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Margit Grab ist stolz auf ihr Goldenes Reitabzeichen PD 09/2013
Margit Grab ist stolz auf ihr Goldenes Reitabzeichen

Ehingen.
Margit Grab hat einen ganz eigenen Humor, ein wenig selbstkritisch, ein wenig knitz, aber sehr sympathisch. „Meine Arbeitgeber sind meine Pferde. Gehalt null!“ „Ich bin nur 1,58 Meter groß und könnte für die Reiterei ein wenig mehr Stockmaß gebrauchen!“ „Ich bin sehr bewegungsfreudig und kann nicht lange still sitzen, liebe Familienfeste und gute Bücher und schlafe aber auch gerne vor dem Fernseher ein.“ Wer so über sich spricht, steckt mit guter Laune an und wirkt herzlich. Die dreifache Mutter hat denn auch ihr Herz geteilt und gewinnt dadurch viel Kraft für das Hobby: Erstens ist sie stolz auf ihre Familie, ihren Mann Hans-Dieter und die drei Kinder Stefanie, Florian und Josefine. Für die Familie ist sie –zweitens – ganz da, führt den Haushalt und besorgt den Stall. Und drittens ist sie ihrem Mann, von Beruf Industriemechaniker, dankbar, weil „er mir ein schönes Haus gebaut hat samt Stall und Schuppen und Reitplatz.“ Alles habe er selbst gebaut, betont Margit Grab. Und er unterstützt ihre Reiterei und die der Kinder nach Kräften. Die studierte Realschullehrerin hat sich also ganz für die Familie und die gemeinsame Passion der Pferdezucht und Reiterei entschieden. Ein glücklicher Mensch sei sie, sagt die heute 49 Jahre alte Pferdeliebhaberin: „Ich bin schon glücklich, wo und wie ich bin, im Leben mit der Familie und mit den Pferden. Und wenn mein FBW Samba Time noch Piaffe und Passage sowie den Einerwechsel gut lernt, dann versuchen wir es noch im Grand Prix!“

Gerade dieser FBW Samba Time ist reiterlich der ganze Stolz von Margit Grab. Seit sie mit ihm Dressurturniere mit Klasse S-Wettbewerben besucht, hat er sie noch nie enttäuscht. Ihm verdankt sie die Erfolge zum Goldenen Reitabzeichen, das ihr am Galaabend in Marbach am 9. November 2013 verliehen wird. 2011 siegte sie bei ihrem „Heimturnier“ in Ehingen in einem Wettbewerb einer Dressurprüfung Klasse S* das erste Mal mit FBW Samba Time. Mindestens acht solcher Siege und einer in Klasse S** müssen es allerdings noch werden, um die einmalige Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu bekommen. 2010 errang Margit Grab den ersten Sieg beim Turnier im benachbarten Bad Schussenried – allerdings mit Digeridoo von Donnerprinz, den Margit und Hans-Dieter Grab 2001 gezogen haben. Das blieb aber bezüglich des „Goldenen“ eine Ausnahme. Mit FBW Samba Time startete die Reiterin in den Jahren 2011 bis 2013 so richtig durch: Es folgte ein Sieg in Ehingen 2011, vier Siege 2012 in Biberach, zweimal in Aulendorf und Reutlingen. In der laufenden Saison 2013 schenkte ihr FBW Samba Time fünf Siege in Schwendi, Leutkirch, Ehingen, Biberach und Heidelberg. Der geforderte Erfolg in Klasse S** stellte sich beim Turnier in Aulendorf 2012 ein und wurde ganz aktuell in Biberach wiederholt. Also alles unter Dach und Fach für das Goldene Reitabzeichen.

