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Eva-Maria Lühr springt nun mit Gold am Revers PD 09/2015
Eva-Maria Lühr springt nun mit Gold am Revers

Haiterbach/Bisingen-Hohenzollern.
Das wird sicher ein denkwürdiges Turnier für Eva-Maria Lühr aus Haiterbach, wenn sie am 11. Oktober 2015 auf der Reitanlage Bisingen-Hohenzollern an den Start geht! Denn gleich, ob sie gewinnt oder platziert oder auch keinen Erfolg erringen wird, sie erlangt hier einen besonderen Höhepunkt ihrer Turnierkarriere: Ihr wird das Goldene Reitabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verliehen. „Verliehen“ ist hier das richtige Wort, denn es handelt sich um eine besondere Ehrung, die ein Pferdesportler nur einmal in seinem Leben erfahren darf. Voraussetzung dafür sind entsprechende Erfolge im Pferdesport in der höchsten Klasse. Das sind in der Regel neun Siege in Klasse S* und ein Sieg in Klasse S**. Je nachdem, ob ein Erfolg in einer höherwertigen Prüfung errungen wird, kann dieser angerechnet werden. So im Falle von Eva-Maria Lühr, die in einem S***-Springen den vierten Platz errungen hat. Das war übrigens 2014 in Schutterwald mit ihrem Pferd Concrue. Acht Siege in Klasse S* stammen aus den Jahren 2011 und 2015, allesamt mit Concrue errungen: Das Heimsheimer Turnier scheint in dieser Zeit ein guter Boden gewesen zu sein für die Reiterin, denn dort errang sie allein drei Siege, den ersten 2011. Dazu kamen 2012 der Sieg in Jettingen, 2014 einer in Nußdorf und fünf im Jahre 2015: in Forst, Nordstetten, Leonberg und in Heimsheim gleich zweimal. 2015 schlägt noch ein vierter Platz in Leonberg in einem S**-Springen mit dem Pferd Cretel zu Buche. Allerdings zählen weitere acht zweite und zwei dritte Plätze für ihr „Goldenes Konto“, denn nicht bei jedem Start ist auch eine noch so versierte Reiterin wie Eva-Maria Lühr ganz oben auf dem Treppchen. Schließlich gibt es ja auch zahlreiche gut reitende Konkurrenten. Die Reiterin aus Pfalzgrafenweiler verfügt neben ihrem „Star“ Concrue auch über die Pferde Cretel S, Quel Sauteur, Antonia und zahlreiche Nachwuchspferde. So vielfältig beritten ist es möglich, immer wieder zu punkten. Und das wird die Reiterin in Bisingen-Hohenzollern sicher auch gebührend feiern mit Familie, Freunden und nicht zuletzt mit den Konkurrenten, denn das Goldene Reitabzeichen ist etwas Besonderes.

Wer steckt nun hinter der Person Eva-Maria Lühr? In Freudenstadt im Schwarzwald geboren, besuchte sie in Oberndorf am Neckar die Schule und wurde nach ihrer Lehre 2008 Pferdewirtin. Zwei Jahre später schloss sich eine Steigerung an, denn sie bildete sich zur Pferdewirtschaftsmeisterin weiter. Sie geht ihrem Beruf heute in der Reitanlage des Reit- und Fahrvereins Pfalzgrafenweiler nach, die ihr Vater Heinz Hauke leitet. Dort lebt sie mit ihren beiden 12 und 7 Jahre alten Kindern und wird auch unterstützt von ihrer Mutter Daniela Hauke. So kann sie Kinder, Beruf und Turnierreiterei gut unter einen Hut bringen.

Ihre Reiterei, so erzählt sie, begann unter den Fittichen ihres Vaters, der Architekt ist, aber sein Leben neben dem Beruf ganz den Pferden verschrieben hat. Er wurde in frühen Jahren Reitwart und war in Springen bis zur schweren Klasse erfolgreich, in der Dressur bis Klasse M. „Bevor ich laufen konnte, unternahm er mit mir schon längere Ausritte, bei denen ich auf seinen Schultern saß und meist auch selig eingeschlafen bin.“ Mit acht Jahren bestritt Eva-Maria Lühr ihr erstes Turnier mit dem Pferd Jonathan. „Daran erinnere ich mich natürlich noch sehr genau!“, erzählt die heute 34-jährige. Und so entwickelte sich ihre reiterliche Laubahn, bis sie 1996 erstmals in Klasse S startete: „Damals hatte ich in Oberndorf Celino S unter dem Sattel. Das war auch ein besonderes Erlebnis, erstmals in S zu reiten!“ sagt Eva-Maria Lühr.

