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Natalie Betz: Mit 26 Jahren bekommt sie das Goldene Reitabzeichen PD 07/2014
Natalie Betz: Mit 26 Jahren bekommt sie das Goldene Reitabzeichen

Wittenbach (CH)/Reutlingen/Tübingen.
Das Pfingstturnier von Aulendorf 2014 brachte den entscheidenden Erfolg für Natalie Betz: Mit ihrem Fuchswallach Weitsicht startete sie in der S***-Dressur und kam am Ende auf Platz vier. Ein tolles Ergebnis, das Folgen hat: Mit dieser hohen Platzierung waren die Bedingungen für das Goldene Reitabzeichen komplett! Das wird der jungen Frau beim Turnier in Tübingen vom 4.-6. Juli 2014 verliehen. Verliehen ist dabei der richtige Ausdruck, denn das „Goldene“ kann ein Pferdesportler nicht über Qualifikationen und Lehrgänge erwerben wie das zuvor verpflichtende Silberne Reitabzeichen. Das Goldene Reitabzeichen kann nur bekommen, wer eine bestimmte Zahl von Erfolgen in schweren Wettbewerben errungen hat. Bei Natalie Betz geht es dabei über Erfolge im Dressurreiten. Zum Beispiel muss ein Reiter neun Siege in Klasse S* plus einen Sieg in Klasse S** vorweisen. Allerdings werden Erfolge in höherwertigen Dressuren aus dem umfangreichen Katalog der schweren Klasse ebenfalls gewertet, so dass auch Spitzenplatzierungen ohne Sieg berücksichtigt werden wie im Falle des vierten Platzes von Aulendorf für Natalie Betz. Zuvor jedoch hatte die junge Frau, die aus Reutlingen stammt, für den Reitverein Reutlingen startet, aber in der Schweiz lebt, mit ihrem Schimmel Rich Charly II sieben Siege in Klasse S errungen. Seit 2007 ist Natalie Betz auf S-Tour unterwegs und hat sich in der Szene einen eigenen Namen gemacht. Einen eigenen Namen, weil auch ihre Mutter, die Tierärztin und Dressurreiterin Dr. Karen Betz, über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist für ihre Erfolge in der Dressur. Doch sieben Siege von Ichenheim bis Schutterwald reichen noch nicht für das „Goldene“. Den allerersten S-Sieg errang sie schon 2004 mit Falsterbo in Kirchzarten.

Wie schwer es ist, ein Pferd für die höchsten Lektionen auszubilden, zeigt die „Pause“ vom ersten Sieg 2004 bis zum zweiten 2007 in Ichenheim mit Rich Charly. Das ist eine von Geduld und Ausdauer geprägte Zeit der Ausbildung, die dann aber, wenn alles gut läuft, auch belohnt wird. Ein fünfter Platz in einer Dressur S*** in Schutterwald 2010 geht auf das Pferd Wallentin 4 zurück. Doch bis zum „i-Tüpfelchen“ fehlte noch eine weitere gute Platzierung: In Aulendorf gelang Natalie Betz dieser letzte Schritt zum Goldenen Reitabzeichen, denn ein vierter Platz in S*** ersetzt einen Sieg in S* oder S**. Das „Goldene“ ist auch deswegen so begehrt, weil es nur einmal im Leben eines Pferdesportlers verliehen wird – egal, wie viele Siege und Platzierungen oder gar Meistertitel noch hinzukommen. Wer das Goldene Reitabzeichen am Revers tragen darf, darf auch von sich sagen: „Ich habe viel Zeit, Geduld und Ausbildung in meine Pferde und mich selbst investiert.“

Doch die Reiterei ist nicht alles: Hinter einer solchen Ehrung stehen ein Mensch und sein Umfeld, meist die Familie, die fördernd und fordernd den sportlichen Weg begleitet. Natalie Betz stammt aus einer reitbegeisterten Familie. Ihre Mutter Karen ist selbst Trägerin des Goldenen Reitabzeichens und bildet Pferde bis zum Grand Prix aus. Auch Schwerster Elena gehört inzwischen zur erfolgreichen „Dressur-Truppe“ aus Reutlingen. Nur Vater Thomas Betz, von Beruf Spediteur, hatte sich als Springreiter einen Namen gemacht und kann auf viele Erfolge in Klasse S zurückblicken. Auch er ist Träger des Goldenen Reitabzeichens.

