Startseite
Kontakt
Grischa Ludwig reitet für Deutschland PD 9/2002
BITZ. Wenn man nur mit den vielen Fachbegriffen zurecht käme! Da merkt Otto-Normal-Reiter, dass es neben Springparcours und Dressurviereck, Voltigieren und Fahren noch etwas anderes gibt, das vielen Pferdemenschen Freude bereitet: Westernreiten. Grischa Ludwig aus Bitz auf der Schwäbischen Alb gehört zu der Spezies Pferdemenschen, die mit den vielen Fachbegriffen im Westernreiten nicht nur spielerisch umgehen können. Grischa Ludwig kann das auch umsetzen, wovon er redet. Der hochgewachsene, schlank-drahtige junge Mann, Jahrgang 1974, ist beruflich selbständig und unterhält einen Zucht-, Trainings- und Verkaufsstall für Westernpferde. Die Liebe zu den Pferden bekam er vor allem vom Vater mit: Dieter Ludwig ist Leiter des Therapeutischen Reitens in der Diakonie Stetten im Remstal. Auch Bruder Sascha ist Westernfan, ist ebenfalls Trainer und war schon Europameister.

"Mich hat vor allem der Sieg bei der Americana open Reining 2000 geprägt", sagte Grischa Ludwig gegenüber dem PRESSEDIENST. "Ich war der erste Deutsche, der diese Trophäe gewann!" Und jetzt freut sich der junge Mann über seine Nominierung für die Weltreiterspiele. Erfahren davon und sein Teil dazu beigetragen hat er in Mannheim, wo Turnierchef Peter Hofmann neben den Deutschen Meisterschaften 2002 der Spring- und Dressurreiter erstmals den Westernreitern eine tolle Gelegenheit bot, ein breites Publikum anzusprechen.

Blättert man das Archiv durch, so wird deutlich, wie vielfältig die Wettkampfarten im Westernreiten sind. Grischa Ludwig kann hier eine ganze Palette von Erfolgen beisteuern, die das Bild bestätigen: 1992 gewann er in Australien den Youth Quarter Horse World Cup im Western Riding. In Aachen errang er 1996 den Sieg bei der Europameisterschaft im Junior Reining; ein Jahr später war er Europameister und Reserve im Junior Working Cowhorse. 1998 verteidigte er in Kreuth seinen Titel von Aachen 1996. Nach weiteren Stationen wurde Ludwig 1998 in Aachen erstmals Deutscher Meister im Senior Working Cowhorse.

Bremen, Kreuth, Italien, Augsburg, wieder Italien - Grischa Ludwig ist viel unterwegs um seine Wettkämpfe zu absolvieren. Nach Hause kommt er selten mit leeren Händen. Unzählige Titel, vor allem Europameisterschaften hat Grischa Ludwig gewonnen. Und da es ja "viele" unterschiedliche Disziplinen gibt im Westernreiten, hat ein Mann wie er auch viele Möglichkeiten, seine eigene Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen, obwohl es auch im Westernreiten Anzeichen für die Spezialisierung gibt. Der Trend gehe dahin, so wurde in Mannheim deutlich, die einzelnen Disziplinen mit speziellen Pferden zu bewältigen. Das heißt, die Pferde müssen nicht mehr alle Disziplinen des Westernreitens leisten, sondern werden nur in ihrer stärksten Disziplin vorgestellt.

Grischa Ludwigs wichtigste europäische Erfolge errang er 2000 in Italien: Hier gewann er mit seinen Pferden gleichzeitig die Go Round Wertung, das Limited Open Derby und das Open Derby! Und mit dem Sieg der Americana gelang es erstmals einem deutschen Reiter, die höchst dotierte NRHA Bronce Trophy Reining zu gewinnen. NRHA steht dabei für National Reining Horse Association, was soviel heißt wie Rasseoffener Verband für die Disziplin Reining. Dieser Sieg brachte ihm den 3. Platz der Gesamtjahreswertung der Welt ein, was wohl mit der Weltrangliste der Spring- und Dressurreiter vergleichbar ist.

Grischa Ludwig, amtierender Deutscher Meister im Reining, ist seit sechs Jahren Trainer des deutschen Jugend-Nationalteams. Auch in diesem "Job" ist er erfolg-reich: Seine Schüler errangen zwei vierte Plätze bei der Jugendweltmeisterschaft, die alle zwei Jahre stattfindet. Zwei seiner Schüler errangen sogar Einzelwelt-meistertitel im Reining und Cutting. Einer wurde Vizeweltmeister im Cutting.

