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Jörg Widmaier trägt das Goldene Reitabzeichen PD 11/2014
Jörg Widmaier trägt das Goldene Reitabzeichen

Leonberg.
Das Goldene Reitabzeichen ist für Jörg Widmaier aus Leonberg ein ganz besonderes Ziel. Er weiß: Das „Goldene“ wird nur verliehen an jene Pferdesportler, die bereit sind, oft über Jahre hinweg konzentriert mit ihren Pferden zu arbeiten. Geduld gehört im Übrigen dazu, weil die Konkurrenz bei den Turnieren nicht schläft. Auch die anderen Reiter mit höheren Ambitionen verstehen zu reiten und zu siegen. Also gehört eine gute Portion Ausdauer dazu, sein Ziel zu erreichen. Pferdeverstand kommt hinzu, denn wer in einem jungen Pferd das Talent erkennt und zu fördern versteht, hat schon einen wichtigen Schritt getan. Diese Fähigkeit hat Jörg Widmaier, wie er sagt: „Ich erkenne relativ früh das Talent eines jungen Pferdes und fördere es dann gezielt. Hinzu kommt, dass ich im Parcours die Übersicht behalte, auch wenn meine Pferde flott und im Stechen auch einmal schnell gehen sollen.“ Allerdings: „Manchmal, wenn ich das Ende eines Wettbewerbs als Niederlage empfinde, neige ich auch dazu, an mir selbst zu zweifeln.“ Dennoch lässt sich Jörg Widmaier dadurch nur kurz beeinflussen. Er steckt den Kopf nie in den Sand und geht am anderen Tag wieder mit Freude und Eifer an die Arbeit mit den Pferden. Denn: „Ehrgeizig und konsequent bin ich schon“, sagt der Reiter über sich. Wer ihn dabei stets aufmuntert und ihm den Rücken frei hält von so mancher Aufgabe auf dem Hof, das ist seine Frau Angelika. „Sie ist eigentlich für alles zuständig“, sagt er schmunzelnd und freut sich dabei, dass er eine solche Partnerin hat. Ein gutes Gespann muss man ja schon sein, wenn man einen großen Reitstall führt, meint der gelernte Pferdewirt, der sich zudem als geradlinig und ausgeglichen beschreibt. Seit 2011 ist er Pferdewirtschaftsmeister und leitet den elterlichen Reitbetrieb in Leonberg, den sein Vater Günter

Widmaier, von Beruf Schlossermeister, 2005 neu errichtet und seinen Sohn mit „in den Sattel“ geholt hatte. Vor 2005 hatte Vater Günter Haflinger gezüchtet und gilt als leidenschaftlicher Kutschfahrer. In diesem Umfeld wuchs Jörg Widmaier auf und machte sich schon in der Jugend nützlich, ritt Ponys, auch Esel, und begleitete die Kutschfahrten der Eltern.

Mit 15 Jahren verstärkte sich Jörg Widmaiers Berufswunsch weiter in Richtung Pferde. Er absolvierte ein Praktikum bei Eberhard Geiger in Münchingen. Mit 16 Jahren kaufte er sich das erste Reitpferd aus dem Donzdorfer Gestüt Birkhof bei Thomas Casper. „Das war ein recht eigenwilliges Pferd und hat mir nichts geschenkt“, erinnert sich Widmaier. „Aber ich habe dadurch richtig reiten gelernt und war herausgefordert. Schließlich hatte ich irgendwann auch Erfolg gehabt, denn ich war mit Pajero von Pageno/Wettstreit in Springen bis Klasse M platziert. Parallel zu diesen Erfahrungen lief Widmaiers Ausbildung zum Pferdewirt. In Aalen war er zudem ein Jahr bei Peter Thanner. Hier lernte er auch seine spätere Frau Angelika kennen, die als Reiterin selbst Siege und Platzierungen bis Klasse M erzielt hat. Inzwischen haben die beiden zwei Kinder von zwei und sechs Jahren.