Berufliche Zeiten erlebte sie von 1998 bis 1999 auf der Reitanlage Hohe Eichen in Gärtringen, die ihr Vater damals leitete. Ihre Mutter nahm 1998 mit Peter Luther, dem ehemaligen Olympia-Reiter, Kontakt auf. Auf die Frage, ob Eva-Maria die Chance auf einen Ausbildungsplatz in seinem Betrieb habe, hieß es lapidar: Sollte sie noch keine S-Platzierung haben (Eva war 17 Jahre jung), könne man sich diesen Weg sparen! Aber Gott sei Dank hatte Eva-Maria Lühr ihre erste S-Platzierung schon in der Tasche und somit stand der Ausbildungsstelle nichts im Weg. Von 1999 bis 2002 arbeitete sie dann also bei Peter und Thieß Luther in Plön, um ihr Berufsziel Pferdewirtin zu erlangen. Von 2002 bis 2005 machte sie berufliche Station auf Gestüt Rantzau in Schleswig-Holstein, das der Familie von Meerheimb gehört und wo Trakehner und Holsteiner gezüchtet werden. Anschließend arbeitete die Reiterin bis 2012 auf der Reitanlage Heiligenbronn von Petra Schramel-Dussle in Waldachtal-Heilgenbronn. Parallel war sie auch wieder bei ihrem Vater auf der Reitanlage Hohe Eichen in Gärtringen tätig. In diese Zeit fällt auch ihre Abschlussprüfung zur Parcoursbauerin. Durch diese Ausbildung, die Eva-Maria Lühr unter anderem bei Christa Jung, Bad Friedrichshall, genossen hat, hat sie ihre eigene Reiterei gefördert: „Ich lernte die Hindernisse nach Aussehen, Standorten, Hintergrund und Abfolge der verschiedenen Sprünge besser zu beurteilen.“

Seit 2012 lebt und arbeitet Eva-Maria Lühr nun auf der Reitanlage in Pfalzgrafenweiler. „Bei allen meinen beruflichen Stationen, auch als Schülerin bei Praktika bei Georg Höck in Freudenstadt, lernte ich viel für meine Reiterei, ob im Umgang mit Pferden oder bei deren Ausbildung und Förderung – überall nahm ich viel mit und bin meinen Eltern und den verschiedenen Ausbildern bis heute dankbar, dass sie mir alle ihre Zeit und ihr Wissen zuteil werden ließen“, sagt die Reiterin in der Rückschau. Auch die verschiedenen Pferdebesitzer bezieht sie ausdrücklich mit ein, weil sie dankbar dafür ist, dass sie deren Pferde bekam: „Das ist ein großer Vertrauensbeweis in meine Arbeit“, sagt die Reiterin. Die Frage nach ihren Stärken im Sport schließt sich da logisch an. Eva-Maria Lühr sagt über sich: „Mir ist es wichtig, dass ich durch meine solide Ausbildung auf die verschiedenen Charaktere der Pferde gut eingehen kann. Ich versuche nicht nur den Pferden etwas beizubringen, vielmehr lerne ich auch von ihnen. Ruhe und Gelassenheit sind dabei sehr wichtige Eigenschaften.“ Als Schwäche bezeichnet sie ihre „Unfähigkeit, Feierabend zu finden“, ergänzt sie schmunzelnd.