"Eigentlich war ich Radsportler und habe schon von der Tour des France ge-träumt", erzählte Grischa Ludwig einmal. Auch Bogenschießen und Leichtathletik faszinierten ihn mehr als das Reiten, das zunächst eher Pflichtprogramm beim Vater war. Doch schließlich entschied sich Grischa Ludwig endgültig für die Pferde. Längst lebt er von der Westernreiterei, zwar nicht von den Preisgeldern bei Turnieren, dafür aber von seinem Ausbildungsstall. "Auch die Sponsoren entdecken den Westernsport immer mehr", sagt der Champion, auch wenn sich diese Gelder noch lange nicht mit denen der "klassischen" Disziplinen vergleichen lassen. Seinen Lebensunterhalt sichert ihm sein Hof in Bitz: Auf dem Schwantelhof im Zollernalbkreis, ganz in der Nähe von Sigmaringen, läuft seine Firma rund: "Ludwig Quarter Horses". Hier hat er in seiner Geschäftspartnerin Silvia Maile eine versierte Pferdewirtschaftsmeisterin zur Seite. Der Hengst Olena San Badger gehört zu den besten Vererbern in Deutschlands Western-pferdezucht und bringt eine Decktaxe von 1600 Euro. Dazu kommen etliche Zuchtstuten und über 50 Ausbildungspferde, die von Grischa Ludwig und zwei weiteren Bereitern ausgebildet werden.

"Ich habe mein Faible für die Westernreiterei während der Americana 1989 in München entdeckt" erzählt der Reiter mit dem Cowboy-Outfit. Sein erstes Wes-ternpferd habe er dann in Plüdershausen gekauft, die Stute Colonell Sugar Doc. Wenig später ging Grischa Ludwig für zwei Jahre nach Hannover, wo er bei Volker Laves, einem der führenden Züchter und Ausbilder in Deutschland Erfahrung sammelte. In diesen Jahren reiste Grischa Ludwig immer wieder nach Amerika, wo er auch über ein halbes Jahr auf einer Ranch bei Todd Arvidson arbeitete. Auch traf er in USA zum Beispiel Monty Roberts und lernte bei ihm viel über die Kommunikation mit Pferden. Daraus resultiert auch Grischa Ludwigs Ansicht: "Einfühlungsvermögen und die Kommunikation mit dem Pferd ist die Basis, auf der ich alles aufbaue." Um seine Sportart, seinen Hof und das Geschäft auch außerhalb der Westernszene richtig bekannt zu machen, organisiert Ludwig gelegentlich eigene Schautage, zum Beispiel im Reitsportzentrum Bisingen-Hohenzollern. Im Frühjahr präsentierte er dort einige Hengste sowie die verschiedenen Disziplinen im Westernreiten. Dazu lädt er seine Kollegen aus der Nationalmannschaft ein und findet mit einem guten Programm ein großes Publikum.

"Fliegende Galoppwechsel, rasante Wendungen auf der Hinterhand, spektakuläre Stops aus vollem Galopp begeistern die Zuschauer" schrieb eine Zeitung über den Sport, der vor knapp zwei Jahren der FN angeschlossen wurde. "Ein wichtiger Schritt" meint Ludwig, denn jetzt wurde Reining als eigenständige Disziplin anerkannt. Um sich für die Weltreiterspiele in Jerez "rundum" vorbereiten zu können, kommt Grischa Ludwig seine kleine afrikanische Rinderherde zupass. Mit ihnen trainiert er das "Working Cowhorse", eine Disziplin, die in Jerez de la Fronterea erstmals ins Wettkampfprogramm aufgenommen wurde. Geduldig erklärt Grischa Ludwig indes dem Fragenden, was man unter den verschiedenen Disziplinen versteht. Ein Beispiel: "Reining ist die Western-Dressur, bei der man verschiedene "Manöver" punktgenau ausführen muss", sagt der Fachmann. Diese Grunddressur aller Westernpferde wird einhändig geritten und geht auf die Rancharbeit zurück. Die Manöver umfassen den fliegenden Galoppwechsel, das Durchparieren aus dem Galopp (Slinding Stop), 180-Grad-Drehungen nach einem Stop auf der Hinterhand (Roll back), vier schnelle 360-Grad Drehungen auf der Hinterhand ohne abzusetzen (Spins), Tempowechsel ohne Annehmen der Zügel (Speed Control) sowie das Rückwärtsrichten mit Übergang zum Rückwärtstrab am langen Zügel (Back up). Alles klar? Vorurteilen, die heftigen Stops verschlissen das Pferd, hält Grischa Ludwig entgegen: "Quarter Horses haben eine stark bemuskelte Hinterhand und bieten diese Stops natürlich an. Durch korrekte Körperhaltung des Pferdes bei dieser Arbeit sei die Stauchungsgefahr der Knochen gering. Und so ist Grischa Ludwig guten Mutes und bereitet sich auf seinen Ritt für Deutschland in Jerez de la Frontera, Spanien, vor. Good luck, Grischa!

Link: www.lqh.de