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Voltigieren in Mannheim PD 9/2000
MANNHEIM. Wer die Voltigier-Weltmeisterschaft von Mannheim (3.-6. August 2000) miterlebt hat, muss einfach hingerissen sein von dem, was die jungen Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt geboten haben! Hingerissen sein musste man aber auch von der Atmosphäre in der sonst so nüchtern, kalt und stählern wirkenden Messehalle auf dem Mai-Markt-Gelände. Was das Organisationsteam um Peter Hofmann, dem Präsidenten des Reitervereins Mannheim, geschaffen hat, lässt sich nur unzureichend mit "einer WM für junge Menschen würdig" beschreiben. Es genügt auch nicht zu sagen, "es hat alles geklappt". Nein, hier haben Menschen im besten pestalozzi'schen Sinn mit Kopf, Herz und Hand gewirkt. Und drittens beeindruckten Tausende von Zuschauern, meist ebenfalls junge Leute aus nah und fern. Da gab es keine bierernsten, fanatischen oder egoistischen Zuschauer, die nur ihren Sportler, ihre Sportlerin vorne sehen wollten. Die Stimmung lässt sich auch hier nicht einfach mit "wir sind halt eine große Familie" beschreiben. Natürlichkeit, sportlicher Geist, Fairness, Traurigkeit, überschwang - alles mischte sich zu einem wundervollen Gefühl der Zusammengehörigkeit. Wer siegte, wurde gefeiert, wer auf die Plätze kam, erhielt Sonderapplaus, wer vom Pferd fiel, wurde so lange mit Klatschen und Zurufen bedacht, bis er wieder lächeln konnte. Und gestaunt haben sie alle - über das, was die Mädchen und Buben, was junge Frauen und junge Männer auf dem Rücken der Pferde so alles an tollen Figuren hervorzauberten. Und wenn dann Nadja Zülow, die Weltmeisterin, bekennt, dass sie noch nicht alles aus sich herausgeholt hat, dass sie ein wenig auf Sicherheit bedacht war, dann fragt man sich als Laie, was da an Leistung wohl noch möglich ist.

Apropos Leistung: Die Gruppenvoltigierer verdienen eigentlich einen Sonderapplaus. Zwar voltigieren immer "nur drei" aus der jeweils angetretenen Gruppe auf dem Pferd. Der Vierte auf dem Pferd aber ist unsichtbar und heißt Vertrauen, gren-zenloses Vertrauen zum Pferd, zwischen Sportler und Longenführer und zwischen den Sportlern des Teams selbst. Vor allem aber die "Kleinsten" zeigten unendliches Vertrauen, sie, die sich bei den verschiedenen Figuren am höchsten hinauswagen mussten und das alles auf einem zwar ruhig, aber immerhin doch galoppierenden Pferd. Manchmal stockte einem geradezu der Atem - und ganz im Inneren spürte der Beobachter die Gewissheit: Das hätte ich mir selbst nie zugetraut! Die Weltmeisterschaft von Mannheim war ein Erlebnis der besonderen Art. Danke schön, Mannheim!
Martin Stellberger