Aber von nichts kommt nichts! Die Arbeit mit den Pferden hat ihr nicht nur das Goldene Reitabzeichen eingebracht sondern auch diverse schöne Erinnerungen: 2014 gewann sie die Silbermedaille bei den Landesmeisterschaften der Reiterinnen in Schutterwald. Ein Jahr darauf ritt sie die sechsjährige Stute Quinja H in Nördlingen zum Titel „Championesse des Schwarz-Goldenen Bandes“. Mit diesem Pferd hatte sie sich zudem für das Bundeschampionat der 6-jährigen Pferde qualifiziert, „wo ich direkt ins große Finale einziehen konnte!“ Bei diesem Gedanken kommt ihr einer ihrer Förderer besonders in den Sinn: „Einer meiner großen Förderer ist Erich Single aus Haiterbach. Er kennt mich von Kindesbeinen an und ist ein langjähriger Freund unserer Familie. Wir kauften von ihm Celino S. Das ist ein sensibler Wallach, der mit mir dennoch innerhalb von nur drei Jahren von „Null“ auf Klasse S* ging. Mit Celino S erreichte ich meine erste S-Platzierung. Und das, obwohl er zunächst nur als Kutschpferd eingesetzt war. Das war für mich eine tolle Erfahrung!“

Auch die Stute Grignan kommt aus dem Stall Single und war mit Eva-Maria Lühr bis S* erfolgreich. Die Tochter der Stute, Concrue, wurde von der Reiterin von klein auf betreut und ausgebildet: „Ich hatte sogleich das Gefühl, sie wird ein ganz toller Sportkamerad werden.“ Die „Verwandtschaft“ ihrer Pferde setzt sich fort in Cretel S, die die Tochter von Concrue ist, beim Bundeschampionat 2013 überzeugte und heute in S* und S** eingesetzt werden kann. In der Tat, diese Stuten - Oma, Tochter, Enkelin - haben den Grundstein für das Goldene Reitabzeichen gelegt.

Es ließen sich noch manche Episoden und Erlebnisse auf dem Weg zum Goldenen Reitabzeichen erzählen. Nur eine soll zeigen, dass es auch neben dem Reitplatz gilt, gute Nerven zu behalten: „Es war 2014 auf dem Weg nach Schutterwald zur Landesmeisterschaft. Ich wollte eigentlich nicht starten, aber mein Vater hat mich dazu gedrängt. Mitten auf der Brücke einer Schnellstraße passierte es dann: Wir hatten eine LKW-Panne. Glücklicherweise war schnelle Hilfe da, denn Marina und Philip Schlaich kamen unverzüglich vom Turnierplatz angefahren und wir konnten meine Pferde auf deren LKW umladen und nach Schutterwald transportieren. Das machte die Starts danach nicht einfach: Concrue war nach diesem Zwischenfall angespannt, was ihre Leistung stark beeinflusste. Quel Sateur hat seinerseits die Nerven behalten und war gut unterwegs. Am dritten Tag hatte sich Concrue wieder gefangen und errang im S***-Springen Platz vier. Nach einer pannenfreien Heimreise standen Reitschüler und Freunde schon jubelnd Spalier.

Auf der heimischen Reitanlage hat Eva-Maria Lühr auch viel mit Pferdefreunden zu tun, die reiten lernen wollen. Das ist das zweite Standbein von Eva-Maria Lühr. Sie ist davon überzeugt, dass es wichtig ist, die Jugend zu fördern und zur Reiterei zu bringen, auch wenn dies im etwas abseits gelegenen Pfalzgrafenweiler nicht immer einfach ist. Die Jugendlichen müssen in der Regel von ihren Eltern gebracht werden. Sie merkt an, dass es für Vereine schwierig wird, die Zukunft einzuschätzen: „Was ist, wenn erst mal die Ganztagesschulen flächendeckend kommen?“ fragte sie schon Mitte des Jahres einmal bei einem Interview. Diese Sorgen lässt sie jedoch nicht überhand nehmen. Sportliche Ziele haben auch ihre Bedeutung, so wie ihr erster Start bei den German Masters im November 2015: „Allein auf das Einreiten in diese Halle freue ich mich riesig“, sagt sie erwartungsfroh.

Über ihre bisherige Laufbahn zieht die „Gold“-Reiterin Eva-Maria Lühr indes ein erstes Fazit: „Jedes Pferd, begonnen bei meinem ersten Pony Sternchen, über das Pferd Almut von der Rennbahn oder die zahlreichen jungen Pferde bis zu den älteren Pferden, welche zur Ausbildung zu mir kommen, hat mich auf dem Weg meiner Entwicklung zur Pferdefrau gelehrt und geprägt, mich zu dem gemacht, was und wer ich heute bin!“ Martin Stellberger