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Felix Vogg – ein Schweizer reitet mit deutschem Gold am Revers PD 4/2013
Felix Vogg – ein Schweizer reitet mit deutschem Gold am Revers

Radolfzell.
Er wurde in Waiblingen geboren, lebt in Radolfzell auf Gut Weiherhof und ist mit seinen 22 Jahren ein erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter, der munter „hin und her springt“, wenn er seine Turniertermine festlegt. Einmal reitet er international für die Schweiz, ein andermal als Mitglied des badischen Reitvereins Singen. Die Rede ist von Felix Vogg aus Radolfzell. Seine „Springerei“ kommt daher, dass seine Mutter Danièle Vogg Schweizerin ist und er deshalb einen Schweizer Pass besitzt. Diese Besonderheit ist nicht ganz nebensächlich, wenn man auf die reiterliche Laufbahn des jungen Mannes schaut: Mit drei Jahren schon saß Felix Vogg auf dem Pferd und ist seither deutlich infiziert von diesen schönen Tieren und folgerichtig auch vom Sport mit ihnen. Dieser Sport steckt ihm im Blut, gar in den Genen, erzählt er dem PRESSEDIENST: „Denn nicht nur meine Eltern sind begeisterte Reiter. Meine Mutter startete 1979 bei der „Europameisterschaft ländlicher Reiter“ und sie errang 1980 bei der Schweizer Meisterschaft den dritten Platz. Mein Vater Jürgen startete zu seiner Zeit in Springwettbe-werben. Viel tiefer aber noch liegen die Reitergene bei mir: Mein Großvater Roland Perret war schon 1956 bei den Olympischen Spielen in Stockholm in der Military am Start.“ Kein Wunder also, dass sich Felix Vogg ebenfalls der Vielseitigkeit verschrieben hat. Auch seine Brüder Christian und Ben sind im Reitsattel versiert.

Überhaupt ist die gesamte Familie pferdebegeistert, denn Roland Perret (1927-2006) aus Horn im Kanton Thurgau war nicht nur Vielseitigkeitsreiter sondern auch Unternehmer und von 1988 bis 1992 Vizepräsident des Schweizerischen Verbands für Pferdesport sowie Equipechef, Jurypräsident, internationaler Richter und Delegationschef. In Stockholm belegte er mit seinem Pferd Erlfried allerdings „nur“ den 31. Platz und mit der Schweizer Mannschaft Rang acht. Von ihm erzählt man sich dazu folgende besondere Anekdote: Während des Geländeritts stürzte ein deutscher Reiter, woraufhin Perret dessen Pferd einfing und seinem Reiter wieder übergab. Den Zeitverlust nahm der Schweizer sportlich in Kauf. Daraufhin erwähnte ihn die englische Königin als Beispiel für Fairness. Auch sonst war Felix’ Großvater ein sportlich gesinnter Mann: Für die Olympischen Spiele von 1984 in Los Angeles finanzierte er die Reise von Europameister Hans-ueli Schmutz und dessen Pferd Oran aus eigener Tasche. Schmutz gewann zwar die Dressur als Teil der Vielseitigkeit, konnte sich dann aber nach Strafpunkten im Gelände nicht mehr vorne platzieren.

Felix’ Großvater hatte mit seiner Frau Sonja fünf Kinder. Davon leitet Felix’ Tante Nicole mit ihrem Mann eine Reitanlage in Horn und Felix’ Mutter Danièle eben mit ihrem Mann und den drei Söhnen die Reitanlage Gut Weiherhof am Bodensee. Felix Vogg setzt also die „Pferde- und Reitergeschichte“ seiner Familie konsequent auch beruflich um. Nach der Realschule machte er sein Hobby zum Beruf und wurde Pferdewirt, Schwerpunkt Reiten. Dieser Abschluss gelang ihm so gut, dass er bei der Abschlussfeier 2011 die Stensbeck-Plakette der FN bekam. Zielstrebig suchte er sich auch gute Ausbilder für seine reiterliche Laufbahn: Für seine gute Basis sorgte einst Landestrainer Fritz Pape aus Sindlingen. Vogg nutzte die Erfahrungen des Altensteiger Trainers Rüdiger Rau, kam unter die Fittiche von Hansueli Schmutz in Basel und erfuhr weiteren Schliff bei Hartmut Auer aus Singen. Seit einiger Zeit hat er sich die Unterstützung der Familie Jung in Horb gesichert, aus deren Mitte Weltmeister Michael Jung kommt. Über seinen Sport und die Faszination sagt Felix Vogg: „Am Vielseitigkeitssport reizt mich vor allem die Ab-wechslung, da ich hier die Dressur, das Springen und das Geländereiten gemeinsam betreiben kann. Die Partnerschaft zu meinen Pferden und das Vertrauen, das man vor allem im Gelände braucht, macht diesen Sport zu etwas ganz Besonderem.“

