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Goldenes Fahrabzeichen für Edwin Kiefer PD 9/2002
HORB. "Das Fahren habe ich mir selbst beigebracht, insofern bin ich Autodidakt. Aber meine Beifahrer, Peter Hertkorn und Sonja Weinmann, sind ganz kritische Kameraden, von denen ich viel gelernt habe." Edwin Kiefer ist dem Fahrsport verfallen, dem Fahrsport mit den Ponys. Begonnen hat die Leidenschaft Anfang der Neunziger Jahre. Schon 1994 bestritt der heute 43-jährige Horber Geschäftsmann erste Turniere, damals noch einspännig. 1996 gewann er sein erstes wichtiges Turnier in Neu-Anspach mit Blue Adrett als "Zugpferd". Vor allem Bundestrainer Ewald Maier aus Meißenheim und Top-Fahrer Michael Freund aus Neu-Isenburg sind wichtige Begleiter Kiefers auf dem Weg in die nationale Spitze der Pony-Fahrer. Ihnen und ihren Lehrgängen hat er viel zu verdanken.

Inzwischen hat Kiefer mit Arki, Denis, Muskat und Ronja einen Pony-Viererzug, der sein ganzer Stolz ist. Seit 2000 reihen sich die Erfolge mit dem Gespann aneinander. Dafür nimmt Edwin Kiefer lange, manchmal recht beschwerliche Anreisen in Kauf, weil ja gerade die Fahrer einen umfangreichen Tross benötigen, um Wettkampfreife zu erlangen und Wettkämpfe bestehen zu können. Viele Turniere finden außerhalb Baden-Württembergs statt. So ist es nicht verwunderlich, wenn in der Erfolgsliste des Horber Fahrers Städte aus ganz Deutschland auftauchen: Schwalm-Dilkrath, Wilsdruff, Landstetten, Grasbeuren, Biblis, Sachsenhausen, Lähden, Meißenheim, Donaueschingen, Emsdetten. Sogar Reisen ins Ausland scheut Edwin Kiefer nicht: Altenfelden in Österreich, Sandringham in England und Breda in Holland - um nur einige Stationen zu nennen.

Jetzt, Ende August, führte ihn der Wettkampfsport wieder nach Donaueschingen: Hier bekam Edwin Kiefer das Goldene Fahrabzeichen verliehen für rund 30 Siege und vordere Platzierungen, die alle zusammen die Voraussetzungen schufen für das begehrte Gold. Das war schon ein Ereignis: Vor der Kulisse seiner "Fahrsportfamilie" kann man eine solche Ehrung so richtig genießen. Aber: Wie viele Jahre harter Arbeit dahinter stecken, kann sich nur vorstellen, wer einmal bei einem Fahrturnier dabei war und ins Fahrerlager schaute: Pferde, Kutschen, Transportmittel, Ausrüstung und nicht zuletzt gute Freunde, die mit von der Partie sind und als Beifahrer fungieren, werden getragen von einem Enthusiasmus, einer Liebe zum Sport, die genährt wird aus der Besonderheit des Fahrens mit Dressur, Hindernisfahren auf dem Platz -als Kegelfahren eigentlich zu Unrecht vereinfacht - und der Geländefahrt mit den Hindernissen, die es zu durchfahren gilt.

