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Alexander Kern bekommt in Tübingen Gold ans Revers . PD 7/2011
Alexander Kern bekommt in Tübingen Gold ans Revers

Pliezhausen.
In Pliezhausen freut sich Alexander Kern samt Familie und Reiterfreunden auf den 2. Juli 2011: Beim Turnier in Tübingen nämlich wird der 24-jährige Springreiter mit dem Goldenen Reiterabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung geehrt. Eine solche Auszeichnung ist nicht alltäglich und hat den Reiz des Einmaligen. Das Goldene Reiter-abzeichen kann nämlich nur einmal im Leben eines Sportlers verliehen werden. Schon deshalb ist diese Feierstunde vor großem Publikum auf dem Turnierplatz etwas Besonderes. Doch dahinter stecken Arbeit, Fleiß, Geduld und – Pferde, die im Springsport gut und gerne mitmachen. Ohne sie ist der Preis nicht zu holen. Alexander Kern hat diese Pferde. Caribo heißt das Pferd, das ihm 2005 den ersten Sieg in Klasse S in Ludwigshafen einbrachte. Mit Casper gelang ihm ein Jahr später ein erneuter Sieg in Reutlingen, bevor sich der Reiter mit einer kleinen Durststrecke begnügen musste, denn erst 2008 war Kern mit Caribo und Casper wieder ganz oben angekommen, verständlich eigentlich, denn die Konkurrenz ist groß. Alexander Kern gewann 2008 sogar gleich viermal: in Eppelheim, im österreichischen Lamprechtshausen bei einem Nationenpreis und zweimal in Schutterwald. Doch allein sechs der im Idealfall zehn Siege genügen nicht für das Goldene Reiterabzeichen. Um die nötigen Erfolge zu erreichen, dürfen auch weitere hohe Platzierungen herangezogen werden: 23 Platzierungen in Klasse S vom zweiten bis 5. Platz stehen bis Redaktionsschluss in der Liste des Reiters. Allerdings ist auch hier nicht beliebig zu verfahren. Pflichtgemäß musste Alexander Kern, wie alle anderen Reiter auch, Wettbewerbe in Klasse S** (Zwei-Sterne-Prüfungen) bestreiten und bestehen! Diese Voraussetzung erfüllt der junge Pliezhausener mit seinen guten Plätzen in Bietigheim-Bissingen, Nörten-Hardenberg, Hückelhoven-Ratheim und in Biblis-Jägerhof. In Bisingen-Hohenzollern brachte es Alexander Kern sogar bei einem Drei-Sterne-Springen auf den 5. Platz. Dass Kern auch im italienischen Pioltello 2007 einen Preis der Nationen mit Platz zwei absolvierte, soll ebenso wenig unerwähnt bleiben wie die Namen seiner weiteren Pferde, die zum Gesamt-Guthaben beitragen: Graf Douglas und Decadence; mit Letzterer hatte er in Arrezzo bei der Sunshine-Tour 2010 im Großen Preis (S**) den vierten Platz errungen.

Wer beim Reiten so hoch hinaus will wie Alexander Kern, der muss ganz schön viel Zeit investieren und reisen. Denn die Turnierorte liegen in der Regel ja nicht vor der Haustür. So kommt Alexander Kern eigentlich in der ganzen deutschen Republik herum, gelegentlich fährt er auch zu Turnieren ins benachbarte Ausland. Da muss man als Pferdefreund einen ganz großen Ehrgeiz entwickeln, um das alles zu schaffen, zumal auch Alexander Kern nichts in den Schoß fällt: Neben der Reiterei konzentriert er sich auf seine Arbeit und das berufliche Fortkommen, in dem er ebenfalls großes Engagement zeigt: Alexander Kern absolvierte nach der Realschule eine Lehre als Anlagenmechaniker für Heizung, Sanitär und Klimatechnik. Daneben ließen ihn die Pferde nicht ruhen, denn auch hier wollte er mehr als nur reiten: 2009 wurde Kern Pferdewirt mit Schwerpunkt Reiten. Dafür hatte er bei der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf eigens um zwei Jahre verlängert, um diese Qualifikation zu erlangen. Inzwischen besucht er die Meisterschule, um sich in seinem eigentlichen Beruf fortzubilden.

Immer unterstützend dabei sind Alexander Kerns Eltern Elfriede und Werner Kern. Sie führen in Pliezhausen einen eigenen Fachbetrieb, in dem Alexander Kern seine berufliche Basis hat. Doch nicht nur der Beruf entspricht dem des Vaters. Das reiterliche Vorbild bietet dieser auch. Werner Kern war dreimal beim Hallenchampionat in der Stuttgarter Schleyer-Halle dabei und startete bei sieben Landesmeisterschaften in Schutterwald. Der Apfel fiel also nicht so weit vom Stamm, kann man sagen. Dabei spielte für Alexander zunächst der Fußball eine größere Rolle als das Reiten. Bis 1997 spielte er nämlich in der Pliezhausener E-Jugend. Mit 11 Jahren aber wendete sich das Blatt. Seit 1998 reitet Alexander Kern und hat es unter den Fittichen seines Vaters ganz schön weit gebracht. Auch Karl-Heinz Streng, der renommierte Reitmeister aus Mosbach, betreute den jungen Reiter ebenso wie der frühere Bundestrainer Dietmar Gugler aus Pfungstadt und Helmut Hartmann, der bekanntlich viele Jahre am Haupt- und Landgestüt Marbach die Ausbildung leitete. Die Früchte sind nun sichtbar, denn neben dem Goldenen Reiterabzeichen glänzt auch die Meisterschale der Jungen Reiter Baden-Württembergs aus dem Jahr 2008 im Trophäenschrank. Glanzlichter setzen in der Karriere die beiden Starts bei Nationenpreisen in Pioltello/Italien und Lamprechtshausen/Österreich. Denn die Berufung in Nationenpreis-Teams ist eine besondere Anerkennung für gute reiterliche Arbeit. Die krönt Alexander Kern fürs erste nun mit dem Goldenen Reiterabzeichen, das ihm am 2. Juli 2011 in Tübingen verliehen wird. Dabei freut sich der junge Mann besonders, weil ihm sein Lehrmeister Karl-Heinz Streng eigenhändig das „Goldene“ ans Revers heften wird.
Martin Stellberger