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Isabelle Sundag bekommt das Goldene Reitabzeichen. PD 09/2013
Isabelle Sundag bekommt das Goldene Reitabzeichen

Radolfzell.
Das Reitturnier der Bodenseereiter von Radolfzell Anfang September wird für Isabelle Sundag nicht nur ein sportliches Ereignis beim Heimturnier auf der eigenen Reitanlage sein. Das Turnier wird die Kulisse abgeben zu einem Ereignis, das für jeden Pferdesportler ein Höhepunkt in der Karriere ist: die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens. Die Dressurreiterin Isabelle Sundag hat es nämlich im Laufe der Jahre geschafft, mit verschiedenen Pferden die erforderlichen Siege in Klasse S zu erringen. Zehn Siege in schweren Wettbewerben sind im Grunde das Maß, an dem sich die Pferdeleute messen lassen müssen. Isabelle Sundag hat diese Voraussetzungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen, weil sie vor allen Dingen in „Drei-Sterne-Wettbewerben“ angetreten ist. Vier Pferde standen ihr für diese Erfolge seit 2000 zur Verfügung: 2000 errang sie mit dem Hannoveraner Fuchswallach Armstrong ihren ersten Sieg in Klasse S beim Turnier in Pfullingen. 2001 gab es mit Armstrong und Ride’s Fabelus drei Erfolge, nämlich mit Armstrong in Klasse S in Sigmaringen und Aulendorf, hier in der Kür, und mit Ride’s Fabelus wurde sie im Grand Prix von Illertissen Vierte. Dann war es zunächst einmal für Isabelle Sundag eine Weile ruhiger, was zählbare Erfolge angeht. 2007 gewann sie mit dem dunkelbraunen Holsteiner Cacharel in Efringen-Kirchen eine S-Dressur (St. Georg), um dann wieder einige Jahre warten zu müssen, bis sie ihre „Sammelleidenschaft“ fortsetzen konnte. 2012 und 2013 gelang ihr das sehr eindrucksvoll mit dem dunkelbraunen Hannoveraner Long Drink. Dieses Pferd hat die Reiterin selbst auf Grand Prix Niveau gefördert und startete seit 2012 auf Drei-Sterne-Niveau. Der Lohn für ihre Beharrlichkeit blieb nicht aus: Böblingen, Bisingen-Hohenzollern, Zeutern und Himmelgarten in Bayern sind einige Stationen, bei denen Isabelle Sundag Spitzenplatzierungen errang. Sie startete indes auch in der benachbarten Schweiz, zum Beispiel in Dielsdorf und Gossau, wo die Reiterin in S***-Wettbewerben Dritte und Vierte wurde. Eine besonders beliebte Station der Reiterin ist das Turnier von Schutterwald, wo sie im vergangenen Jahr in der Drei-Sterne-Prüfung beeindruckte und Vierte der Meisterschaften wurde. Kürzlich, bei den Landes-meisterschaften 2013, trug sie schließlich die Goldmedaille bei den Damen als Landesmeisterin davon.

Die gebürtige Tübingerin Isabelle Sundag machte in Ebingen 1997 ihr Abitur und studierte danach an der Akademie für Mode Management in Nagold. 2000 schloss sie ihr Studium als Betriebswirtin im Textileinzelhandel ab und arbeitete auch in diesem Beruf im Betrieb ihrer Mutter. Von 2006 an führte sie in Albstadt ihre eigene Boutique Jeunesse, die sie aus dem mütterlichen Betrieb übernommen hatte. Ihre erfolgreiche Boutique verkaufte sie 2011 und schreibt dazu auf ihrer Homepage: „Wir sind sehr glücklich, für das Lebenswerk meiner Mutter würdige Nachfolger gefunden zu haben, die wir in der Phase der Neueröffnung bis September 2011 gerne unterstützt haben.“ Wie das Leben nämlich manchmal spielt, änderten sich auch die Wege der jungen Frau und erfordern Einschnitte und Entscheidungen. Isabelle Sundag zog der Liebe und der Pferde wegen nach Radolfzell um, wo sie seither mit Andreas Steidle auf der Reitanlage der Bodenseereiter zusammenlebt, dem Sohn des in Reiterkreisen immer noch wohlbekannten Toni Steidle. Die Reitanlage war unter Reitmeister Anton „Toni“ Steidle, schon zu Lebzeiten anerkannter Turnierveranstalter, Pferdemann und langjähriger Vorsitzender des Pferdesportverbandes Südbaden, den Reitern ein angesehener Turnierort. Seinem Andenken wird auch stets das Turnier im September gewidmet.

Schon 2010 zeichnete sich der Lebensweg Isabelle Sundags in Radolfzell ab, denn sie führte zunächst noch „nebenher“ die Reitanlage Bodenseereiter, weil ihr Partner Andreas Steidle als freiberuflicher Informatiker im Reitsport häufig unterwegs ist. Seit 2011 widmet sich Isabelle Sundag nun ganz der Reiterei, betreut Berittpferde und gibt Unterricht auf der Reitanlage. Dazu kümmert sie sich auch um das Anwesen, „nicht aus beruflicher Notwendigkeit, sondern um den Familienbesitz Steidle zu erhalten“, wie es Isabelle Sundag ausdrückt.