Seine ersten Turniere bestritt Felix Vogg als Vierjähriger in der Führzügelklasse. Später vereinnahmte ihn die Vielseitigkeit im Sattel von Ponys und er erzielte hier bereits erste Erfolge, zum Beispiel den Sieg bei der Baden-Württembergischen Meisterschaft. „Damals war ich gerade mal 11 Jahre alt“, erzählt der Reiter. Im Alter von 15 Jahren fing er an, Großpferde zu reiten und auszubilden und stieg allmählich aus dem Ponysport aus. Die Erfolgsliste ließe sich ausdehnen. Doch nur einige Stationen seien genannt: 2002 Sieger bei der Baden-Württembergischen Meisterschaft/Ponyreiter, 2003 – 2010 Teilnahme an Europameisterschaften der Ponyreiter sowie der Junioren und Jungen Reiter. 2006 war er Vierter bei der EM der Ponyreiter. Dazu kommen schließlich Siege und Platzierungen mit Großpferden bei Turnieren mit ein, zwei und drei Sternen. 2009 wurde Felix Vogg Schweizer Meister der Jungen Reiter, 2011 siegte er auf heimischem Gelände des Weiherhofes bei der Landesmeisterschaft der Jungen Reiter und wurde 2012 in Marbach Zweiter bei den so genannten Senioren. Im gleichen Jahr wurde er Schweizer Meister und Weltcupsieger. Allerdings wäre Felix Vogg kein „echter Schweizer“, führe er nicht gerne Ski. In dieser Disziplin hatte er sich als Junge auch schon wettkampferprobt und gewann einen zweiten Platz bei der Schweizer Meisterschaft. Dass ihn Fußball ebenfalls interessiert, muss nicht erst betont werden.

Wie sieht die Zukunft des jungen Mannes aus, der sich selbst als ruhigen Typen beschreibt, mit einer guten Portion Ehrgeiz und einem gewissen Hang zum Perfektionismus ausgestattet? „Sportlich habe ich klare, leistungsorientierte Ziele. Das elterliche Gut Weiherhof ist dabei die Basis für meine weitere berufliche Zukunft. Ziel ist es, mich und mein reiterliches Können hier mit einzubringen und junge Pferde auszubilden, zu unterrichten und meinen Turniersport auszuüben.“ Heute besitzt er sieben Turnierpferde, die er täglich trainiert und in verschiedenen Turnieren vorstellt. „Durch die Unterstützung meiner Familie, ganz besonders meiner Mutter, kann ich somit alles unter einen Hut bringen und meine Ausbildung genauso intensiv betreiben wie auch mein Turnierreiten“, sagt er und weiß diese Hilfe auch dankbar zu schätzen.

„Mein großes sportliches Ziel sind die Olympischen Spiele in Rio 2016! Zuvor möchte ich mich in diesem Jahr bei der Europameisterschaft in Malmö und 2014 bei der Weltmeisterschaft in der Normandie empfehlen“, sagt Felix Vogg. „Und in etlichen Jahren möchte ich die Anlage meiner Eltern weiterführen. Dafür steige ich hier langsam ein, um die Grundlagen zu lernen, die dazu gehören. Doch noch ist etwas Zeit, Zeit zum Feiern. Die gehört dazu, zum Beispiel beim Vielseitigkeitsturnier CCI*/CCI** vom 18.-22. April 2013 auf dem Gut Weiherhof bei Radolfzell. Dort nämlich wird Felix Vogg eine Ehrung zuteil, die in seinem Reiterleben nur einmal möglich ist: Ihm wird das Goldene Reiterabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verliehen, das sich ein Reiter durch viele hochwertige Erfolge in seiner Disziplin erst verdienen muss. Auf dem Weg nach Rio de Janeiro ist diese Auszeichnung schon einmal eine wertvolle Empfehlung. Herzlichen Glückwunsch!
Martin Stellberger