Startseite
Kontakt
Goldenes Voltigierabzeichen für Anette Renkl PD 08/2002
FREIBURG. Wenn im PRESSEDIENST an dieser Stelle von Goldenen Abzeichen die Rede ist, handelt es sich meist um das Goldene Reiterabzeichen. Anette Renkl aus Freiburg jedoch bringt etwas Abwechslung in die Portrait-Serie: Sie ist Voltigiererin seit vielen Jahren. Die Sportlerin, die Ende August 28 Jahre alt wird und vielen der Szene noch unter ihrem Mädchennamen Hitschmann bekannt ist, wurde bei den Meisterschaften in Schutterwald (18.-21. Juli 2002) Landesmeisterin der Einzelvoltigiererinnen und holte zusammen mit Anika Leiber auch den Titel im Doppelvoltigieren. Und dann gab es in Schutterwald vor großem Publikum die schöne Ehrung durch Volker Hahn, den Präsidenten des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg. Hahn heftete der jungen Frau das Goldene Voltigierabzeichen ans Revers. Was steckt nun hinter dieser Auszeichnung? Mindestens zehnmal muss eine Voltigiererin oder ein Voltigierer die Wertnote 8,5 erreichen um das "Goldene" zu bekommen. Anette Renkl hat diese große Leistung seit 1998 immer wieder geschafft. Erstmals in Lauterstein, mehrfach in Mühlacker, in Ulm-Wiblingen, in Mainz-Laubenheim und zuletzt auch in Schutterwald. Oft war sie im Ausland am Start.

Anette Renkl wurde in Rheinfelden geboren und begann 1982 beim Reitverein Hotzenwald-Hochrhein mit dem Voltigieren, quasi im Schlepptau ihrer Schwester. 1991 wechselte sie zum Reitverein Lörrach und wurde im gleichen Jahr Mitglied im Landeskader. In Lörrach bildet sie seit Jahren Nachwuchs-Voltigierer aus und hat sich selbst inzwischen zur Turnierrichterin im Voltigieren weitergebildet. Sie ist damit eine der wenigen Aktiven, die parallel zum Sport diese Qualifikation erworben hat. Die Pferde, mit denen Anette Renkl ihre Erfolge "erturnt" hat, heißen Alvaro, er wurde in diesem Jahr in Schutterwald verabschiedet, und Gerrit. Trainerin ist Marion Schüle aus Lörrach.

Beruflich kann Anette Renkl ebenfalls Beachtliches vorweisen: Nach dem Abitur in Bad Säckingen studierte sie in Freiburg Medizin und arbeitet zur Zeit als Ärztin im Praktikum am Kreiskrankenhaus Lörrach. Ihr berufliches Ziel ist der Facharzt für Augenheilkunde. Ihr Mann, Dr. Andreas Renkl, ist Arzt und arbeitet an der Universitäts-Hautklinik in Freiburg. Auch er ist sportlich, allerdings ehemals als Volleyballer beim Oberligisten TV Bad Säckingen. Fragt man die angehende Ärztin nach Hobbys, so ist ihre Antwort eindeutig: "Ich habe neben meinem Beruf und dem Voltigieren so gut wie keine Freizeit!" Das klingt aber nicht bedauernd, vielmehr gibt ihr das Voltigieren, der Umgang mit Jugendlichen und Pferden so viel Kraft, dass sie andere Dinge leichter vermissen kann. Sie beschreibt sich als engagiert, pflichtbewusst, motiviert und zuverlässig.

Diese Eigenschaften passen ganz gut zum Voltigieren: Engagiert muss man sein, um die vielen Jahre im Sport leisten zu können, pflichtbewusst muss man sein, wenn man das Training für Höchstleistungen nicht vernachlässigen will, motiviert muss man sein, weil ja auch Niederlagen und Verletzungen zu verkraften sind, und zuverlässig muss man sein, weil sich beim Voltigieren die Gruppe, der Voltigierpartner, die Trainerin und nicht zuletzt das Pferd auf den Sportler verlassen. Manchmal, so sagt Anette Renkl, spielen ihr auch die Nerven einen Streich, aber das zeigt eigentlich nur, dass die junge Frau voll Einsatzwillen steckt, wenn es um ihren Sport geht. Seit 1996 ist sie viermal Süddeutsche Vize-Meisterin geworden, 2001 holte sie sich dann den Titel im Einzel und 2002 auch im Doppelvoltigieren. Fünfmal seit 1997 errang die Sportlerin den Landestitel, war international in Holland, Schweden, Frankreich, Italien und in der Schweiz am Start und stets unter den zehn Besten zu finden. Die Stadt Lörrach ehrte sie 1998 für ihren sportlichen Einsatz mit der Bronzemedaille. Schon ein Jahr vorher, 1997, erhielt sie den Fair Play Pokal der Stadt, weil sie ihr Pferd Alvaro damals Steffi Metzger für die Landesmeisterschaft in Schutterwald lieh. Steffi Metzger wurde Landesmeisterin, Anette Renkl musste sich mit Rang zwei begnügen. Aber, so sagen die Voltigierer: "Wir sind eine große Familie, in der man sich den Erfolg gönnt und der "Pferdeverleih" rettet manchmal den Erfolg einer Sportlerin, wenn deren Pferd kurzfristig ausfällt."

Ein wichtiger Punkt im Sportlerdasein von Anette Renkl sind die Erfolge mit ihrer Doppelpartnerin Anika Leiber. Mit ihr errang sie 2002 die Süddeutsche Meisterschaft und in Schutterwald die Landesmeisterschaft. Da leuchtet auch wieder die "Zuverlässigkeit" auf, die Voltigierer auszeichnet. Der Partner muss sich wirklich verlassen können, damit das Team harmoniert. Der Trainerin ist Anette Renkl indes besonders dankbar: Seit Jahren ist Marion Schüle mehr als Trainerin. Sie ist Vertraute und Bezugsperson. "Ohne sie wären meine Erfolge nicht möglich gewesen!" sagt die Sportlerin und bekräftigt: "Voltigieren funktioniert nur als Team aus Pferd, Trainerin und Voltigierer. Wenn dabei keine Harmonie herrscht, sind langfristige Erfolge auf hohem Niveau nicht möglich. Deshalb möchte ich meiner Trainerin danken. Ohne sie hätte ich jetzt kein "Goldenes"!

Martin Stellberger