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Tina von Briel: Der lange Weg zum Goldenen Reitabzeichen PD 9/2016
Tina von Briel: Der lange Weg zum Goldenen Reitabzeichen

Tuttlingen/Donaueschingen-Immenhöfe.
Nichts Ungewöhnliches ist es, dass eine Reiterin die ersten Begegnungen mit Pferden und die ersten Reitstunden in Kindertagen erlebt. Doch wenn sich eine Reiterin, ein Reiter ein Ziel vornimmt, zum Beispiel das Goldene Reitabzeichen zu erlangen, dann kann der Weg schon recht lang werden. Und bis man überhaupt daran denken kann, muss eine solide Reitausbildung diesen Weg erst ebnen. So ist es auch bei Tina von Briel aus Tuttlingen. Ihre ersten Reiterlebnisse gehen auf ihre Kindertage zurück, was auch nicht ungewöhnlich ist, wenn die Eltern selbst Reiter sind. Am Anfang war es Westpoint, das Pferd ihrer Mutter Brigitte von Briel. Was als Kinderspaß begann, mündete für die damals sechsjährige Tina in die ersten Reiterwettbewerbe mit eben diesem Westpoint. Offenbar wurde damit der Wunsch immer drängender, ein eigenes Pony zu bekommen. Vater Wilfried von Briel ließ sich, erzählt Tochter Tina dem PRESSEDIENST, irgendwann erweichen und erwarb für seine Tochter das Pony Gismo. Mit ihm machte sich das Mädchen auf den Weg in die Turnierwelt, merkte dabei aber rasch, dass ihr die Dressurreiterei näher lag. Was so beginnt, nimmt Formen an, denn nun sollte es ja auch weitergehen: 1999 kaufte die Familie in Marbach den dreijährigen Campari-Sohn Cornetto – zunächst für die Mutter. Doch, so sagt Tina von Briel, „das änderte sich schnell. Bald trat ich mit Cornetto in kleinen Prüfungen an, was nicht immer so einfach war, denn Cornetto war ein Lausbub.“ Die Flausen legte das Pferd offenbar bald ab, denn der Turnierweg führte das junge Paar über Siege und Platzierungen in Reiterwettbewerben hinauf in Klasse M**. Wegen ihrer Erfolge wurde Tina von Briel, die für den RV Tuttlingen reitet, Mitglied im Regionalkader Württemberg.

Solch ein Weg macht hungrig, denn der Ehrgeiz ist groß, „manchmal etwas zu groß“, gibt die Reiterin selbstkritisch zu. Doch ohne Ziele, kein Fortkommen. Die Turniere in Klasse S standen also auf der Agenda. 2006 war es schließlich soweit. Und 2007 errangen Cornetto und Tina von Briel in Jettingen ihren ersten Sieg in Klasse S*. Wenig später kam ein Sieg in Leutkirch hinzu. 2008 gab es dann eine „Niederlage“ von Tragweite: Traurig berichtet Tina von Briel, dass sich Cornetto verletzt hatte und nicht mehr in den Sport zurückkehren konnte. Sie hatte mit Cornetto einen Weg ihrer reiterlichen Entwicklung bis Klasse S gemeinsam beschritten und nun das Aus! Was nun? Ohne Pferd zu leben, war nichts für Tina und Familie. 2009 fiel eine Entscheidung und zwar auf der Winterauktion in Verden. Huckleberry hieß der fünfjährige His Highness-Sohn, der fortan im Stall der Familie stand und steht. Die junge Frau erzählt: „Wir bauten ihn behutsam auf. Langsam steigerten wir von Klasse A auf M. Zwei Jahre ließen wir uns Zeit, Huckleberry auf einen ersten Start in einer Dressurprüfung Klasse S für Nachwuchspferde vorzubereiten. Zu unser aller Überraschung gewannen wir in Neuenburg-Griesheim diesen Wettbewerb und hatten das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.“ Über zahlreiche Starts mit Platzierungen und Siegen gab es 2012 in Weilheim/Teck den vierten S-Sieg. 2013 errangen Huckleberry und Tina von Briel insgesamt fünf S-Siege in Neuenburg-Griesheim, Böblingen (2x), Marbach und Tübingen.

„Seit 2014 trainieren wir mit der Ausbilderin Kay Knoll auf den Immenhöfen, wo unsere Pferde stehen und erlangten dabei den S-Sieg Nummer 10. Aber das reicht ja nicht! Uns fehlte noch ein Sieg in Klasse S**.“ Zwischenzeitlich gab es zahlreiche Platzierungen und sogar das Startrecht im iWest-Cup mit Finale in der Stuttgarter Schleyer-Halle. „Dass wir dort den vierten Platz erreichten, war ein tolles Erlebnis. Ein großer Wunsch hat sich für mich damit erfüllt, nämlich in Stuttgart reiten zu dürfen“, schwärmt Tina von Briel noch heute. Kürzlich siegte sie in Albführen bei zwei S-Prüfungen und stellte einen „ganz persönlichen Rekord mit fast 72 Prozent auf“. Und dann stand das Turnier in Villingen auf dem Programm: Dort gab es auch eine S**-Dressur, auf die Tina von Briel ihre ganze Hoffnung setzte: Trotz des Regenwetters und schwieriger Verhältnisse entschloss sich die Turnierleitung, die S**-Dressur zu starten. „Huckleberry, der tags zuvor Dritter in S* wurde, lief zur Hochform auf und wir schafften mit fast 71 Prozent den Sieg! Das war vielleicht ein Glücksgefühl!“

In Tina von Briels Worten schwingt Dankbarkeit mit, Dankbarkeit vor allem an die Eltern gerichtet, die „mich von Kindesbeinen an unterstützt haben“. Auch die Familie Frese, der die große Reitanlage Immenhöfe gehört, schließt die Reiterin ein, denn „ich finde dort beste Bedingungen für das tägliche Training“, sagt sie. Stark beeinflusst hat sie nach ihren Worten auch die Zusammenarbeit mit Kay Knoll. „Sie hat in den zwei Jahren unserer Zusammenarbeit meine Sichtweise und Einstellung zu Pferden beeinflusst und weiter geprägt.“ Das nächste Ziel steht auch schon fest: Das Finale zu erreichen im iWEST-Cup in Stuttgart wäre schon toll, sagt Tina von Briel.

Das Goldene Reitabzeichen, das Tina von Briel, die als Industriekauffrau arbeitet, beim jüngsten Turnier auf den Immenhöfen bekam, wurde ihr übrigens „nur verliehen“ - wegen ihrer zahlreichen Erfolge in Klasse S. Verliehen ist dabei das richtige Wort, denn Pferdesportler können so viele Lehrgänge machen wie sie wollen, das Goldene Reitabzeichen gibt es nur für die vorgeschrie-benen zehn Siege bei Turnieren. Das Besondere daran ist: Das Goldene Reitabzeichen kann ein Pferdesportler nur einmal im Leben bekommen. Es ist also quasi die Goldmedaille im Nationalen Sport. Herzlichen Glückwunsch
Martin Stellberger