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Gold am Bodensee: Gesa Stark-Hogenkamp bekommt Goldenes Reitabzeichen PD 6/2015
Gold am Bodensee: Gesa Stark-Hogenkamp bekommt Goldenes Reitabzeichen

Konstanz.
Pferdevirus und „Reit-Gen“ liegen ihr im Blut. Urgroßeltern und Großeltern von Gesa Stark-Hogenkamp, die im Juni das Goldene Reitabzeichen bekommt, waren schon Pferdefreunde und eifrige Reitersleute: Meine Eltern Andrea und Werner Hildebrandt sind begeisterte Pferdeleute. Leider hatten sie in ihrer Jugend auch kriegsbedingt nicht die Möglichkeit zum Reiten. Mein Urgroßvater mütterlicherseits, Max Albert Mylius, war zu seiner Zeit Ende der 30er Jahre sogar Rennstallbesitzer und Vollblutzüchter. Als junger Offizier, u. a. als Rittmeister in der kaiserlichen Armee, war er erfolgreicher Rennreiter und gewann wertvolle Ehrenpreise. Auch Mario Mylius, ein entfernter Schweizer Verwandter, war Reitlehrer und erfolgreicher Spring- und Militaryreiter. 1936 nahm er als Kavallerieoffizier für die Schweiz in Berlin an den Olympischen Spielen als Militaryreiter teil und kam mit dem Pferd Saphir auf die Plätze acht und zwölf.“ Bei solch reitbegeisterter Verwandtschaft verwundert es nicht, dass Gesa Stark-Hogenkamp schon als Kind in den Pferdesport einstieg. Mit 12 Jahren begann sie mit dem Voltigieren und mit Reitunterricht in ihrer Heimatstadt Konstanz beim Reit- und Voltigierverein Haller: „Das war eine besonders schöne Seite meiner Kindheit, denn meine Mutter hat es immer irgendwie geschafft, mir in den Ferien Pferde zum Pflegen, Streicheln und Reiten zu organisieren.“ Gesa Stark-Hogenkamp war nicht nur als Kind und Jugendliche begeisterte Voltigiererin, zwischen 1986 und 2001 leitete sie eine eigene Freizeitgruppe in den Vereinen Allensbach, Konstanz und beim Reit- verein Haller.

Mit 17 Jahren bekam Gesa Stark-Hogenkamp ihr erstes eigenes Pferd. „Wir hatten es vor dem Schlachter gerettet“, erzählt sie dem PRESSEDIENST. „Wir haben die gesamte Ausrüstung übernommen, den erst siebenjährigen Peppino, ein Halbblüter, gesund gepflegt und wir hatten viel Spaß und Freude an ihm.“ Es stellten sich sogar erste Erfolge ein im Springen bis Klasse A. In jenen Jahren ab 1995 genoss sie den Unterricht von Palle Steen Jensen, zu dem sie einmal wöchentlich auf den Stockfelder Hof bei Radolfzell fuhr. 1998 aber änderte sich die Reiterei mit dem Rubinstein-Sohn Rochefoucauld. Er wurde ihr von Dr. Horst Wolf aus Konstanz zur Verfügung gestellt und damit begann ein recht ehrgeiziger Weg. Mit viel Freude und Elan machten sich die Reiterin und Dr. Wolf an die Ausbildung des sechsjährigen Pferdes und sie wurden mit vielen Erfolgen von Klasse A bis L belohnt. Im Sommer 2001 wurde Jo Konrad aus Stockach Trainer der Reiterin und ihres Pferdes. Der Fortschritt ließ sich bald erkennen im Aufstieg in Klasse M und im ersten Sieg in der Bodensee-Ringmeisterschaft 2002. Ein Jahr später gelang zwar der erste Start in Klasse S, war aber mit „Roche“ nicht einfach, erinnert sich die Reiterin. Es dauerte dann bis 2008, bis das Paar den ersten Sieg in Klasse S feiern konnte; das war beim Turnier in Jettingen. Bis dahin gab es mehrere Platzierungen in Klasse S, noch einmal den Meistertitel im Bodensee-Reiterring und einen dritten Platz im Pöpperl-Dressur-Cup.

Inzwischen waren die Kinder von Gesa Stark-Hogenkamp herangewachsen und ritten erfolgreich. Tochter Alissa übernahm den erfahrenen „Roche“ und kam mit ihm bald in den Landeskader. Im vergangenen Jahr setzte sich auch Tochter Kim in den Sattel des Halbblüters, der heute 23 Jahre alt ist, und gewann mit ihm ihre ersten A-Dressuren. Ein weiterer Pferdetausch hatte sich indes in der Familie abgespielt, denn von Alissa übernahm Gesa Stark-Hogenkamp im September 2012 deren Pferd Watango. Der Tochter blieb wegen ihres auswärtigen Studiums zu wenig Zeit zum Reiten. Im gleichen Jahr noch zeigte die Mutter mit Watango, dass sie nichts verlernt hatte, ritt in Kandern auf den zweiten Platz der Südbadischen Meisterschaft und gewann den Meistertitel im Bodensee-Reiterring. 2013 wurde sie erneut zweite in der Südbadischen Meisterschaft und gewann dazu in Linkenheim den ersten Amateurcup von Baden-Württemberg. Beide Wettbewerbe waren in Klasse S* ausgeschrieben. Im vergangenen Jahr gelang Gesa Stark-Hogenkamp die Qualifikation für den iWEST-Dressur-Cup, bei dessen Finale in der Schleyerhalle in Stuttgart Platz sieben für die Konstanzerin heraussprang. Überhaupt war das Jahr 2014 ein Jahr schöner Erfolge, sagte die Reiterin: „Watango und ich waren in jeder S*-Dressur mindestens als Dritte oder besser platziert. Mehrfach starteten wir auch erfolgreich in Klasse S**. Fünfmal haben wir in Klasse S* gewonnen.“ Zählt man in der Erfolgsliste nach, so kommt man von Jettingen (2008) über Oberderdingen, Gundelfingen, Ichenheim, Kreuth/Oberpfalz, Linkenheim und Radolfzell auf acht Siege in Klasse S*.