Wenn also eine ganze Familie den Pferden zugewandt ist, muss das ja positive Folgen haben. Auch für Natalie Betz, die sich, obwohl sie von Beruf Logistik-Kauffrau ist, mittlerweile ganz auf die Pferde eingelassen hat. Sie will weiterhin junge Pferde ausbilden, Reitschüler gut trainieren und selbst noch etliche Jahre im Turniersport erfolgreich sein. Das gelingt ihr derzeit vornehmlich von der Schweiz aus, wo sie mit ihrem aus Belgien stammenden Freund und Springreiter Raphael Masson in St. Gallen den Ausbildungsstall für Dressur und Springen betreibt, der der Familie Betz gehört. Selbst die Großeltern väterlicherseits hatten als bekannte Züchter und Mäzene mit Pferden zu tun. Der Großvater mütterlicherseits, Wilhelm H. Bung, organisierte zu seiner Zeit überregionale Turniere. Somit sind die Voraussetzungen für die Zukunftspläne der nachwachsenden Generation ebenfalls gut. Allerdings bleibt Natalie Betz ihrem Heimatverein in Reutlingen treu und startet auch in dessen Namen. Das halten auch Mutter Karen und Schwester Elena so, obwohl die Familie vorwiegend in der Schweiz lebt.

„Meine Mutter“, so sagt Natalie Betz anerkennend und dankbar, „hat mich reiterlich am meisten geprägt und vorangebracht. Das ist auch der Grund, warum ich mich im Grand Prix festigen konnte. Sie hat ungemein viel Erfahrung, denn schon als Juniorin war sie in den 1970-er Jahren Mannschaftseuropameisterin.“ Über ihre Pferde sagt Natalie Betz: „Ich habe sehr gute Pferde, die mich stark gemacht haben. Besonders tief verbunden fühle ich mich mit Leonardo, der mich 2007 zum iWEST-Cup in der Schleyer-Halle trug. Schade, dass ich mit ihm nie einen S-Sieg erringen konnte.“ Über sich selbst sagt die junge Frau, sie sei ehrgeizig aber nicht verbissen, pflichtbewusst aber auch verständnisvoll. „Bei Turnieren aber bin ich oftmals nervig“, bekennt die Reiterin.

„Meine reiterlichen Erinnerungen reichen bis in mein drittes Lebensjahr zurück, damals, 1989, bekam ich das Shetlandpony Juri. Der ist jetzt 29 Jahre alt und fühlt sich noch pudelwohl. Mit zehn Jahren durfte ich Mutters Grand Prix-Pferd Gold Cup reiten, sozusagen als Lehrpferd, mit dem habe ich dann meine ersten A- und M-Dressuren geritten.“ 2000 kam der Holsteiner Leonardo zu Natalie Betz. „Der hat mich ganz besonders geprägt: Erstens habe ich mit ihm den Sprung in die Klasse S geschafft und er hat mich zweitens in alle Championate für Junioren und Junge Reiter getragen. Sogar Deutsche Meisterschaften habe ich mit ihm bestritten. Schade, dass wir 2004 bei den Deut-schen Meisterschaften den Einzug ins Finale verpasst haben: Es fehlten ganze zwei Punkte.“ Mit dem Oldenburger Falsterbo hat Natalie Betz neben Leonardo ein zweites Pferd im Stall, das zahlreiche Erfolge errang. 2004 siegte Natalie Betz mit ihm in Kirchzarten zum ersten Mal in einer S-Dressur. 2006 kam dann der sächsisch gezogene Rich Charly in den Betz’schen Stall und erfüllte die Er-wartungen ganz besonders. „Er war der Garant für viele hohe Platzierungen und vor allem für die wichtigen S-Siege in meiner Zeit als Junge Reiterin und auch danach. Zudem habe ich mit ihm eben-falls Deutsche Meisterschaften bestritten. In Schutterwald bescherte mir Rich Charly drei S-Siege.“

2009 kam mit Wallentin ein Hannoveraner zu Natalie Betz, der im Drei-Sterne-Bereich erfolgreich wurde. Mit ihm nahm sie am Lehrgang zum Piaff Förderpreis teil, errang 2010 Platz fünf im Grand Prix von Schutterwald. „Leider verletzte sich Wallentin inzwischen so, dass er nun sein Rentnerdasein auf der Koppel genießen darf.“ Auch das gehört zum Leben mit Pferden, dass man Entscheidungen treffen und Verzicht üben muss. Und wenn man, wie Natalie Betz, dermaßen mit Pferden verbunden ist, dann gilt es auch, einen Verlust zu ertragen und es spricht für die Reiterin, ihr Pferd auch dann zu behalten, wenn es nicht mehr einsetzbar ist. Natalie Betz ist aber optimistisch, was ihre Reiterei angeht und erzählt: „Seit 2013 reite ich nun Weitsicht, der mir die Erfolge für das „Goldene“ komplettierte. Der Oldenburger ist erst 12 Jahre alt und ich hoffe, dass er mir noch viele schöne Erfolge ermöglicht!“ Jetzt steht erst einmal ein besonderer Erfolg im Blickpunkt von Natalie Betz: Die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens beim Landeschampionat in Tübingen. Herzlichen Glückwunsch.
Martin Stellberger