Fragt man Isabelle Sundag nach ihren Pferden und ihrer Leidenschaft, so schwingt ein wenig Stolz in ihrer Antwort mit: „Alle meine eigenen Pferde, die ich auf Turnieren geritten habe, vor allem aber Armstrong, Cacharel und Long Drink, die zu meinem Goldenen Reitabzeichen beigetragen haben, habe ich selbst und ohne Fremdberitt ausgebildet, jeweils seit ihrem vierten Lebensjahr. Long Drink ist sogar für den Grand Prix im Einsatz.“ Mit der Reiterei hat sie angefangen wie so viele im Kindesalter. „Mit sechs Jahren habe ich in Albstadt-Ebingen mit dem Voltigieren begonnen und habe später die Schulpferde geritten, bis ich mit zwölf mein eigenes Reitpony bekam. Mit dem bin ich in E-Dressuren und Springen gestartet. Später kam dann mit Laika mein erstes Pferd zu mir. Mit ihr habe ich 1992 als Vierzehnjährige in Heidenheim das Landeschampionat gewonnen“, erzählt Isabelle Sundag mit ein wenig versonnenem Blick zurück zu den Anfängen ihrer Karriere. Als Juniorin und Junge Reiterin durfte sie sogar an internationalen Jugendturnieren teilnehmen, zum Beispiel im schweizerischen Frauenfeld oder in Babenhausen. Und nun kommt wieder Schutterwald ins Spiel. Dort gewann die junge Reiterin 1994 und 1995 mit ihrem Pferd Fangball die Bronzemedaille bei der Landesmeisterschaft und 1998 Silber mit Armstrong. Damals wurde sie dann zu den Deutschen Meisterschaften in Balve und Salzwedel eingeladen. Schutterwald und die Gegenwart: Bei der diesjährigen Landesmeisterschaft 2013 gewann sie im südbadischen Städtchen die Goldmedaille der Dressurreiter. „Darüber freue ich mich ganz besonders, weil das schöne, tolle Turnier in Schutterwald meine gesamte Reiterei begleitet hat!“ Über ihr Pferd Long Drink sagte sie dabei: „Long Drink hat an diesem Wochenende einen konstant guten Job gemacht und ich bin sehr stolz auf ihn!“

Dass auch Olympiareiter Martin Schaudt aus Onstmettingen eine Rolle im Reiterdasein von Isabelle Sundag spielt, liegt an der räumlichen Nähe ihres damaligen Elternhauses in Albstadt-Ebingen. „Mein Training bei Martin Schaudt hat meinen reiterlichen Werdegang geprägt“, erzählt die Reiterin. Bei ihm habe sie bis 2002 regelmäßig trainiert. Schaudt, so sagt Isabelle Sundag an-erkennend, erziehe seine Reitschüler zu selbständigem Reiten und kritischer Selbsteinschätzung, „was auch meine heutige Reiterei noch bestimmt.“ In diesen Jahren des Trainings sieht sie heute die Wurzeln und die Basis für ihre Hartnäckigkeit, an der Ausbildung dran zu bleiben, für ihr Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, abzuwarten und an die Pferde zu glauben, bis der Erfolg eintreten kann. „Für mich aber ist in allem die Liebe zu den Pferden selbst entscheidend!“ sagt die Reiterin vom Bodensee. Selbstkritisch merkt sie an, dass ihre „pedantische Art in Pflege und Umgang mit den Pferden“ ihr Umfeld oft nervt. „Dazu kommt reiterlich gesehen mein Sitz beim fliegenden Wechsel: Es fällt mir schwer, durch die Ausbildung vieler junger Pferde, die aufwendige Hilfengebung dann abzustellen, wenn ich ältere Pferde reite.“

Für die Zukunft stellt sich Isabelle Sundag neue Ziele vor: Ich möchte gerne im Grand Prix gewinnen, hoffe auf internationale Einsätze und möchte wieder ein Pferd bis zum Grand Prix ausbilden, um an meine bisherigen Erfolge anknüpfen zu können. Bei allen Zukunftsgedanken vergisst Isabelle Sundag jedoch nicht, wem sie so viel in ihrem Reiterleben zu verdanken hat: „Meine Mutter hat mich immer in diesem Sport unterstützt und gefördert, wo sie nur konnte!“ sagt sie dankbar. Und ihr Partner Andreas Steidle spielt in der Gegenwart eine wichtige Rolle. Für ihn gab sie ihre berufliche Selbständigkeit auf und er schuf ihr mit seiner Reitanlage ideale Trainingsbedingungen. „Meine Freunde und Helfer und meine Pfleger haben ebenfalls einen großen Anteil an meinem sportlichen Erfolg. Ohne sie wäre vieles nicht möglich.“ Umso mehr freut sie sich nun auf das Reitturnier auf der Reitanlage der Bodenseereiter in Radolfzell: Hier wird ihr am Samstag, 7. September 2013, das Goldene Reitabzeichen verliehen und bei der anschließenden Feier kann sie allen Beteiligten sagen, wie dankbar sie für die vielfältige Unterstützung ist. Martin Stellberger