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Pferdeschändungen werden künftig in Zentraldatei erfasst Stuttgart. PD 07/2014
Pferdeschändungen werden künftig in Zentraldatei erfasst

Stuttgart.
Wie die Schwäbische Zeitung vom 11.6.2014 berichtet, soll es bald eine Zentraldatei für Verdachtsfälle von Pferdeschändungen geben. In der Zeitung wird die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger zum Thema zitiert. Dazu heißt es: „Wie viele Tiere im Land jährlich missbraucht werden und ob die Zahl zu- oder abnimmt, steht in den Sternen. Die Behörden gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, insbesondere bei der Schändung von Pferden. Beim Ministerium für Ländlichen Raum (MlR) sind in den Jahren 2011 und 2012 zwar landesweit lediglich 24 Verdachtsfälle akten-kundig geworden, doch manche Fälle wurden nur eher zufällig entdeckt.“

Jetzt soll die Bündelung der Meldungen über vermutete oder tatsächliche Tierschändungen in Karlsruhe erfolgen und zwar beim Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt. Die SZ schreibt dazu weiter: „Das CVUA soll über jeden Fall möglichst kurzzeitig und vorzugsweise schon zu Beginn der Ermittlungen benachrichtigt werden“, heißt es in einem Erlass des Ministeriums an die Regierungs-präsidien. Auch Polizeidienststellen und Tierärzte sollen über die neue Zuständigkeit informiert wer-den.“ Denn: „In der Regel findet man keine Hinweise auf den Verursacher. Oft werden die Taten ja auch erst Tage später oder gar nicht erkannt“, sagt Cornelie Jäger.

Die SZ schreibt weiter: „Das Phänomen ist nicht neu: Berichte über Sodomie oder Zoophilie finden sich auch in alten Büchern.“ Der Bremer Kriminalpsychologe Professor Dietmar Heubrock geht davon aus, „dass der sexuelle Kontakt einiger allein stehender Männer zu Tieren in ländlichen Gebieten zu früheren Zeiten durchaus von der Gesellschaft toleriert wurde. Das ist heute definitiv anders: Im Juli 2013 war das Tierschutzgesetz verschärft worden. Seitdem ist es nicht nur verboten, Tiere zu schädigen. Ausdrücklich untersagt ist nun auch, „ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen.“

Cornelie Jäger: „Die Gesetzesänderung macht deutlich, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Dieses gesellschaftliche Signal ist sehr wichtig.“ Dietmar Heubrock: „Es könne durchaus sein, dass sexuell-sadistisch veranlagte Täter die Verstümmelung von Pferden nur als „Vorläufer-delikt“ auf dem Weg zu menschlichen Opfern sähen. Es gebe Täter, die bei „ihrem Tier“ bleiben. Andere würden sich langsam an ihre „Maximalphantasie“ heranarbeiten.
Soweit die Schwäbische Zeitung.

Die Redaktion des PRESSEDIENSTES meint dazu:
Seit Jahrzehnten verfolgt der PRESSEDIENST aufmerksam die Vorfälle im Bereich Pferdeschändungen. Es gibt zu ganz bestimmten Zeiten im Jahr eine Häufung von Übergriffen auf Pferde. Auch das Phänomen der Sodomie und Zoophilie ist seit Jahrzehnten bekannt und wurde schon vor 20 Jahren bei einem Symposium der Deutschen Gesellschaft zum Schutz des Pferdes in Höxter ausführlich dargestellt. Lange schon wissen Ermittler, dass es Täter gibt, die sich durch die Miss-handlung von Tieren, vorzugsweise von Pferden, allmählich an Verbrechen gegen Menschen heranarbeiten. Eine wissenschaftliche Arbeit untersuchte damals zum Symposium dabei neben histori-

schen Vorgängen auch die aktuelle Szene derer, die mit Tieren sexuellen Kontakt haben. Was da abgeht, kann und will man sich a) nicht vorstellen und kann es b) auch nicht begreifen. Gleichwohl war es an der Zeit, die Übergriffe auf Pferde, aber nicht nur auf diese, schärfer zu ahnden. Endlich ist das Gesetz griffig genug, Täter zu bestrafen - nicht nur wegen „Hausfriedensbruchs“, „Sachbeschädigung“ oder „Tierquälerei“.

Ein Zweites: Viele Fälle von Pferdeschändungen, die dem PRESSEDIENST und damit dem Pferdesportverband Baden-Württemberg bekannt wurden, wurden von der Polizei aufgenommen und untersucht. Wenige Fälle wurden aufgeklärt, ebenso wenige Täter verurteilt. Der Redaktion des PRESSEDIENSTES ist bisher nur ein spektakulärer Fall aus dem Raum Ravensburg aus den Jahren um 2000 bekannt. Der Täter ist inzwischen verstorben. Seitens der Polizei heißt es immer wieder, sehr oft aber eher zugeknöpft, dass die Spurenlage sehr schwierig sei und Täter kaum zu ermitteln seien. Nachfragen bei den ermittelnden Dienststellen werden sehr oberflächlich und unbefriedigend beantwortet. Die Redaktion bekam z. T. gar keine Antwort trotz Mail-Zusage. Mehrfach hat der Autor dieser Zeilen in den Gesprächen mit der Polizei danach gefragt, ob es denn keine zentrale Stelle im Lande gäbe, die Tierschändungen erfasst, auf die man sich bei der Suche nach Tätern oder Ähnlichkeiten der Tatabläufe stützen könnte. Es gab fast immer eine eher vage Antwort dazu, die im Grunde unbe-friedigend war und nahe legt, dass das Thema nicht überall so ernst genommen wird, wie es den Tierbesitzern zukommt. Die Zurückhaltung bei Anfragen ist immer dann besonders zu spüren, wenn das Wort „Presse“ fällt. Reflexartig, so hat man den Eindruck, zieht man sich dann zurück und ver-weist auf den „Pressesprecher“. Der weiß in der Regel auch nichts anderes als die „Aktenlage“ zu zitieren, was nicht wirklich weiterführt und das Interesse der Bürger und Tierbesitzer kaum stillt.

Jetzt also gibt es eine Zentralstelle in Karlsruhe und die Polizei und die Regierungspräsidien sind angewiesen, entsprechende Erkenntnisse und Ermittlungen dort zu melden. Es wird Zeit, dass sich hier etwas zum Positiven ändert und es eine klare Anweisung zur Sammlung von Vorgängen gibt. Bleibt zu hoffen, dass diese Zentralstelle dann auch eine Grundlage schafft, auf der Zusammenhänge von Taten und Tätern besser erkannt werden können. Man ist immer wieder erstaunt, wie rasch es Ergebnisse gibt, wenn es Verbrechen gegen Menschen gibt. Das ist gut so. Aber viele Pferdebesitzer landauf, landab hätten gerne auch einmal das Gefühl, dass die Ermittlungen bei Übergriffen auf ihre Tiere mehr Erfolg hätten.
-stb-