Die Spannung, der Wettkampf ist das Lebenselixier der Fahrer, denn mit dem Preisgeld kann und darf einer, der fahren will, nicht rechnen. In der Regel muss der Fahrer seine Kosten selber tragen, denn die Preisgelder sind bei weitem nicht mit denen der Springreiter vergleichbar. Wer also im Fahren "Geld verdienen" will, bleibt leichter zu Hause. Edwin Kiefer aber hat für sich entschieden: "Fahren ist meine Leidenschaft, auch wenn ich dafür tief in die Tasche greifen muss." Als Vorstandsvorsitzendem der Secuma AG, ein deutschlandweit agierendes Unter-nehmen für Finanzmanagement und Marketing in Horb, mag ihm das noch leichter fallen als anderen, aber hart arbeiten muss er genauso dafür, denn in seinem Betrieb geht es um die Weiterentwicklung der Produkte und eine gute Marktposition. Neben dem Beruf und dem Fahren engagiert sich Edwin Kiefer, der verheiratet ist und drei Kinder im Alter von fünf bis 18 Jahren hat, zudem noch ehrenamtlich für seinen Sport. Auch als Sponsor ist die Secuma AG aufgetreten: drei Jahre lang, erzählt Kiefer dem PRESSEDIENST, habe sein Haus den mehrfachen Landesmeister Hansjörg Hammann aus Niederstotzingen als Hauptsponsor gefördert. Außerdem hat Kiefer zusammen mit Michael Freund und Rudolf Temporini aus Lorsch in der Vergangenheit Turniere in Kreuth und Bisingen-Hohenzollern organisiert. Besonders freut sich Edwin Kiefer darüber, dass seine Familie seinem Sport positiv gegenüber steht. Sein 18-jähriger Sohn Johannes habe bereits das Fahrabzeichen, auch wenn er keine Turniere fährt. Dafür ist die 13-jährige Jana eifriger und fährt aktiv mit. Oft begleitet die Familie "ihren Fahrer" aufs Turnier.

Fragt man Edwin Kiefer, wie er sich als Fahrer beschreibt, so bekommt man drei Eigenschaften genannt: "Ich bin ehrgeizig, zielstrebig und - ich kann schlecht nein sagen." Letztere Eigenschaft bezieht sich wohl in erster Linie auf die Ehrenämter im Fahrsport, denn er ist Vorsitzender des Fahrausschusses Baden-Württemberg sowie Gründer und Vorsitzender des Fahrsport-Fördervereins und er leitet die Fahrertagungen. Im Reitsportzentrum Hohenzollern engagiert er sich zudem als Fahrwart. Ehrgeiz und Zielstrebigkeit braucht einer wie er, denn ohne solche Eigenschaften wird man nicht viermal Landesmeister, und ohne sie erringt man bei der Europameisterschaft 2002 in Sandringham/England nicht Platz vier und wird auch nicht Fünfter bei der Deutschen Meisterschaft oder Vierter beim Internationalen Turnier in Breda/Holland. Um die Erfolgsliste zu vervollständigen, genügt ein Blick ins Archiv: 1996 wurde Edwin Kiefer Vize-Meister bei den Einspännerfahrern in Trochtelfingen, 1997 gewann er in Reilingen den Titel. Wieder ein Jahr später hatte Kiefer mit dem Zweispänner in Markgröningen Erfolg, wo er Bronze bei der Landesmeisterschaft gewann. Schließlich startete Kiefer 2000 mit dem Vierspänner in Salem-Grasbeuren und wurde Landesmeister. Im gleichen Jahr gewann er zusammen mit Abel Unmüssig aus Hinterzarten und Dieter Höfs aus Weil der Stadt die Mannschaftswertung im Rahmen der Deutschen Meisterschaft von Donaueschingen, wo er in der Einzelwertung Fünfter wurde. 2001 folgte in Reilingen erneut ein Titel: Landesmeister der Zweispännerfahrer. In Donaueschingen 2002 quittierte er das Goldene Fahrabzeichen mit einem tollen zweiten Platz hinter dem Belgier Mia Allo, der mit 131,2 Punkten nur einen Punkt Vorsprung hatte.

Sein Ziel für das kommende Jahr hat Edwin Kiefer, der seit 2001 dem Bundeskader angehört, fest im Auge: Er will unbedingt an der Weltmeisterschaft 2003 in Karlstetten/Österreich teilnehmen. Erst dann denkt er - vielleicht - ans Umspannen: Vielleicht also erlebt man Edwin Kiefer dann mit Großpferden im Gespann.
Martin Stellberger