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Immer wieder dasselbe: Pferde werden Opfer krankhaften Wahns PD 9-10/2012
Immer wieder dasselbe: Pferde werden Opfer krankhaften Wahns

Riedlingen, Fleischwangen, Donaueschingen, Tübingen, Illertissen
– eine lange Strecke muss man schon sagen. Überall in diesen Regionen wurden 2012 Pferde verletzt oder gar getötet aus purem Wahn und/oder sexueller Abartigkeit. Und nirgendwo greifbare Ergebnisse bezüglich Täterschaft. Aus der Region Biberach wurde Anfang Mai immerhin ein Phantom-Fahndungsfoto erstellt, das einen Verdächtigen zeigt. Ein Zugriff ist bisher nicht bekannt geworden. In Tübingen-Lustenau schlug ein Täter Ende April zu. Gar zweimal wurde hier die Stute verletzt. Aus Illertissen wurde ein Fall bekannt, bei dem bereits Anfang Dezember 2011 ein Pferd seinen Schnittverletzungen am Bauch erlag. Auffällig auch, dass dem Tier ein Ohr abgeschnitten worden war. Das gesamte Jahr 2011 war die Polizei in dieser Region mit ähnlichen Taten befasst. Keine Fahndungserfolge.

In Waldburg und Fleischwangen im Kreis Ravensburg wurden im August 2012 zwei Fälle von Übergriffen bekannt. Zum Beispiel wurde eine tragende Stute laut Tierarzt erheblich im inneren Genitalbereich verletzt. Der Besitzer geht davon aus, dass die Stute die noch kleine Leibesfrucht deshalb verloren hat. Eine Selbstverletzung der Stute auf der Weide sei konkret auszuschließen, sagte der Besitzer, der zusammen mit einem seiner Einsteller die Weide nach Verletzungsmöglichkeiten genau abgesucht habe. Die Polizei Ravensburg teilte hierzu mit, dass die Ermittlungen sehr sorgfältig durchgeführt würden. Der ermittelnde Beamte sagte in Waldburg dem PRESSEDIENST gegenüber, dass die Täter in der Regel zu wenig konkrete Spuren hinterlassen, um sie bestimmten Personen zuweisen zu können. Einschlägig polizeibekannte Personen würden dabei dennoch regelmäßig überprüft. Auch mögliche Verbindungen zu anderen Fällen, wie zum Beispiel in Fleischwangen Anfang August, würden genau angeschaut. Bleibt zu hoffen, dass es doch eines Tages gelingt, einen oder mehrere Täter zu ermitteln.

Pferdesportverband warnt eindringlich
Der Pferdesportverband Baden-Württemberg e.V. verfolgt die Meldungen und Erkenntnisse zu solchen Taten seit Jahren genau und gibt auch immer wieder Hinweise für Schutz-maßnahmen. Da Pferde Lauftiere sind und eben nicht allein in Boxen gehalten werden sollen, müssen sie Auslauf auf der Weide bekommen. Weiden zu überwachen ist oft schwierig, technische Überwachung ist kostspielig und auch nicht immer Erfolg versprechend. Viele Stallungen sind nachts einfach nicht ausreichend gesichert oder sicherbar. Es ist immer ein Risiko, bei Sommerhitze die Pferde nur nachts draußen zu lassen. Das ist zwar gut für die Pferde, aber eben auch risikobehaftet. Grundsätzlich gilt aber, dass Besitzer von Ställen und die Besitzer der Pferde ihre Umgebung genauer im Auge behalten sollten. Potentielle Täter kommen in der Regel nicht „zufällig“ vorbei. Sie erkunden in vielen Fällen das Areal, um dann zu „passender Zeit“ zuzuschlagen. Auch sollten Unbekannte angesprochen werden, die sich auf dem Stall- oder Hofgelände aufhalten. Autonummern sollen in auffälligen Situa-tionen notiert und ebenso auffälliges Verhalten von Personen protokolliert werden. In jedem Fall aber sollte bei verdächtigen Vorgängen oder Vorkommnissen sofort die Polizei hinzu-gezogen werden. Der Pferdesportverband warnt Pferde- und Stallbesitzer ausdrücklich davor, verdächtige Personen per Selbstjustiz zu bestrafen. Sie machen sich selbst strafbar und setzen sich einer erheblichen Gefahr aus, weil Täter oft auch entsprechend bewaffnet sind und sich einer Erkennung oder gar Festnahme gewalttätig zu entziehen suchen. Immer gilt es, die Poli-zei zu alarmieren. Lediglich das Festhalten unbekannter Personen auf dem Gelände kann unter bestimmten Umständen erlaubt sein, zum Beispiel nach § 127,1 Strafprozessordnung, wenn ein Täter auf frischer Tat ertappt wird und dem Besitzer des Hofes nicht bekannt ist.
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