten wir dankbar sein, dass alles so gut lief: keine Unfälle im deutschen Team (leider gab es für andere Paare so manch unschönen Sturz), für eine herausragende Vorbereitung mit durchdachten Turnier- und Trainingsplänen, mit vielen Fachleuten und Helfern, die sich auf den Punkt konzentrierten und ihre Zeit ganz dem Ziel unterwarfen, in Rio ein gutes Ergebnis abzuliefern. Das alles zusammen wurde belohnt und alle unsere Reiter und ihr Umfeld dürfen zufrieden sein.

Michael Jung, „unser Baden-Württemberger Reiter mit einem Baden-Württemberger Pferd“ ist natürlich für uns im Ländle der Größte. Aber wir sind ebenso dankbar den vier anderen Reitern: Ingrid Klimke, deren Reitstil so begeistern kann und ihr vielseitiges Können unterstreicht, Sandra Auffahrt, die sich trotz allem noch weit vorne platzieren konnte, Julia Krajewski, der niemand wünschte, auszuscheiden und die als Reservistin zum Einsatz kam und nicht zuletzt auch Andreas Ostholt, der der Reservistin Platz machen musste (worüber im Verband sicher noch diskutiert werden muss) – sie alle haben den Dank verdient: Diese Olympiade war für unsere Vielseitigkeitsreiter und uns Fans ein Erlebnis. Danke nochmals, von Herzen den Reitern, ihren Trainern, Betreuern und Helfern und ihren Familien! Es hat sich gelohnt! Ihr wart Spitze! Martin Stellberger

P.S.
Michel Jung ist erst der dritte Vielseitigkeitsreiter, dem es gelang, mit demselben Pferd zweimal in Folge Olympisches Gold zu gewinnen: 1928/1931 Charles Pahud de Mortanges/Holland und 1984/1988 Mark Todd/Neuseeland.



Das Gold der Dressurreiter ist grandios!
Stimmungsbild eines Zuschauers

Zum Fernsehen verurteilt, weil durch Reitunfall vom Reiten abgehalten (mein Mitgefühl gilt dabei dem in Rio von Rothenbergers Cosmo getretenen Pfleger), verbrachte ich Stunden vor der Mattscheibe und bin quasi jedes Mal „mitgeritten“, wenn die „Unseren“ reiten mussten. Es war eine Augenweide, die vier Dressuren zu sehen und zu erleben. Jeder der vier wuchs im Grunde über sich hinaus, das einzig wahre Ziel zu erreichen: Gold. Das war kein Spaziergang, dennoch zeichnete sich schon mit dem „Streich“-Ergebnis von Sören Rothenberger ab, dass sich Tolles vollziehen wird. Seine 76-komma-Prozent (soweit muss man erst einmal kommen!) waren da schon ein dickes Ausrufezeichen, noch bevor Dorothee Schneider einritt. Deren zweiter Auftritt hatte es zudem ganz besonders in sich. Sie ist so toll geritten! Besser noch als am Vortag. Dann Kristina Bröring-Sprehe, für die ich ja ein besonderes Faible habe, überzeugte in ihrer so feinen Reitweise bei beiden Auftritten. Die „Team-Krönung“ kam dann mit dem zweiten Auftritt von Isabell Werth, die damit zur erfolgreichsten Reiterin aller Zeiten aufstieg und die Reiterlegende Dr. Reiner Klimke überholte, was jahrelang keiner für möglich hielt, was aber nicht im Fokus Isabell Werths stand, wie sie selbst ausdrücklich sagte. Sensationell, wie „Unsere“ die Nervenbelastung ertrugen und wie souverän die Pferde mitspielten! Einfach ganz große Klasse und das Ergebnis absolut fachmännischer Ausbildung in der klassischen deutschen Reiterei! Kein Wunder, dass ich bei der Siegerehrung feuchte Augen bekam. Und das ging ja noch weiter mit dem Ritt um Einzelgold. Die Spannung war hier zu Hause „auf dem Sofa“ kaum auszuhalten. Blaue Daumen gab’s vom Drücken. Und das Ergebnis? Silber und Bronze für unsere Reiterinnen, Gold für Charlotte Dujardin und sehr faire Anerkennung ihrer Leistung durch die deutschen Teilnehmer. Es war ein ans Herz gehender Wettbewerb, Küren mit Inbrunst geritten. Selten werden so schöne Dressurritte hervorgebracht. Sie bleiben in Erinnerung. Danke an alle unsere Reiter und ihre Pferde!



