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Birgit Weiland: Zehnmal gewonnen für einmal Gold PD 5/2016
Birgit Weiland: Zehnmal gewonnen für einmal Gold

Lampertheim.
Manchmal ist der Weg zum Ziel lang. Für Birgit Weiland aus Lampertheim, Mitglied im Reiterverein Mannheim, war der Weg zum Goldenen Reitabzeichen sehr lang: Ihr erster Sieg laut FN-Erfolgsliste in einem Springen Klasse S* liegt schon mehr als zehn Jahre zurück. Mit Rambler gewann sie damals, 2004 in Schwetzingen, ihr erstes S-Springen im Stechen. 2005 holte sie mit Intrepide de Seves in Beerfelden einen weiteren Sieg im Stechen der schweren Klasse. Damit begann der Traum vom „Goldenen Reitabzeichen“. Das zu erringen kommt einer Goldmedaille gleich für viele, die nie an Olympischen Spielen, Europameisterschaften oder Deutschen Meisterschaften teilnehmen können. Aber alle, die dies bisher konnten, haben zuvor eben dieses Goldene Reitabzeichen verliehen bekommen für eine vorgegebene Serie von Erfolgen: Dieses Goldene Reitabzeichen kann ein Sportler nur einmal in seinem Leben bekommen – nach zehn Siegen in der schweren Klasse, darunter ein Sieg in Klasse S**. Deshalb freut sich Birgit Weiland ganz besonders auf das Mannheimer Maimarktturnier in diesem Monat, weil sie dort mit dem begehrten „Goldenen“ geehrt wird, quasi vor heimischem Publikum.

Ihrem Pferd Intrepide de Seves von Aiglon Rouge/Fort de la Cour hat sie indes noch weitere Siege zu verdanken: 2006 in Mannheim-Neckarau und 2007 in Brakel-Sudheimerhof. 2008 war sie mit Rambler in Mannheim, zweimal in Paderborn und schließlich in Herford-Bexter Hof siegreich. 2009 folgte ein Sieg mit Rambler in Heddesheim. Rambler geht auf Rex Z/Schampus xx zurück und hat damit einen hohen Vollblutanteil. Doch das genügte ja noch nicht. 2010 machte die Reiterin aber das Geforderte komplett mit drei Siegen, einen mit Intrepide de Seves in Bad Homburg und zwei in Donaueschingen-Immenhöfe und Warstein mit Unique. 2011 folgten Pforzheim und Biblis mit Lafite und Cadeau und weitere Siege in Klasse S*, bis es endlich mit dem Sieg in Klasse S** klappte: Mit Santhaga sicherte sich die Reiterin im unterfränkischen Detter den „letzten entscheidenden Sieg“ zum Goldenen Reitabzeichen. An dieser langen Zeit sieht man, dass der Erfolg nicht nur von eigenem Können und Willen abhängt. Auch die Konkurrenten können reiten und geben sich nicht leicht geschlagen. Ausdauer ist gefragt und die nötige Gelassenheit, auf den richtigen Tag zu warten, wo alles zusammenpasst: Form des Reiters, Form des Pferdes, Platz, Parcours und auch das gewisse Quäntchen Glück gegenüber einem starken Starterfeld.

