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Silke Ramschütz bekommt das Goldene Reitabzeichen PD 9/2014
Silke Ramschütz bekommt das Goldene Reitabzeichen

Salem.
Einen großen Schritt auf der Erfolgsleiter hat Silke Ramschütz aus Salem gemacht: Sie hat so viele Dressurerfolge gesammelt, dass sie beim Radolfzeller Turnier (13.-14. September 2014) das Goldene Reitabzeichen verliehen bekommt. Diese Ehrung durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung ist etwas Einmaliges im Leben eines Pferdesportlers. Medaillen und Meistertitel können wiederholt errungen werden. Das Goldene Reitabzeichen gibt es nur einmal im Leben eines Reiters. Deshalb wird es auch nur verliehen an jene Sportler, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die gebürtige Berlinerin Silke Ramschütz hat diese Voraussetzungen erfüllt. Allerdings dauerte es fast zwei Jahrzehnte, bis sie so weit war: Denn mindestens zehn Siege in Klasse S*, darunter ein Sieg in S** sind nicht einfach am Turnierplatz abzugreifen. Hinter dem Goldenen Reitabzeichen stehen oft Jahre harter und kontinuierlicher Arbeit mit den Pferden.

Silke Ramschütz konnte ihren ersten S-Sieg 1995 in Radolfzell mit Sultano erreichen. Mit dem von ihr selbst ausgebildeten Hannoveraner Spitzweg-Graphit-Sohn ging die selbständige Pferdewirtschaftsmeisterin erfolgreich weiter auf Turniere und sammelte bis 2000 in Ichenheim, Radolfzell und Aulendorf weitere Siege. In Aulendorf gewann das Paar im Jahr 2000 die Kür. Auch mit dem Hannoveraner World Play von World Cup I gelang ihr in Tettnang ein Dressursieg im Jahr 2001. Dann war längere Zeit Pause mit Spitzenerfolgen. Zehn Jahre gingen ins Land, bis Silke Ramschütz weiter am Goldenen Reitabzeichen arbeiten konnte. Mit Damour gelang ihr der Anschluss. Auch diese Baden-Württemberger Stute von Disco Tänzer-Fabriano hat die Reiterin selbst ausgebildet. In Weil am Rhein gelangen ihr 2012 gleich zwei Siege in schweren Dressuren. Dann stellte sie Dolce Rossa, eine Hannoveraner Stute von Donnerhall-Rubinstein, vor und bewies einmal mehr ihre gute Hand für junge Pferde, denn auch dieses Pferd bildete Silke Ramschütz selbst aus, was wiederum erklärt, dass zwischen den S-Siegen oft lange Pausen entstehen, bis ein Pferd S-Niveau erreicht hat. Allerdings fehlte für das Goldene Reitabzeichen nur noch ein Sieg. Den holte sie sich mit Damour im Mai 2014 beim Turnier in Weil am Rhein und zwar in einer Kür. Am Rande sei bemerkt, dass Silke Ramschütz ihre „alten“ Pferde gut pflegt, denn sie sagte gegenüber dem PRESSEDIENST: „Meine alten Pferden leben alle noch! Sultano ist inzwischen 29 Jahre alt und steht bei mir im Stall. World Play, der mir nicht gehörte, ist 27 Jahre und lebt auf einer Rentnerkoppel bei Bad Saulgau.“

Wie entwickelte sich die Reiterei im Leben von Silke Ramschütz? Sie erinnert sich: „Meinen Eltern habe ich viel zu verdanken. Nach Kindheitsjahren auf Ponys eines Bauernhofes in der Nachbarschaft bekam ich beim Reitverein Ailingen als Elfjährige erstmals Reitunterricht. Mein Bruder hatte mich für die Pferde begeistert, denn auch er bekam Reitunterricht. Ich erhielt dann mit 15 Jahren mein erstes eigenes Pferd.“ Ab da mussten die Eltern Horst und Gertraude Ramschütz viele Wochenenden mit der Tochter und ihrem Pferd auf Turnieren verbringen. „Mit 16 wusste ich, dass ich die Reiterei zu meinem Beruf machen möchte. Allerdings – die Schule ging vor und das hat letztlich auch meiner Berufsausbildung gut getan.“ Ihre Ausbildung verlief nach der Mittleren Reife und zwei Jahren Wirtschaftsgymnasium zur Pferdewirtin in den Jahren 1987 bis 1990. Hier stand ihr der Bad Saulgauer Reitlehrer Falk-Ingo Kettlitz als Ausbilder zur

Seite. 1993 wurde sie Pferdewirtschaftsmeisterin und arbeitet heute als selbständige Reitlehrerin auf dem Reiterhof Bächen der Familie Horn in Salem. „Meine reiterliche Entwicklung wurde indes entscheidend geprägt von verschiedenen Reitlehrern. Einer meiner Lehrmeister war Falk-Ingo Kettlitz aus Bad Saulgau. Die Weichen zwischen Springsport – hier hatte ich Erfolge bis Klasse L – und Dressursport stellte allerdings endgültig Werner Schwenk, der bis 1983 Reitlehrer in Ailingen war. Weil ich mich beruflich früh selbständig machte, habe ich viele Lehrgänge besucht, um möglichst viel zu lernen.“ Einer, der sie besonders beeinflusst hat, ist der international hoch angesehene Johann Hinnemann aus Voerde. „Dort war ich allerdings zuletzt vor vier Jahren. Leider ist die Entfernung doch zu groß für regelmäßige Besuche.“ Aber sie hat ja als Reiterin noch andere Möglichkeiten. So nutzt sie die Angebote der Ausbilder Silvia Iklé aus Zürich und Johann Riegler aus Wien. Diese beiden, so betont Silke Ramschütz, haben besonderen Anteil an den Erfolgen der letzten Jahre. „Regelmäßig trainiere ich bei Silvia Iklé, die häufig zum Unterricht herkommt. Und bei Johann Riegler reite ich zweimal jährlich bei Lehrgängen. Man lernt ja bekanntlich auch als Reiter nie aus. Deshalb ist es mir sehr wichtig, immer wieder verschiedene Ansichten, Meinungen und Tipps zu bekommen. Nur so hält man sich fit und bildet sich weiter“, sagt Silke Ramschütz.

Silke Ramschütz schätzt sich als zielstrebig und geduldig ein, manchmal sogar als perfektionistisch, was sie gelegentlich ein wenig unsicher werden lässt. Gleichwohl hat sie genaue Vorstellungen und möchte ihre Zukunft weiterhin darin sehen, gute, junge Pferde und Reiter auszubilden. Zunächst aber freut sie sich auf das Radolfzeller Turnier. „Hier hat eigentlich alles angefangen mit meiner Reiterei. Hier möchte ich gerne das Goldene Reitabzeichen bekommen. Das wird bestimmt ein besonderer Augenblick in meinem Reiterleben!“ Beim Turnier vom 13.-14. September wird der Traum vom Goldenen Reitabzeichen wahr.
Und dazu kann man nur gratulieren.
Martin Stellberger