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Goldenes Fahrabzeichen für Philipp Faißt PD 8/2016
Gold für Philipp Faißt

Schwanau-Ottenheim.
Das Goldene Fahrabzeichen zu bekommen, ist im Fahrsport wahrlich nicht leicht. Das wird Philipp Faißt aus Schwanau-Ottenheim sicher bestätigen. Viel Enthusiasmus für diese Disziplin und noch mehr Aufwand gehören dazu, um in die Gruppe von Fahrsportlern zu kommen, die im Spitzensport mitmischen können. Bekanntlich sind die Preisgelder im Fahrsport niedrig und der „Eigenzuschuss“ hoch: Mehrere Pferde, verschiedene Kutschen und Geschirre, Transportkapazität für alles und gute Helfer sind die „Mindestausstattung“ für die Fahrer. Dafür muss Philipp Faißt, der aus einer Metzgerfamilie stammt, hart arbeiten in seinem Beruf als Industriemechaniker und Spezialist für Gabelstapler bei der Firma Herbstritt in Kenzingen, deren Chef Matthias Herbstritt und seine Mitarbeiter viel Verständnis für die Leidenschaft Philipp Faißts haben. In seiner Frau Adeline hat er zudem eine Partnerin, die voll mitzieht und neben ihrer Arbeit als Physiotherapeutin seit Kindes- und Jugendtagen dem Pferdevirus verfallen ist.

Doch alleine trainiert das Paar nicht immer, denn Bundesstrainer Wolfgang Lohrer aus Meißenheim ist auch der Heimtrainer für den Einspännerfahrer Faißt, wenn man so sagen darf. Lohrer hat selbst eine lange Karriere als Fahrsportler hinter sich und viel Erfahrung gesammelt. Über Philipp Faißt sagte er einmal der Badischen Zeitung: „Er ist ein guter Kollege, ein hilfsbereiter Junge, der nett ist, sehr selbstkritisch und der erst bei sich schaut, wenn etwas schief läuft!“ Ein schöneres Kompliment vom Bundestrainer kann es nicht geben. Und Faißt weiß auch: Von Lohrer zu lernen ist immer eine Bereicherung. Und so hat Philipp Faißt zahlreiche Erfolge zu verbuchen. Er wurde zum Beispiel fünfmal in Folge Landesmeister: In Ichenheim 2009, in Marbach 2010, erneut in Ichenheim 2011, in Ottenheim 2012 und zum dritten Male in Ichenheim 2013. Deutscher Meister der Einspänner war er 2013 in Luhmühlen und 2014 in Grumbach-Wilsdruff. In diesem Jahr errang er bei der Deutschen Meisterschaft in München-Riem die Bronzemedaille. Bei einer so stabilen Leistung ist es nicht verwunderlich, dass der Südbadener auch zu Weltmeisterschaften entsandt wurde: 2012 startete er in Portugal und wurde in der Einzelwertung Zwölfter, 2014 kam er in Ungarn auf Platz 11 und mit der Mannschaft gewann er die Goldmedaille. Vor dem Wagen hatte er sein Pferd Ann in Time, das „mir unser Privatsponsor Horst Rüdtlin zur Verfügung gestellt hat. Sie war ein schwieriges Pferd, wir haben uns aber alles erarbeitet. Sie hat auch einen Platz in meinem Herzen.“

Seit 2012 ist er Mitglied im Bundes-A-Kader. „Früher“, so erzählte der 27-Jährige dem PRESSEDIENST, „spielte ich noch Golf mit Handicap 7,7, aber seit 2005 habe ich damit aufgehört. Das Fahren fordert meine ganze Konzentration.“ Dafür ist sein Ehrgeiz groß und sein Streben nach Perfektionismus bringt auch Nervenstärke mit sich, wie er von sich selbst sagt. Dass er mitunter auch eigenwillig ist, gibt Philipp Faißt unumwunden zu. Und im August wird er seine Zeit noch mehr organisieren müssen, denn dann werden Adeline und Philipp Faißt Eltern. Ob dann die Großeltern Monika und Hubert Faißt verstärkt einspringen, wenn das Turniergeschehen Unterstützung braucht? Davon kann man wohl ausgehen, zumal Philipp sagt, dass er durch seine Mutter zum Fahrsport gekommen sei. Sie sagte einmal über ihren Sohn, dass er sehr eigensinnig sei, und: „Er kommt nach mir, er sagt, was er denkt. Für seinen Freund und die Pferde geht er durchs Feuer!“