Dann kam das Jahr 2007. Die Arbeit mit Fine Style von Florestan/Parademarsch hat sich ausgezahlt. „Ich freue mich noch heute riesig über dieses Pferd, das ich selbst ausgebildet habe. Mit der Stute gewann ich den ersten Sieg in Klasse S in Schwieberdingen.“ 2008 folgten Siege in Heimsheim und Leingarten. Hinzu kamen im gleichen Jahr noch sechs zweite Plätze. Forman von Figaro/Wilander gewann außerdem mehrmals Mächtigkeitsspringen bis 2,15 Meter. Auch das war eine tolle Erfahrung für den Reiter. Aragon von Acordelli/Quick Step schenkte ihm schon siebenjährig einen S-Sieg in Kreuth in der Oberpfalz. Weitere fünf S-Siege brachte Jörg Widmaier mit HK’s Chocolate Chip nach Hause und ergänzte mit ihm damit die Liste für das Goldene Reitabzeichen. Quinara brachte die in dieser Saison allein sieben S-Siege ein. Jetzt fehlte nur noch ein Sieg in Klasse S**. „Den schaffte ich erst vor kurzem, nämlich Mitte September in Leonberg mit HK’s Chocolate Chip. Das war ein tolles Gefühl, zumal mein Vater und mein Bruder Daniel diesen Sieg miterlebten. Ich hatte endlich ein großes Ziel erreicht!“ schwärmt Jörg Widmaier und freut sich riesig auf die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens. Die feierliche Übergabe mit der Familie, den Eltern, dem Bruder Daniel und Freunden findet beim Turnier in Marbach statt, genauer am 8. November 2014.

Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Dessen ist sich Jörg Widmaier bewusst, denn er denkt gerne und auch dankbar an jene, die ihn neben seinen Eltern und seiner Frau reiterlich gefördert haben: „Da ist zunächst einmal Eberhard Geiger aus Münchingen. Dazu gehören aber auch Klaus Öhlschläger aus Ditzingen und Ralf Weisschädel aus Sulz am Neckar. Vierter im Bunde ist Wolfgang Arnold aus Ehestetten. Allen habe ich sehr viel zu verdanken in meiner reiterlichen Laufbahn. Ohne Rat und Korrektur kommt man nicht so weit, wie ich bisher gekommen bin!“ betont Jörg Widmaier, der nicht zu erwähnen vergisst, dass er mit der Bäckerei Bauer und der Firma kingsline zwei Förderer hat. Genauso dankbar und vor allem unabkömmlich ist seine Mutter, die aus der Betreuung der beiden Kinder nicht wegzudenken ist und immer ein offenes Ohr für alle hat. „Ohne sie könnte ich mit meiner Frau das alles hier nicht so umsetzen und fürs leibliche Wohl aller sorgt sie auch noch.“

Meisterschaftserfolge kann Widmaier ebenfalls vorweisen: „Zusammen mit Reiterkameraden gewann ich mehrmals die Mannschaftsmeisterschaft im Kreis Böblingen und auch die Mannschaftsmeisterschaft auf Landesebene.“ Ihm kommen für seine Reiterei im Übrigen auch Erfahrungen zugute, die er in der Vielseitigkeit bis Klasse L und in der Dressur gewonnen hat. Widmaier erzählt: „Ich war in der Vielseitigkeit mehrfach platziert und nahm auch am Bundeschampionat teil. Wann immer es möglich ist, reite ich zudem Dressur. Derzeit arbeite ich mit einem jungen Dressurpferd. Ich komme halt aus einem Dressurstall!“ Sein nächstes Ziel, so sagt Jörg Widmaier, ist ein Ticket für das Turnier in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. „Hier geht es dann um den BW-Hallencup und damit um das begehrte Hallenchampionat. Widmaier ist auch stolz auf sein Pferd Quinara, das Widmaier als ein in jungen Jahren sehr kompliziertes Pferd beschreibt. „Aber ich habe immer an Quinara geglaubt und das hat sich gelohnt. Sie hat in den letzten Jahren wesentlich zu meinen Erfolgen beigetragen!“
Martin Stellberger