Springreiten: Ludger Beerbaum sicherte Chance auf Bronze

Das war am Ende ein Krimi! Spannend ging’s zu im Nationenpreis. Und wie unwägbar ein solcher Wettkampf ist, wurde in Rio einmal mehr deutlich. Spitzenergebnisse im ersten Umlauf für die Deutschen: drei Nullrunden, einmal ein Abwurf, ausgerechnet für Ludger Beerbaum. Es hätte so weitergehen können, hofften viele, nein, alle Deutschen zu Hause und im Stadion. Im entscheidenden zweiten Springen um die Medaillen standen Können und Glück gemeinsam an der Seite der Franzosen. Die Amerikaner hatten ebenfalls einen Tick mehr Fortune. Und dann musste es Ludger Beerbaum wieder einmal richten. Eine souveräne Null-Runde unter dem großen Erwartungsdruck aller Pferdefreunde im großen Rund der Reitarena. Da reichte es nicht, „super!“ zu rufen. Danke für die tolle Vorstellung! Eingeschlossen in den Dank freilich auch immer die Pferde und das gesamte Betreuerteam. Sie haben wirklich alles gegeben.

Und noch war „Rio“ für die Deutschen nicht zu Ende: Das Einzelspringen stand noch zwei Tage später an. Und das hatte seine Tragik schon erlangt, bevor der erste Reiter in den Parcours kam: Ludger Beerbaum, der dem Team im Stechen die Medaille gerettet hatte, durfte nicht mehr antreten. Nur drei Reiter eines Teams waren startberechtigt und Ludger Beerbaum hatte von „unseren Vieren“ das „schlechteste Ergebnis aus der Qualifikation“. Das Reglement ist klar, aber im entscheidenden Moment sehr schmerzhaft. Die Hoffnung auf ein Nachrücken, die Beerbaum im TV-Interview andeutete, erfüllte sich nicht. Er trug es wohl mit Fassung, wie es sich für einen solchen Reiter gehört, auch wenn er den Schmerz ein wenig durchblicken ließ.

Dann Meredith Michaels-Beerbaum im ersten Umlauf: Ein Desaster für die Reiterin am ersten Sprung. Ihr Schimmel sprang viel zu früh ab und krachte in die Stangen – und damit ins Aus. MMB gab auf, weil sie mit Fehler und Zeitüberschreitung keine Chance sah, unter die besten 20 Reiter zu kommen für den zweiten Umlauf. Sie kann einem nur leidtun. Schade, sehr schade! Der Presse sagte sie: „Ich wollte vielleicht zu viel heute, es war kein Platz für Fehler. Die Konzentration war vielleicht nicht so da am ersten Sprung. Als ich gemerkt habe, dass die Distanz nicht stimmt, war es schon zu spät. Ich wollte danach kein Risiko eingehen und gucken, dass Fibonacci okay ist. Die Enttäuschung ist groß, das Pferd war super in Schuss. Mit dem Fehler habe ich nicht gerechnet. Aber Nacho geht es gut.“ Man fühlt mit ihr den Schmerz über diesen so ungewöhnlichen Fehler, der ihr sicher noch lange präsent bleibt.
Christian Ahlmann und Daniel Deußer sind allerdings in den zweiten Umlauf gekommen mit „Null“. Letztlich aber klebte auch an ihren Hufen Pech, denn beide kassierten bei dem sehr schweren zweiten Umlauf je einen Fehler, Fehler, die jedermann passieren können. Sie sind nicht den Reitern oder Pferden anzulasten. Bei so gut ausgebildeten Pferden und Reitern genügen Millimeter der Berührung, um eine Stange fallen zu lassen. Platz neun kam für beide punktgleich am Ende heraus. Also, liebe Springreiter: „Freut Euch über die Bronzemedaille. Die habt ihr ehrlich verdient und ihr habt euch nichts vorzuwerfen, weil es mit einer Medaille im Einzel-wettbewerb nicht geklappt hat. So zu reiten, wie Ihr geritten seid, muss zu Hause erst einmal einer nachmachen!“