In der Tat ist dieses Ziel nicht leicht zu erreichen. Die Aufgabe, Pferde auf S-Niveau vorzustellen, bedeutet viel Arbeit, Zeit, Geduld, Fachkenntnis und gut ausgebildete Pferde, vor allem aber auch eine lange Zeit der eigenen reiterlichen Aus- und Fortbildung. Margit Grab schaut auf eine lange Reiterei zurück und erzählt, dass sie als Kind eigentlich eher zum Schwimmen neigte, was ihr Vater, ein Kinderarzt unterstützte. „Meine Eltern hatten mit Pferden nichts am Hut“. Der „Ansteckungsherd für die Reiterei“ war der Hof ihres Onkels Victor Moll aus Nellingen-Hoheneichen. Der war nicht nur Brennmeister sondern auch Trakehner-Züchter. „Bei ihm, der leider viel zu früh gestorben ist, durfte ich als Neunjährige zum ersten Male auf Pferde sitzen und verbrachte meine Ferien immer bei ihm.“ Die Folgen dieser Verbindung mit dem Onkel sind bis heute zu spüren: Margit Grab trat mit 13 Jahren dem Reit- und Fahrverein Ehingen bei, ritt dort die Schulpferde und hatte daran ihre Freude. „Als ich 22 Jahre alt war, erwarb ich mein erstes eigenes Pferd Donna, eine Donkosak-Stute, für 3.000 D-Mark. In einem umgebauten Schweinestall fand das Tier Unterkunft. Damals war aber bald Margit Grabs erstes Kind unterwegs, so dass ans Reiten nicht zu denken war. Die Zeit des Wartens nutzend sollte also die Stute ein Fohlen bekommen von Abendruf, der der Familie bei der Riedlinger Vorstellung ins Auge stach. 1988 war wieder ein ereignisreiches Jahr: „Mit 23 bekam ich mein 2. Kind, das erste Fohlen von Abendruf düste auf dem Hof herum und Hans-Dieter und ich heirateten!“ Zudem kaufte die Familie eine zweite Trakehner-Stute, Kim von Kornet aus dem Stall Schillingshof in Blaubeuren. Offenbar hat sich die Liebe zu Trakehnern vom Onkel auf die Nichte übertragen. „Mit Kim begann meine eigentliche Reiterei mit Reitabzeichen, Jagden und Turnieren.“ Kim war zudem eine gute Zuchtstute, brachte sechs Fohlen und mit deren Tochter Dalraune startete Margit Grab ihren Angriff auf die S-Klasse in der Dressur. Im Jahr 2000 erweiterte sich die Herde der Familie Grab, die bereits als „Züchtergemeinschaft Grab“ firmierte, um eine Zuchtstute von Weltmeier, die aus dem Stall von Eugen Walter in Neudorf bei Munderkingen stammt. „Deren Tochter Gardea haben wir gleich noch für unsere Kinder mitgenommen“, erzählt die Pferdefrau.

Während die Kinder der Familie alle ebenfalls reiten und zum Teil in Klasse S starten, kam 2004 FBW Samba Time auf die Welt, die für Margit Grab zum geschilderten Erfolgsgaranten wurde. Neben der Turnierreiterei ist Margit Grab mit ihrer Familie auch immer wieder im Züchtergeschehen dabei, z.B. waren Hengstvorstellungen auf Gestüt Schlossäcker, „wo ich mit Dalraune mitreiten durfte, schon tolle Erlebnisse“, erzählt Margit Grab. Lehrgänge bei Katrin Burger auf dem Gestüt Schlossäcker in Straubenhardt und bei Nicole Casper vom Gestüt Birkhof in Donzdorf brachten die Reiterin immer weiter vorwärts. Seit 2009 wirkten sich die Lehrgänge mit Falk Stankus vom Dorotheenhof im holsteinischen Sibstin besonders intensiv aus. „Er hat mir die feine Reitweise beigebracht, nach dem Motto: weniger ist mehr. Falk Stankus hat mich auch zum Bundeschampionat begleitet, als ich dort mit FBW Samba Time an den Start ging. Seither ist er eine feste Stütze in unserer reiterlichen Ausbildung. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er sich oft die Mühe der weiten Anreise macht.“

Der reiterliche Werdegang von Margit Grab zeugt also von großem Durchhaltewillen und Stehvermögen, gefördert durch das intakte familiäre Umfeld, so dass die feierliche Verleihung des Goldenen Reitabzeichens eine verdiente Ehrung für die ganze Familie wird. Die Ehrung soll beim
Galaabend des Marbacher Gestüts im November erfolgen, wo sich die Züchter des Landes ein Stelldichein geben. Auch die Mitglieder des „FBW“ werden sich mitfreuen und mitfeiern, denn der „Verein zur Förderung des Reitsports mit Baden-Württembergischen Pferden“ sieht sein Engagement für die Reiterin und ihr Pferd FBW Samba Time mehr als bestätigt.
Martin Stellberger