Der Weg zum Goldenen Reitabzeichen war also beschritten und sollte 2015 vollendet werden. Da aber Siege nicht vom Baum zu pflücken sind, musste sich auch Gesa Stark-Hogenkamp weiterhin anstrengen. Der Lohn stellte sich in Lahr- Langenwinkel ein: ein Sieg in Klasse S* und dazu noch der fehlende, aber für das „Goldene“ ebenfalls vorgeschriebene Sieg in Klasse S**. Um all dies zu schaffen, hatte die Konstanzerin viele Lehrgänge besucht, zum Beispiel bei Heike Kemmer in Salem/Beuren auf der Anlage von Silke Ramschütz in Salem und auf dem Weiherhof, dann bei Ton de Ridder auf dem Stockfelder Hof, bei Pieter van der Raadt auf den Anlagen der Familien Moll und Kornmayer in Stockach. Regelmäßig kam Bernhard Scheu auf den Ziegelhof, wo unser Roche stand. Gesa Stark-Hogenkamp erzählt: „Die Lehrgänge und Trainingseinheiten fanden alle mit Roche statt! Auch bei Silke Ramschütz war ich öfter mit Roche in Verbindung mit Heike Kemmer. Silke Ramschütz lehrte mich zudem, mein Pferd richtig zu sitzen und im Rücken zu spüren. Mit Watango kam Hubertus Graf von Zedtwitz aus Düsseldorf als Ausbilder mit dazu und auch Pieter van der Raadt förderte mich nach Kräften. Trainer über die gesamte Zeit ab Juni 2001 hinweg war Jo Konrad.“ Dies zeigt einmal mehr, dass der Erfolg nicht allein errungen werden kann und „viele Väter, respektive Mütter hat“. Aber gerade deshalb freut sich die Reiterin besonders über das Goldene Reitabzeichen, das der inzwischen 46-jährigen Sportlerin am 20. Juni 2015 beim Turnier in Ichenheim verliehen werden wird.

Wie wichtig der Rat von Fachleuten ist, erwies sich bei Watango als besonders angebracht: „Als er mit zwölf Jahren zu uns kam, war er eigentlich abgeschrieben. Mein Mann schuf als Reitsportsattler und Spezialist einen neuen Sattel für Watango und wir stellten das Pferd in seiner Arbeit um“, erzählt die Reiterin nicht ohne Stolz. Gelände, Springen, Longieren, viel Koppelgang - all das stand im Vordergrund und machte Watango wieder zu einem leistungswilligen und leistungsfähigen Pferd. Von dieser Arbeit profitierte damals zunächst Tochter Alissa, die dann auch erste S-Platzierungen einheimste. Inzwischen ist „Wanni“, wie er liebevoll gerufen wird, 17 Jahre alt und so fit, dass er viel Spaß an der Arbeit hat. „Und wir wollen versuchen, noch in Dressuren Klasse S*** unser Können mit anderen zu messen“, sagt seine Reiterin, die damit einen gesunden Ehrgeiz dokumentiert. Fragt man sie über ihre Reiterei, sagt sie: „Mein Mann behauptet, ich sei zielstrebig und fleißig. Ich selbst sage, ich bin leicht chaotisch aber ein sehr fröhlicher Mensch und sehe immer das Positive. Außerdem kann ich gut organisieren.“

Gesa Stark-Hogenkamp bezeichnet sich, was den gehobenen Reitsport angeht, als Späteinstei-gerin. Das war natürlich Beruf, Familie, Kindern, Vierbeinern und Geschäft geschuldet. Gerade im Geschäft sind sie und ihr Mann Robert Stark erfolgreich. Mit ihrem seit 1991 bestehenden Fachgeschäft „Reitsport Live“ in Konstanz bekam die Familie auf der Spoga in Köln den „Händler Award als bestes Reitsportfachgeschäft von Deutschland“. Das macht natürlich stolz. Aber auf Lorbeeren ausruhen ist nicht Sache des aktiven Paares: „Wir wollen auch weiterhin zu den Top Ten in Deutschland gehören“, erklärt Gesa Stark-Hogenkamp, die als Einzelhandelskauffrau den passenden Beruf beisteuern kann. Ihr Mann Robert ist als Reitsportsattler Spezialist, kennt sich sehr gut in der Physiotherapie für Pferde aus und besucht regelmäßig Lehrgänge in Leipzig, um seine Kenntnisse über die Anatomie des Pferdes immer weiter zu verbessern. Letztlich kam also auch die fachliche Seite ihres Mannes zum Erfolg der Reiterin hinzu, um aus Watango ein Erfolgspferd werden zu lassen. Und das wird Gesa Stark-Hogenkamp zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern beim Turnier in Ichenheim feiern (18.-21. Juni 2015), wenn ihr das Goldene Reitabzeichen verliehen wird. Das ist im Übrigen eine Auszeichnung, die nicht jedermann zuteil wird, sich nur auf Erfolge in der schweren Klasse stützt und - nur einmal im Leben eines Pferdesportlers erworben werden kann. Herzlichen Glückwunsch! Martin Stellberger