Fazit: Sechs Medaillen - Zum richtigen Zeitpunkt Höchstleistung gezeigt
Über alle drei Disziplinen haben die deutschen Reiter sechs Medaillen beigesteuert! Das kann sich sehen lassen und ist Lohn bester Arbeit. „Wenn uns vorher jemand gesagt hätte, dass wir in Rio sechs Medaillen gewinnen, hätten wir wahrscheinlich gelacht und gesagt, wir wollen es mal nicht übertreiben“, sagte Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). „Auf so ein tolles Ergebnis hofft man, erwarten kann man es aber nicht. Dass es nun so gekommen ist, übertrifft alle Hoffnungen. Alle Reiter und Pferde haben hier ihre besten Leistun-gen und großartigen Teamgeist gezeigt.“ FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau ergänzte: „Ich bin begeistert. Alle sind fantastisch geritten. Besonders schön war das gute Einvernehmen der Teams.“ Auch von DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der sich die Medaillenentscheidungen in Deodoro angesehen hat, gab es Lob für die Reiter: „Sie haben allesamt zum richtigen Zeitpunkt Höchstleistungen gezeigt. Der Verband und die Reiter haben vorbildliche Arbeit geleistet.“



Ludger Beerbaum verabschiedet sich in Barcelona

Riesenbeck/Mannheim. Nach vier olympischen Goldmedaillen und einer Bronzemedaille, zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze bei Weltmeisterschaften, sechsmal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze bei Europameisterschaften ist jetzt Schluss: Ludger Beerbaum hat noch mit den Eindrücken von Rio seinen Rücktritt von der deutschen Nationalmannschaft bekannt gegeben! Jetzt nahm der Riesenbecker die Gelegenheit wahr, nach dem Gewinn der Mannschafts-Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio den Schlussstrich zu ziehen. Das Nationenpreisfinale in Barcelona Ende September wird sein letzter Auftritt im roten Jackett der deutschen Equipe sein. „Es fällt mir schon schwer, diesen Schritt zu tun“, gibt der Rekordteilnehmer an Nationenpreisen zu. Ganz aufhören mit dem Turniersport wird er aber nicht. „Ich werde weiterhin an internationalen Turnieren teilnehmen“, erläutert Ludger Beerbaum. „Ich habe künftig noch einige interessante Projekte“, sagt der erfolgreichste aktive Springreiter der Welt. Eine Journalistenfrage, ob er denn auch Bundestrainer werden wollte, wies er von sich. „Ich werde mich um meinen Turnierstall, die Ausbildung junger Pferde, den Pferdehandel kümmern.“ 2015 hat er in seinem Heimatort das Pferdesportzentrum Riesenbeck International eröffnet. Hier werden Turniere veranstaltet, Seminare angeboten, internationale Lehrgänge ausgerichtet. Als Präsident der Longines World Equestrian Academy will Ludger Beerbaum die Entwicklung des Springsports im asiatischen Raum mit seinem Wissen voranbringen. „Mir wird nicht langweilig“, ist sich Beerbaum sicher, der etliche Jahre auch für den Reiterverein Mannheim gestartet war. „Ich bin dankbar dafür, dass ich mein Heimatland als Reiter vertreten durfte. Jetzt sollen jüngere Kollegen diesen Part übernehmen!“ Auch hier lässt sich diese Entscheidung nur mit einem herzlichen Danke! kommentieren. Danke, Ludger Beerbaum!