Wer ist nun Birgit Weiland, wenn sie nicht im Sattel ihrer Pferde sitzt? Sie ist 37 Jahre alt, von Beruf Diplom-Kauffrau mit BWL Studium an der Universität Mannheim, und seit 2007 Steuerberaterin. Allerdings machte sie 2010 beruflich einen großen Sprung mit der Übernahme der kaufmännischen Leitung der Weiland Firmengruppe in Mannheim. Diese Firmengruppe besteht aus den Firmen Weiland Grünbau, Erdenwerk Mannheim und GOLF absolute. Da steckt für die Geschäftsfrau eine Menge Verantwortung und Arbeit dahinter, die ihr aber bei geschick-tem Management noch Zeit lässt, ihrem geliebten Hobby nachzugehen und Turniere zu reiten. Die Wurzeln ihrer Reiterei liegen wie bei vielen Pferdefreunden in der Tatsache, dass die Eltern pferdebegeistert sind. So ist es auch bei Birgit Weiland, denn ihr Vater, Dr. Hermann Weiland, von Beruf Landschaftsarchitekt, und ihre Mutter Annedore Weiland waren zu ihrer Zeit begeisterte und erfolgreiche Springreiter. Da die Familie in Pfaffenau bei Biblis ein Gestüt unterhält, war es nur natürlich, dass Birgit Weiland quasi im Sattel aufwuchs. „Mein Vater hätte zwar lieber gesehen, dass ich mich auf die Dressur konzentriere, aber dank meiner Mutter wurde ich in der Springreiterei heimischer. Meine ersten Starts verdanke ich unserem Pferd Wotan, mit dem ich 1992 zum ersten Mal antreten durfte“, erzählt Birgit Weiland dem PRESSEDIENST. In ihrer Jugend ritt sie für den Reit- und Fahrverein Biblis, später trat sie dem Reiterverein Mannheim bei.

Fragt man Birgit Weiland nach ihren Ausbildern und Förderern, so stehen hier in erster Linie die Eltern. „Ihnen habe ich so viel zu verdanken, was immer mit unseren und meinen Pferden zusammenhängt“, sagt die Reiterin dankbar. Dennoch verzichtete die Familie nicht auf den Rat und das Können erfahrener Trainer. Birgit Weinland nennt dabei besonders drei renommierte Ausbilder: Bernd Herbert aus Viernheim, Bert Heijmann aus Enzklösterle und Heinrich-Wilhelm Johannsmann aus Gütersloh, in der Szene mehr bekannt unter seinem Pseudonym „Kaiser Wilhelm“, das auf dessen Jugendzeit in der Ausbildung zum Sattler zurückgeht. „Allerdings – meine Mutter hat mich all die Jahre und bis heute in meiner sportlichen Laufbahn begleitet. So habe ich auch ein gut Teil von ihr gelernt, vor allem was die Analyse eines Parcours angeht im Blick auf die Stärken und Schwächen unserer Pferde. Aber ich bin keine ‚Siegreiterin mit hohem Risiko‘. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, dass ich für das Goldene Reitabzeichen so lange gebraucht habe. Dafür habe ich eben Rücksicht auf meine Pferde genommen und ihnen nicht das Allerletzte abverlangt.“

Dennoch kann Birgit Weiland einige schöne Erlebnisse aus ihrer Reiterei berichten. Dazu gehören zum Beispiel Starts als Jugendliche bei der Deutschen Jugendmeisterschaft 1996 in Hünxe, vordere Platzierungen bei Hessischen Meisterschaften als Junge Reiterin. Der erste S*-Sieg mit Rambler in Schwetzingen 2004: „Mit diesem Pferd habe ich viel erreicht, unter anderem sechs Siege in Klasse S* und Platzierungen bis S***. Das ist schon ein tolles Pferd“, sagt die Reiterin dankbar. Auch mit Intrepide de Seves war sie in all den Jahren erfolgreich unterwegs und schaffte auch mit den anderen Pferden ebenfalls Siege und Platzierungen. „Ein bedeutender Erfolg im letzten Jahr war für mich der Sieg mit Santhaga im Großen Preis von Detter, der in Klasse S** ausgeschrieben war“, erzählt Birgit Weiland. „Der fehlte nämlich noch in meiner Gold-Tour“, lächelt die Reiterin.

Die langen Jahre der Reiterei und das geduldige Warten auf das Goldene Reitabzeichen werden also demnächst belohnt. Das Maimarkt-Turnier von Mannheim, 6.-10. Mai 2016, wird den Rahmen geben für diesen besonderen Moment in der Reiterkarriere von Birgit Weiland. Eltern und Freunde werden diese Ehrung mitverfolgen und erleben, wie der Mannheimer Turnierchef und Vereinspräsident Peter Hofmann der begeisterten Springreiterin das begehrte „Goldene“ ans
Revers heftet.
Martin Stellberger