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In Memoriam: Dr. Wenzel Plaumann ist tot PD 9/2002
NAGOLD. "Ich mag keinen Rummel um meine Person!" sagte Dr. Wenzel Plaumann einmal, als der PRESSEDIENST wegen eines runden Geburtstages anrief. Rummel war seine Sache nicht, er wirkte lieber ohne Aufhebens, zurückhaltend, bescheiden fast. Er scheute das Rampenlicht zwar nicht, nahm sich aber selbst nie so wichtig. Nie ging es ihm um sich selbst, immer nur um den Erfolg des Reitsports und dort besonders um das Fortkommen der Jugend. Und doch war der Nagolder Arzt Jahrzehnte ein wichtiger Mann im Pferdesport des Landes. Dass er nicht mehr dabei ist, werden Sportler und Funktionäre erst noch richtig spüren, wenn es darum geht: "Wer kann das, was Dr. Plaumann so gut konnte, weiterführen?" Es wird sich wohl kaum jemand finden, der sich mit so viel Hingabe, Sachkenntnis, Sprachfähigkeiten, menschlicher Wärme, Einfühlungsver-mögen und Frohsinn dem Sport und der Sportjugend widmen kann, wie es Dr. Plaumann vermochte.

Wenzel Plaumann wurde in Danzig geboren und lebte seit 1955 in Baden-Württemberg. Lesen gehörte zu seinen ausgeprägten Leidenschaften, Reisen ergänzen den Weltblick, sagte er einmal. Aber in erster Linie war er dem Pferdesport mit Haut und Haaren verfallen. In Wildberg war er 2. Vorsitzender, in Gültstein Geschäftsführer im Stall von Kurt Maier; er begründete zusammen mit anderen Pferdefreunden den Kreisreiterverband Calw und war lange Zeit dessen Vorsitzender. Dr. Wenzel Plaumann setzte sich im Landesvorstand ein, vertrat als Delegierter im "Landtag der Reiter" seine Meinung und gehörte diversen Gremien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung an.

Im Sattel hatte Dr. Plaumann zu seiner Zeit mittelschwere Prüfungen geritten und die Ausbildung von Fridolin Enzenroß und Kurt Maier genossen. "Natürlich" hatte er mit Alfa und Sinclair Baden-Württemberger Pferde geritten. Sinclair hatte er vor Jahren seinem Sohn Markus geschenkt. Der siegte mit ihm 1991 bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften der Springreiter. Auch Plaumanns drei Töchter sind dem Reiten verbunden. Katja war 1977 Landesjugendmeisterin in der Dressur.

Den meisten Turnier- und Pferdefreunden war Dr. Wenzel Plaumann als Turnierrichter, vor allem aber als Sprecher und Moderator bekannt. Über 25 Jahre begleitete seine markante Stimme die sportlichen Ereignisse im Parcours und auf dem Viereck. Sein Vorzug dabei war, dass er in Französisch und Englisch fachgerecht und sachgerecht parlieren konnte. Sein Talent, über das Mikrofon mit den Zuschauern umzugehen, wurde besonders bei den internationalen Turnieren von Donaueschingen und Stuttgart hoch geschätzt. Wenn er einen verdienten oder erfolgreichen Menschen aus dem Pferdesport vorstellte oder die Laudatio zu sprechen hatte, spürten die Zuhörer stets, ohne den Sprecher zu sehen: Hier redet einer aus dem Herzen - keine Schnörkel, keine Lobhudelei aber treffend. In fast liebevoller Art verband er das Publikum mit dem Sportler, dem gerade seine Worte und die Ehrung galten.

Von Dr. Plaumanns Leidenschaft, der Liebe zum Tier, bekamen auch die Jugendlichen des Landes ein gut Teil ab. Als Landesjugendwart war er viele Jahre präsent. Und er saß etliche Jahre als stellvertretender Bundesjugendwart im Warendorfer FN-Gremium. Selbst im Springausschuss des DOKR hörte man auf den Rat des Erfahrenen. Reiterlich gesehen ging für den engagierten Arzt nichts über das Ziel: die Grundausbildung der Jugend beständig zu verbessern. Eines musste den Jungen aber auch klar sein: zuerst die Schule, dann die "schönste Nebensache der Welt&qout, forderte er pädagogisch entschieden..

Dr. Wenzel Plaumann trafen seine Mitmenschen nie mürrisch oder ungehalten an. Nie klagte er über seine Krankheit, nur beiläufig ließ er gelegentlich durchblicken, dass er nicht so "fit sei wie früher" und überspielte das gleich wieder mit seinem ihm eigenen Frohsinn. Diese Fähigkeit passte ganz zu seinem Motto, das er über Jahrzehnte pflegte: In der Ruhe liegt die Kraft. Diese innere Kraft war es wohl auch, die es ihm ermöglichte, seine gesundheitlichen Sorgen zu tragen und seine ihm eigene Fröhlichkeit und menschliche Wärme nicht versiegen zu lassen. Dr. Wenzel Plaumann starb am 1. August. Die Anteilnahme der Mitglieder des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg gilt besonders seiner Frau und seiner Familie. Dr. Wenzel Plaumann wird als Vorbild unvergessen bleiben.
Martin Stellberger