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Jennifer Taxis: Mit 20 zum Goldenen Reitabzeichen PD 7/2016
Jennifer Taxis: Mit 20 zum Goldenen Reitabzeichen

Reichenbach.
Es gelingt Springreitern nicht sehr oft, schon in jungen Jahren das Goldene Reitabzeichen zu erlangen. Da müssen die Voraussetzungen sehr günstig sein. Eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür ist natürlich reiten können. Viele junge Leute können gut und sehr gut reiten, aber das allein reicht eben nicht für höhere Ziele. Bei Jennifer Taxis, der 20 Jahre alten Springreiterin aus Reichenbach bei Stuttgart, erfüllen sich die anderen Voraussetzungen jedoch sehr gut: die Pferde, ihre Familie, ihre Trainer und auch ihr Opa spielen dabei eine wichtige Rolle. Im Zusammenspiel aller gelang Jennifer Taxis, wovon viele nur Jahre träumen können. Sie hat die geforderten Siege und Platzierungen in schweren Springen in der recht knappen Zeitspanne von 2013 bis 2016 beisammen und freut sich riesig auf das Turnier in Donaueschingen-Immenhöfe, wo ihr zeitgleich zum dortigen 20-jährigen Bestehen des Turniers (28.-31. Juli 2016) das Goldene Reitabzeichen verliehen wird.

In der Tat: Verliehen ist das richtige Wort, denn das „Goldene“ gibt es nicht bei Lehrgängen zu erwerben. Diese Ehrung wird einem Pferdesportler nur über Erfolge zuteil. Im Falle von Jennifer Taxis sehen die Erfolge so aus: Ihr erster Sieg in Klasse S* gelang ihr 2013 mit Liborius im Stechen in Schutterwald. 2014 siegte sie mit Uleika in Hagen. Dort kam sie in einem weiteren S*-Springen auf den dritten Platz. Ein Jahr zuvor schon trug sie ihr Hoffnungspferd in Kreuth in der Oberpfalz in einem S**-Springen auf Platz drei. Ihre Erfolge bis dahin mit Uleika bescherten ihr die Berufung in den Perspektivkader auf Bundesebene. 2015 schwanden leider die Hoffnungen mit einer Krankheit ihres Pferdes Uleika. Die junge Reiterin musste eine letzte Entscheidung treffen, die schließlich der Tierarzt vollzog. Plötzlich war alles vorbei und die junge Frau spürte wohl zum ersten Male die Verantwortung, die man als Pferdefreund für sein Tier trägt, wenn dieses nicht mehr geheilt werden kann. Die Erinnerung jedoch an schöne Siege und Pokale mit diesem Pferd setzen auch neue Kräfte frei.

Jennifer Taxis überwand den sportlichen Verlust mit Hilfe ihrer Familie und ihren Trainern. Sie kann außerdem auf weitere Pferde zurückgreifen, z.B. auf Liborius, Chikas Way, Lyra CR und Centaura. Mit diesen Pferden vollendete die Reiterin das, was sie mit Uleika begonnen hatte, nämlich die Erfolgsserie für das Goldene Reitabzeichen, z.B. mit einem Sieg mit Liborius 2015 in Limburg; 2016 gelang ihr ein Sieg in Königsbrunn mit Centaura. Doch zum „Goldenen“ gehört auch mindestens ein Sieg in Klasse S**. Das sind dann schon ganz besondere Ereignisse, zumal die Turnierorte berühmt sind für hochklassigen Sport: Beim diesjährigen Maimarkt-Turnier von Mannheim nämlich errang sie mit Liborius den Sieg in S** und damit den Springpokal der U25-Reiter. Wie ein solcher Sieg schmeckt, das hatte sie schon ein Jahr zuvor in Donaueschingen und Bietigheim-Bissingen erfahren, wo sie mit Lyra CR zweimal Zweite in einem S**-Springen wurde. Alle Siege und Platzierungen nur in Klasse S hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

Wer ist nun die Persönlichkeit hinter dem Namen Jennifer Taxis, wie kam sie zum Reitsport? Nun, wie bei vielen pferdebegeisterten Kindern begann auch bei Jennifer Taxis die Liebe zu den Pferden mit einem Ferienreitkurs, den ihr Opa Albert schenkte. Der war auch die treibende Kraft beim Kauf des ersten eigenen Pferdes mit Namen Clinton, das die junge Reiterin mit 14 Jahren bekam. Unterricht gab’s natürlich auch und schließlich kam sie über den nicht nur in Baden-Württemberg bekannten Reiter und Ausbilder Helmut Hartmann zu Kurt Maier nach Salzstetten und anschließend zu dem Reiterehepaar Barbara Steurer-Collee und Uli Collee aus Eberstadt bei Heilbronn und Volker Hahn aus Waldenbuch. Auch Kurt Maier ist weiterhin Ratgeber und Trainer. Dem Reitverein Waldenbuch-Hasenhof gehört sie zudem als Mitglied an. Neben der Reiterei gab es natürlich auch andere Verpflichtungen, die unter dem Stichwort Schule zusammenzufassen sind. Auch hier entwickelte Jennifer Taxis Ehrgeiz und absolvierte nach der Realschule das Abendgymnasium, das sie 2016 mit dem Fachabitur abschloss.

Ihr reiterliches Können machte auch die Landestrainer aufmerksam und so wurde ihr auch die Möglichkeit eröffnet, international ausgeschriebene Wettbewerbe zu bestreiten. Beim Großen Preis von Kreuth zum Beispiel, ein CSI**-Springen, gewann sie 2013 noch mit Uleika den dritten Platz und mit dem deutschen Team 2014 den zweiten Platz im Nationenpreis von Lamprechtshausen. Weitere Starts auf internationaler Ebene gab es bei den Future Champions 2014 in Hagen und sogar in Arezzo und San Giovanni. Das ist alles zusammen gesehen schon eine richtig gute Basis, auf der sich die nächsten Jahre aufbauen lassen. Doch Erfolge haben auch im Falle von Jennifer Taxis mehrere „Väter und Mütter“. Das sind einerseits die Eltern und ganz besonders ihr Opa Albert, der sie auch im hohen Alter noch zu den Turnieren begleitet. Auf dem Weg dorthin fährt übrigens Jennifer Taxis den LKW mit ihren Pferden selbst. Einen Pfleger gibt es nicht und Hilfe leistet eben Opa Albert. Dieses „Gespann“ funktioniert ja besonders gut.

Das Goldene Reitabzeichen wird Jennifer Taxis beim international ausgeschriebenen Turnier in Donaueschingen-Immenhöfe (s. auch in dieser Ausgabe Seite 26) verliehen. Dort passt die Verleihung besonders gut hin: Erstens weil „ich eine besondere Beziehung zu den Immenhöfen habe“ und zweitens kann sie darauf hinweisen: „Ich bin so jung wie das Turnier selbst: Mit 20 geht es erst richtig los!“
Martin Stellberger