Philipp Faißt startete zunächst viele Jahre für Meißenheim, seit 2009 ist der Reit- und Fahrverein Ottenheim sein Stammverein. Auch von dort erfährt er Unterstützung, zum Beispiel von seinen beiden Förderern Horst Rüdtlin aus Schopfheim und Hermann Mast aus Ottenheim. Letzterer hat Faißt und seinem Freund Fabian Gänshirt seinen Tabakschopf überlassen und die beiden haben darin ihren Pferdestall eingerichtet. Kurzfristig, so sagt er, will er bei den Landesmeisterschaften in Reilingen erfolgreich starten. „Langfristig hoffe ich, dass unsere Pferde gesund bleiben und wir viel Freude an der Arbeit mit ihnen haben.“ Dass ihm das gelingt, dafür hat er auch schon jetzt ein Dankeswort übrig: „Mein Dank gilt vor allem meiner Familie, meiner Frau, meinen Freunden, die mich begleiten und meinen Sponsoren. Und wenn die Hymne für mich gespielt wird, muss ich an meine Oma Franziska denken. Mit ihr konnte ich über alles reden.“

Zu den Freunden zählt unter anderem Fabian Gänshirt aus Lahr, der nicht nur vielfach als Beifahrer seines Freundes fungiert. Er sagt über Faißt: „Philipp ist für mich wie ein großer Bruder. Ein Perfektionist, dennoch unkompliziert aber auch eigenwillig.“ Dieser wiederum sagt über Gänshirt: „Wir sind Freunde fürs Leben. Wir haben uns gesucht und gefunden!“ Dass die beiden seit ihrer Kindheit befreundet sind und ihre Freundschaft in der Not trägt, bewies die Zeit, als Philipp Faißt als 17jähriger nach einem schweren unverschuldeten Motorradunfall um sein Leben kämpfte. Fabian Gänshirt war damals ständig am Bett des Freundes. Gänshirt gehört seinerseits zu den Fahrfans und bekommt als Ponyfahrer das Goldene Fahrabzeichen an gleicher Stelle verliehen wie sein Freund. Doch das ist eine andere Geschichte (s. nachstehendes Portrait).

Dennoch ist anzumerken: Faißt und Gänshirt haben sich als Team „FaiGä“ einen Namen gemacht in der Fahrerszene. Dazu zählt natürlich auch Faißts Frau Adeline, Freunde und Helfer. „Wir sind eine eingeschworene Truppe“, schwärmt der künftige „Gold-Fahrer“, der im Frühjahr 2015 nach einem Kutschenunfall einen Waden- und Schienbeinbruch kurieren musste. Das bremste ihn aber nur für kurze Zeit. Bald war er wieder einsatzfähig und nahm das Training auf, um sich auf die Weltmeisterschaft 2016 in Österreich zu konzentrieren. Doch daraus wird nichts: Philipp Faißt kann auch andere Prioritäten setzen. Er verzichtet nämlich auf diese Weltmeisterschaft: „Ich verzichte wegen der anstehenden Geburt unseres Kindes auf einen WM-Start.“ Allein schon dafür gebührt Philipp Faißt eigentlich auch ein Goldenes Fahrabzeichen. Das wiederum wird ihm dann für seine Leistungen als Fahrer beim Turnier in Schwanau-Ottenheim (12.-14. August 2016) verliehen. Herzlichen Glückwunsch. Martin Stellberger