Startseite
Kontakt
Sandy Kühnle reitet künftig mit Gold am Revers PD 7/2016
Sandy Kühnle reitet künftig mit Gold am Revers

Ilshofen.
Mit Gold am Revers zu reiten ist schon eine besondere Auszeichnung. Das hat seinen Grund: Das Goldene Reitabzeichen ist für einen Pferdesportler nur einmal im Leben zu erreichen: Es wird verliehen für eine bestimmte sportliche Leistung im Wettbewerb mit anderen Reitern. Bei Sandy Kühnle gibt es das „Goldene“ für acht Siege in der Dressur in Klasse S*, einen Sieg in Klasse S** und einen 5. Platz in S***. Weil diese Ehrung einmalig ist, hat sie für viele Pferdeleute eine ganz besondere Stellung in der Karriere. Medaillen aller Art lassen sich wiederholen, das Goldene gibt es nur einmal! Darauf ist Sandy Kühnle mit Recht stolz, hat sie doch seit ihrem dritten Lebensjahr den Pferdevirus in sich aufgenommen. Der liegt natürlich in ihrer Familie: Vater Dr. Harald Kühnle ist nicht nur Tierarzt in Ilshofen, er war auch erfolgreicher Dressurreiter. Die Mutter, Astrid Kühnle, schaffte es in der Dressur bis in die S-Klasse. Auch Bruder Christoph ist mit Tieren verbunden, weil er wie der Vater Tierarzt ist, allerdings in Zürich. Reiterlich war auch er unterwegs auf Turnieren.

Sandy Kühnle arbeitet nach abgeschlossenem Bachelor-Studium im Fach Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen in der elterlichen Praxis. Hier ist sie zuständig für die Rehabilitation von Pferden, für das Stallmanagement mit Deckstation und die Ausbildung der familieneigenen Pferde. Ihre beruflichen Ziele sind ein eigener Betrieb für die Ausbildung und Förderung talentierter Pferde. Dass sie eine gute Hand hat für Pferde, zeigt ihr Aufstieg unter profunder Anleitung namhafter Ausbilder. Ihre Ponyzeit wurde z. B. begleitet von Rudolf Brügge aus Crailsheim. Jörg Beerhenke, damals in Abstatt zu Hause, betreute sie während ihrer Juniorenzeit und Holger Zeiske aus Aalen-Münchingen sowie Detlev Pelz als „mobiler Reitlehrer“ förderten die junge Frau während der Zeit als Junge Reiterin. Seit 2014 hat sie mit Hermann Gösmeier aus Marl einen weiteren Profi an ihrer Seite. Diese qualifizierte Ausbildung hatte natürlich Folgen in Gestalt zahlreicher Siege und bester Platzierungen. 2006 errang sie mit Joker und dem baden-württembergischen Team den fünften Platz im Süddeutschen Hallenchampionat. 2007 gewann Sandy Kühnle mit ihrem Pony Gin die Silbermedaille bei den Landesmeisterschaften in Schutterwald sowie in Warendorf den 5. Platz im Finale des Bundeschampionats. Im gleichen Jahr kam noch die Bronzemedaille im Süddeutschen Hallen-championat dazu, erneut mit Joker. 2015 hatte es die für die Pferdefreunde Saurach startende Reiterin ins Finale des iWEST-Dressur Cups in der Stuttgarter Schleyer-Halle geschafft und errang dort mit Amaretto W von Flemmingh x Jazz den hervorragenden zweiten Platz gegen die starke Konkurrenz aus dem Lande.

Doch diese frühen Erfolge reichen nicht aus für das begehrte „Goldene“. Aber 2015 und 2016 lief es so richtig super bei den Turnieren für Sandy Kühnle: Amaretto hatte mit vier Siegen in Klasse S* im Jahr 2015 einen ersten großen Beitrag dazu geleistet und zwar mit Siegen in Zeutern, Böblingen, Aalen und Rot am See. Vier Siege brachten Sandy Kühnle dann ihre Starts mit Gonzo VA von Grosso Z x Consul ein. Zweimal siegte sie mit ihm in Leonberg, je einmal in Reilingen und Aalen. Weil man zum Goldenen Reitabzeichen auch Siege und vordere Platzierungen in Klasse S** braucht, liegen auch Starts auf diesem anspruchsvollen Niveau auf der Hand. Das Pfingstturnier von Aulendorf war ein guter Platz in diesem Jahr und brachte ihr mit Gonzo den ersten S**-Sieg. Weil es da so gut lief, versuchte sich Sandy Kühnle in Ludwigsburg-Monrepos in einer weiteren Steigerung. Sie startete dort in einer Dressur Klasse S*** und wurde respektable Fünfte – und das Goldene Reitabzeichen war ihr damit sicher!

Die 25 Jahre junge Frau im Dressursattel kann mit ihrem steilen Aufstieg in nur zwei Jahren sehr zufrieden sein und stolz. Ihr Fleiß und ihre Ausdauer wurden mehr als belohnt. Die Erfolge beweisen auch, dass sie nicht nur zielstrebig ist sondern auch eine gute Beziehung zu ihren Pferden hat. Manchmal, so sagt sie, „neige ich zum Perfektionismus und das stört mich zuweilen selbst.“ Wer selbstkritisch ist, sucht Fehler zuerst bei sich und nicht beim Pferd. Das ist zwar eine Binsenweisheit unter Reitersleuten, aber wer sich daran hält, tut seinen Pferden Gutes.

Und woran erinnert sich Sandy Kühnle besonders gerne? „Aus meiner Kindheit bleibt mir mein Start als Zehnjährige beim Bundeschampionat in schöner Erinnerung. Ich war damals die jüngste Reiterin, die je am Bundeschampionat in Warendorf teilgenommen hat. Das war ein tolles Erlebnis. Später wurde ich in den Landeskader aufgenommen und mit der Zeit häuften sich auch die Starts bei Meisterschaften in Baden-Württemberg. Dass ich in der Schleyer-Halle so gut abgeschnitten habe, erfüllt mich schon mit Stolz und – mit Dankbarkeit gegenüber meiner Familie, meinem Trainer und natürlich auch gegenüber meinen Pferden.“ Ein wenig Demut klingt dabei aus den Worten von Sandy Kühnle, die genau weiß, dass solche Erfolge hart erarbeitet werden müssen und nur dann kommen, wenn ein „Team“ dahinter steht. Umso schöner wird die kleine Feier beim Turnier in Rot am See vom 20.-24. Juli 2016 sein. Dort wird ihr das Goldene Reitabzeichen verliehen und mit Familie und Freunden darf Sandy Kühnle dann feiern.
Martin Stellberger