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Pferdeschänder schlagen zu PD 10/2011
Pferdeschänder schlagen zu

Erschütternd war vor kurzem der Bericht im Westdeutschen Rundfunk (WDR-Fernsehen) über schreckliche Übergriffe auf zwei Pferde in NRW: Zunächst wurde eine Stute derart misshandelt, dass sie an den Folgen starb. Der entsetzte Besitzer hatte zunächst im Unglück noch Glück und fand in seiner Herde eine Schimmelstute, die das Fohlen der getöteten Stute adoptierte. Doch das Entsetzen hatte noch kein Ende. Wenige Tage später fand der Pferdemann die „Adoptivmutter“ auf der Weide liegend – tot. Das Fohlen lag unverletzt daneben in einer Haltung, die man durchaus als Trauerhaltung wahrnehmen konnte. Die Fernsehbilder waren erschütternd. Die Polizei tappt im Dunkeln, trotz intensiver Bemühungen.

In Baden-Württemberg, im oberschwäbischen Aitrach, meldete am 15. September 2011 die Schwäbische Zeitung Übergriffe auf zwei Pferde. Ihnen wurden im „Schutze der Nacht“ Schnittwunden zugefügt. Ein anderer Fall, den die Redaktion des PRESSEDIENSTES erfuhr, blieb der Öffentlichkeit verborgen, weil die betroffenen Pferdeleute dies so wünschten, aus Angst vor weiteren Übergriffen. Die eingeschaltete Polizei hält sich ebenfalls bedeckt, versicherte dem PRESSEDIENST gegenüber aber, dass gründlich ermittelt werde. Mehr war jedoch aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht aus dem Gesprächspartner herauszuholen. Gleichwohl hält sich die Redaktion des PRESSEDIENSTES an ihre Zusage, in diesem Fall Details, die ihr durch eigene Recherchen vorliegen, nicht zu veröffentlichen. Der Fall war ebenfalls grausam.

Es fällt auf, dass gerade die Sommermonate und vielleicht auch die Vollmondnächte die Täter antreiben, sich an Tieren zu vergreifen (vergl. PRESSEDIENST 8/2011). Pferde sind außerdem durch ihre Erziehung sehr vertrauensselig und zudem neugierig, was ihnen dann zum Verhängnis wird. Die Täter hinterlassen den Eindruck, sich mit Pferden einigermaßen auszukennen, was ihnen ihre Angriffe erleichtert. Dazu kommt, dass es für die Polizei offenbar sehr schwierig ist, Spuren zu sichern und damit Täter zu finden. Ein Pferdebesitzer sagte gegenüber dem PRESSEDIENST: „Es erstaunt mich aber doch, dass die Polizei bei Kapitalverbrechen trotz dürftiger Spurenlage vielfach recht schnell fündig wird.“ Wie die im obigen Fall ermittelnde Polizei dem PRESSEDIENST gegenüber betonte, gäbe es einen Austausch der Ermittlungen mit benachbarten Bundesländern „wegen der Nähe“. Ein landes- oder bundesweites Register gibt es dagegen anscheinend immer noch nicht für derartige Fälle.

Den Vorschlag der Redaktion an die ermittelnde Polizeidienststelle, im betroffenen Pferde-sportkreis eine Informationsveranstaltung zum Thema „Sicherheit für Pferde im Stall und auf der Weide“ zu organisieren, stieß auf höfliche Distanz: „Gerne unterstützen wir Sie und Ihren Verband im gemeinsamen Bemühen für die Sicherheit in der Pferdehaltung. Einen Vortrag bzw. Diskussion zu diesem Thema erachte ich jedoch nicht zielführend, weil eventuell bei den Pferdehaltern Erwartungen geweckt werden, die nicht erfüllt werden können. Ihr Verband und auch andere Institutionen sowie die Polizei haben bereits mehrfach Tipps zum Thema „Maß-nahmen gegen Pferdeschänder und Diebstahl von Reitzubehör“ veröffentlicht. Im Bereich der Sicherungstechnik und den Ratschlägen zum Verhalten der Pferdebesitzer bei Auffälligkeiten gibt es leider keine neuen Erkenntnisse.“

Dennoch verschließt sich die Polizei nicht bei Anfragen. Individuelle Problemstellungen könn-ten nur individuell gelöst werden, heißt es in der Mail an den PRESSEDIENST weiter. Betroffenen oder Interessierten, die ihre Anwesen oder Weiden im Landkreis haben, wird ein persönliches, kostenloses Beratungsgespräch vor Ort angeboten. Die „Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen“ im Lande stünden ebenfalls zur Verfügung.

Gerade dieses Angebot sollten die Pferdebesitzer getrost zahlreich nutzen. Eine individuelle Beratung ist auf jeden Fall von Vorteil und nützt den Pferdebesitzern und Stallbetreibern vor Ort am ehesten, ihre Pferde vor Übergriffen zu schützen.
Martin Stellberger

Kontakt:
Karl Rau, Polizeidirektion Ravensburg, Kriminal- und Verkehrsprävention
Tel. 0751-803-2420

Literaturhinweis:
So schütze ich mein Pferd, Müller Rüschlikon, ISBN 3-275-01324-6, Schedel-Stupperich/Glindemann)